Autohandel: Pro und Kontra

Autohandel: Pro und Kontra

— 09.02.2011

Autoverkäufer – arrogant oder arm dran?

Autoverkäufer: arrogant, faul, inkompetent? Oder: gebeutelt, gelinkt und zu Unrecht gescholten? Wer ist denn nun eigentlich unverschämt, die Kunden oder die Verkäufer? Zwei krass konträre Sichtweisen.

"Verkauf von oben herab – der Kunde fühlt sich als Schnorrer",
findet Tomas Hirschberger.

Sind Sie Masochist? Warum sich mit Ledergerte und Brennnesseln auspeitschen lassen, gehen Sie doch zum Händler und bestellen einen Neuwagen. Dort werden Sie für gutes Geld ignoriert, belächelt, mit etwas Glück sogar erniedrigt. Man glaubt es kaum, aber selbst die Krise hat sie nicht aus den Marmorpalästen getrieben, die Von-oben-herab-Verkäufer.

Der Kunde als Bettler

Redakteur Tomas Hirschberger.

Da entwickeln kluge Köpfe über Jahre neue Modelle, und dann kommen diese Grob-Pinsel mit Motivkrawatte und versauen in Sekunden alles. Diese blasierten Typen, die bei Schulungen pennen und aus Kunde König eine arme Wurst machen. Die dich beim Betreten der heiligen Hallen taxieren, als ob du Anstecknadeln und Prospekte schnorren willst. Schon ihre Körperhaltung signalisiert: Duuu kannst dir doch unsere Autos gar nicht leisten. Dann lächeln sie direkt durch dich durch, und du fühlst dich nackt und möchtest dich fast dafür entschuldigen, dass du diese feine Firma mit deinen lächerlichen Kröten belasten wolltest. Und wenn du die Frechheit besitzt, nach einer Probefahrt zu fragen, blocken sie ab, als wolltest du eine Spritztour auf lau in ihrem Privatauto machen. Übertrieben? Nee, leider nicht. Habe ich gerade genau so erlebt. Bei all den bemühten, freundlichen und kompetenten Verkäufern, denen ich jetzt auf den Schlips getreten bin, entschuldige ich mich aufrichtig. All den anderen sei versichert: Mich seht ihr so schnell nicht wieder.

Redakteur Karl-August Almstadt.

"Nur mal eben nach Amsterdam und andere Dreistigkeiten", beklagt Verkäufer-Versteher Karl-August Almstadt.

Natürlich gibt es sie, die Kotzbrocken der Branche. Alle(s) schon erlebt, aber das ist Jahre her. Es war die Zeit, als sich bestimmte Autos noch von selbst verkauften. Zuletzt war das in den 80ern der Fall. Heute ist der Kunde König, auch wenn er bettelt: "Wo gibt’s das Frühstück?" Oder meckert: "Der Kaffee ist kalt!" Und selbstverständlich vergleicht: "Bei Honda war der Fleischsalat besser." Sonntagmorgen beim Brunch im frisch eingedeckten Showroom: Es wird gemampft und gekleckert, die lieben Kleinen spielen Kriegen und Verstecken, vorzugsweise im Kofferraum der teuersten Limousinen. Sag mal was dagegen, dann hast du wohl was gegen Kinder – und bist raus aus dem Autohaus. Sorry, hab' nichts gegen Kinder, nur gegen schlecht erzogene. Es wäre außerdem nett, wenn Sie Ihr Baby nicht auf dem Zubehörregal wickeln würden.

Probefahrt-Tourimus nimmt zu

Autoverkäufer von heute müssen Psychotherapeuten sein, Aufpasser, Erzieher, aber keine Oberlehrer. Und vor allem: geduldig. "Wann kriegen wir den Vorführwagen zurück?" Ach so, die Gattin ist damit kurz nach Amsterdam gefahren. Die Fantasie der Kunden ist eben grenzenlos, der kaufentscheidende Reichweiten-Test die coole Tricky-Methode. Hast du keinen, kauf dir einen. Heißt: Tu zumindest so. "Probefahrt-Tourismus" nennt die geplagte Verkäuferseele dieses Phänomen, das landauf, landab mehr um sich greift als Schweinegrippe. Gern machen wir hinterher den Dreck weg. Die Schokoflecken, die Beule. Kann ja passieren. Einen schönen Tag noch.

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