Brauchen wir den Führerschein noch?

Autonomes Fahren: Rolle der Fahrschulen

— 10.12.2015

Autonom fahren ohne Führerschein?

Einige Autos parken schon jetzt von allein ein, bald sollen viele autonom fahren. Wer braucht da künftig noch den Führerschein? Ein Blick auf die Rolle der Fahrschulen.

Für viele junge Menschen ist das Auto kein Statussymbol, wer im Ferrari vorfährt, kann nicht mehr punkten.

Büffeln für die Theorie der Fahrschule, schwitzen bei der Fahrprüfung: Muss das auch im Zeitalter des autonomen Fahrens noch sein? Schon heute parken viele Autos von allein ein, diverse elektronische Assistenten machen die Fahrt zum Selbstläufer. Ist da überhaupt noch der Führerschein nötig? Noch vor zwei Jahrzehnten war der Führerschein eine Art freiwillige Selbstverpflichtung und Statussymbol zugleich. Wer 18 wurde, brauchte – gerade auf dem Land – die Fahrerlaubnis, Fahrschulen boomten. Heute jedoch nicht mehr. AUTO BILD zeigt, was sich bereits geändert hat!

Was bewegt die Fahranfänger heute?

Als Statussymbol hat das Auto für viele junge Menschen ausgedient, sagt Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF). Diese Rolle hätten Smartphones, Reisen und Kleidung übernommen. Vor allem in Großstädten mit gut ausgebautem Nahverkehr ist der Führerschein heute oft überflüssig. Oder, wie Zeltwanger es ausdrückt: "In der Stadt ist ein Auto Mist." In ländlichen Regionen seien junge Menschen indes froh, wenn sie mit 17 die Fahrerlaubnis in der Tasche hätten.

Alexander Dobrindt testet Google-Auto

Ausblick: Fahrschule der Zukunft

Wie wichtig sind Fahrlehrer heute?

Häufig wirken Fahrschulen antiquiert, deren Besitzer sind meist älter.

Die Branche der Fahrschullehrer leidet unter der Führerscheinmüdigkeit der jungen Menschen, immer weniger Junge folgen nach, und immer weniger machen die Fahrprüfung. Zuletzt ging die Zahl der Fahrschulen ebenso zurück wie die der praktischen Prüfungen. Wurden 2007 noch knapp 1,37 Millionen Prüfungen für den Autoführerschein abgelegt, waren es sieben Jahre später nur noch knapp 1,15 Millionen. Und der Berufsstand des Fahrlehrers? "Völlig überaltert", sagt der Vorsitzende des Bundesverbands deutscher Fahrschulunternehmen (BDFU), Rainer Zeltwanger, in Stuttgart. Laut Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) sind drei von vier Fahrlehrern älter als 45 – und fast jeder Dritte über 60.

Worauf setzen die Fahrlehrer?

Fahrschulen sehen die Schulung von Assistenzsystemen als neue Ertragsquelle.

Die Situation ist schwierig für das Gewerbe, aber die Fahrlehrer setzen mittelfristig auf die Digitalisierung des Straßenverkehrs. Denn: Die komplizierte Technik des Autos und stetig mehr werdende Assistenten muss ein Fahranfänger nicht nur beherrschen, sondern auch verstehen. Von Bressensdorf sieht es ähnlich: "Ich denke, dass es immer noch einen großen Bereich gibt, wo der Fahrer in der Verantwortung ist." Der Fahrer müsse die Assistenten verstehen und im Notfall schlagartig eingreifen können. Dementsprechend werde sich das Berufsbild des Fahrlehrers ändern. "Die Systeme müssen verstanden und gelehrt werden", sagt von Bressensdorf. Fahrlehrer würden mehr und mehr zu Coaches, die Technik erklären, meint Kollege Zeltwanger. Das könnte den Beruf auch für Jüngere attraktiv machen. Denn Nachwuchs wird händeringend gesucht. Junge Fahrlehrer als Technik-Coach wirken auf einen 16-Jährigen wohl auch glaubwürdiger als der Kollege im Rentenalter. 
Wie von Zauberhand: Autonom fahrende Autos

Wann kommt das autonome Fahren?

Auch beim automatisierten Fahren ist immer ein Fahrer erforderlich.

Derzeit ist in allen Stufen vom Start bis zum Beginn des vollautomatisierten Fahren die Anwesenheit eines Fahrers erforderlich, der bei Bedarf die Kontrolle über den Wagen übernimmt, heißt es aus dem Bundesverkehrsministerium in Berlin. Erst beim autonomen Fahren, der höchsten Automatisierungsstufe also, "übernimmt das System das Fahrzeug vollständig vom Start bis zum Ziel". So steht es in einem Strategie-Papier von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Fahrer wird zum Passagier. Doch das ist Zukunftsmusik. Stand jetzt wird das autonome Fahren gerade erst auf wenigen Strecken getestet – etwa auf der A9 in Oberbayern.

Fährt der Autofahrer demnächst nicht mehr selbst?

Auch künftig trägt immer der Fahrer die Verantwortung für den Wagen.

In der Stadt kommt das vollautomatisierte Fahren laut einer Prognose des Verbands der Automobilindustrie (VDA) wohl erst ab 2030 – komplett fahrerlos wird noch später gefahren. Und dann wird es noch Jahrzehnte dauern, bis der gesamte Auto-Bestand auf deutschen Straßen digitalen selbstfahrenden Autos weicht. Nicht zu sprechen von der Infrastruktur, die Datenübertragung im höchsten Tempo sowie Sensoren in Bauwerken und Signalanlagen erfordert. Ulrich Chiellino, Verkehrspsychologe des ADAC in München, vergleicht den Autofahrer von morgen mit dem Piloten von heute. "Der fliegt auch automatisiert, ist aber hin und wieder gezwungen, die Maschine zu übernehmen." Deshalb ermuntert er Autofahrer dazu, die Assistenten ab und zu auszuschalten und – etwa das Einparken – wieder selbst zu übernehmen.

Sind in Zukunft noch Fahrschulen nötig?

"Der Fahrlehrer wird weiter gebraucht", sagt VDA-Sprecher Eckehart Rotter. Aufgabe des Fahrlehrers sei auch, jungen Menschen deutlich zu machen, wie viel Aufmerksamkeit der Straßenverkehr erfordert – auf der Autobahn, auf der Landstraße und in der Stadt. Denn im Notfall trage der Fahrer auch künftig die Verantwortung für seinen Wagen. "Er ist der Chef und er bleibt auch noch viele Jahre der Chef. Allerdings wird er von immer mehr Assistenten unterstützt."

Autonome Autos: Fahren ohne Führerschein?

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