BMW 5er mit 991.000 Kilometern im Test

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BMW 5er (E39): Gebrauchtwagen-Test

— 14.08.2014

Unser neuer Dauertest-Millionär

AUTO BILD fährt jetzt einen BMW 5er von 1997, der schon 25-mal die Welt umrundet hat: Kilometer-Stand: 991.000! Was fällt im ersten Check auf?

Das Telefon klingelt. Am anderen Ende Hessel Terpstra (35), Inhaber der Kfz-Werkstatt Autobedrijf Terpstra im holländischen Sexbierum. Hessel ist ein alter Bekannter, jetzt will er uns was schenken: "Ich hab hier einen 5er-BMW, E39. Den könnt ihr als Dauertestwagen haben!" Er scheint von seiner Idee begeistert. Wir sind es noch nicht. "Sorry, Hessel, aber was soll an einem alten E39 interessant sein?" Seine Antwort: "991.000 Kilometer!" Zwei Tage später sitzen wir im Auto auf dem Weg in die Niederlande. Wie sieht ein 5er mit fast einer Million Kilometer auf der Uhr aus? Wie fährt sich ein Wagen, der rechnerisch 25-mal die Erde umrundet hat? Wir wollen es herausfinden und nehmen ihn in unseren Dauertestfuhrpark auf. Die letzten Kilometer bis zur Million gehören uns!

Unser Neuer hat ein wahres Malocher-Leben hinter sich

Astronomischer Tachostand! Die einzige Anzeige ohne Pixelfehler ist leider nur sechsstellig.

An Hessels Werkstatt angekommen, erwartet uns Johannes Rutten (54), Unternehmer und Vorbesitzer des angehenden Millionärs. Ein sympathischer, energischer Kerl, dessen Erzählungen ein Bild ergeben, das sich in der äußeren Erscheinung des Wagens spiegelt. "Der BMW war mein Arbeitsgerät. Ich fahre viel und weit, das meiste kam auf deutschen Autobahnen zusammen." Und die äußeren Kampfspuren? "Egal! Der musste funktionieren, sonst nichts." Ein Umstand, der uns besonders freut. Taschentuchgepflegte Laufleistungs-Riesen, die von ihren Besitzern nur bei Sonnenschein über die Landstraßen getragen werden, tauchen immer wieder mal auf. Dieser 5er hingegen ist ein Malocher. Er musste genauso Vollgas wie schwere Lasten am Haken ertragen. Ohne viel Pflege. Solche Kandidaten machen meist deutlich früher schlapp.

Motor und Getriebe sind noch original

Was musste alles repariert werden, um diese astronomische Laufleistung zu erreichen? Lässt er sich überhaupt noch sicher auf der Straße bewegen? Gemeinsam mit dem Werkstattchef und dem Vorbesitzer studieren wir alle Rechnungen, die seit 2000, als Rutten den damals dreijährigen Gebrauchten mit 136.000 Kilometern kaufte, angefallen sind. Und staunen. Neuer Motor? Nein. Wenigstens überholt? Auch nicht. Einzig der Zylinderkopf musste bei 650.000 Kilometern ersetzt werden. Und das Getriebe? Die sensible Automatik ist doch bestimmt gewechselt worden! Nein. Nicht mal das Getriebeöl. Okay, bei Kilometerstand 800.000 wurde der Fahrersitz aufgepolstert, nach weiteren 50.000 Kilometern durften neue Scheinwerfer wieder für Durchblick sorgen, nachdem die Streuscheiben der alten aussahen wie sandgestrahlt.
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Wer wissen will, wie schnell er fährt, muss die Leder-Lenkradlappen leicht lupfen.

