BMW-AktivLenkung

BMW-AktivLenkung

BMW-AktivLenkung

— 22.08.2002

Fahrer lenkt – Lenkung denkt

Einmalig: Im nächsten Fünfer bietet BMW eine Lenkung an, die erstmals ein variables Übersetzungsverhältnis hat.

Gokart-Feeling und Fahrspaß pur

Lenkungen sind ein leidiges Thema. Besonders für die Konstrukteure. Grund: Das Übersetzungsverhältnis ist starr. Also entscheidet man sich für einen Kompromiss. Der liegt meist bei etwa 1:18, das heißt, ein Grad Winkeländerung am Rad bedeuten 18 Grad am Lenkrad. Mit dieser Auslegung muss der Autofahrer leben, egal ob er parkt, über kurvenreiche Landstraßen fährt oder mit Höchsttempo auf der Autobahn unterwegs ist.

Dabei brauchte er genau für diese drei Szenarien jeweils ein anderes, besser passendes Übersetzungsverhältnis. In der Stadt sollte die Lenkung sehr direkt (Verhältnis bis 1:10) sein, damit am Lenkrad weniger gedreht werden muss, die Räder aber weit einschlagen. Auch auf kurvenreichem Terrain ist ein direkteres Verhältnis erwünscht. Der Wagen fühlt sich knackig an, reagiert spontaner, fährt handlicher. Erst bei höherem Tempo (über 120 km/h) muss eine Lenkung indirekter werden (bis 1:25), weil kleine Lenkradbewegungen nicht gleich einen zackigen Spurwechsel im Schumi-Format nach sich ziehen sollen. Außerdem verbessert das