Windschutzscheiben bekam der 5er diverse. Und auch sonst gibt es reichlich Spuren der Vergangenheit: Die vom Steinschlag zerschossene Frontpartie sieht aus wie nach einem Granatenangriff, von den Displays funktioniert nur noch der Kilometerzähler, immerhin. Wer sich dafür interessiert, wie schnell er gerade unterwegs ist, muss die Leder-Lenkradlappen leicht lupfen, um einen freien Blick auf den Tacho zu ergattern. Der abgebrochene Beifahrertürgriff, der fehlende Heckdeckelöffner und diverse Dellen sind stumme Zeugen eines bewegten Autolebens. Die starken Rostschäden dürften eher der salzigen Luft an Hollands Nordseeküste als der Laufleistung geschuldet sein. Getreu dem Motto "fördern und fordern" gönnte Rutten seinem rollenden Arbeitsplatz alle 10.000 Kilometer einen Ölwechsel. Auch Fahrwerkbuchsen und Bremsteile gab es öfter neu. Obwohl kaum etwas Größeres kaputtging, sind in all den Jahren über 50.000 Euro an Reparaturkosten in den 5er geflossen. Rund 77.000 Liter Diesel hat er verbrannt, jedes Jahr 60.000 Kilometer abgespult.

Auch im Rentenalter beansprucht der 5er die linke Spur für sich

Herrliches Cruisen: Die Automatik schaltet butterweich. Die exakte Lenkung und die leisen Fahrgeräusche verblüffen.

Wir sind neugierig, möchten endlich selbst fahren. Aber trotz langen Anlasserorgelns bleiben alle Startversuche erfolglos. "Schlechte Kompression!", ruft Hessel grinsend rüber und zeigt auf einen kleinen Knopf unter dem Armaturenbrett. "Damit kann man die Glühzeit verlängern." Tatsächlich. 15 Sekunden später schnurrt der Reihensechszylinder weich und rund, als wäre nie etwas gewesen. Die Automatik schaltet butterweich. Die exakte Lenkung und die leisen Fahrgeräusche verblüffen. Abends auf der deutschen Autobahn geht es erst vorsichtig auf 160, 180, schließlich summen wir mit 200 km/h dahin. Ohne Murren. Die Selbstverständlichkeit, mit der die bayrische Businessklasse noch im Rentenalter die linke Spur für sich beansprucht – unglaublich! Da müssten manche Neue aus der AUTO BILD-Testgarage rot vor Scham werden. Jetzt geht es auf die Zielgerade. In den nächsten Wochen werden wir die letzten 8000 Kilometer unter die Räder nehmen, mal schauen. Natürlich mit Respekt vorm Alter, aber unter realen Bedingungen. Welche Zugeständnisse verlangt der Senior im Alltag? Hält er durch, oder sorgt ein großer Defekt doch noch für ein abruptes Ende? Seine letzte Reise führt ihn zurück zum Geburtsort. In München werden ihn die Jungs von BMW für uns zerlegen. Bis dahin machen wir mit dem Millionär noch ein paar Geschichten. Und fragen uns: Warum werden Autos selten so viel gefahren? Rechnet es sich, ein Auto so lange zu halten? Wo lauern die Gefahren? Der Vorbesitzer Johannes Rutten jedenfalls ist von dem Modell überzeugt. Er hat sich einen der letzten E 39 gekauft – "mit frischen 269.000 Kilometern".

Die Demontage hat unser Kilometer-Millionär noch vor sich. Welche Macken beim 5er-Senior jetzt schon auffallen, sehen Sie in der Bildergalerie.

Unser neuer Dauertest-Millionär

BMW 5er BMW 5er BMW 5er

BMW 5er im autobild.de-Gebrauchtwagenmarkt


Autor:

Malte Büttner

Fazit

Dieser Test ist ungewöhnlich und gerade deshalb spannend. Was er kann, hat der alte 5er schon lange bewiesen. Das Erreichen der Million ist jetzt Ehrensache. Bis zu seiner Zerlegung wird er noch einiges erleben. Hoffentlich hält er durch. Fortsetzung folgt.

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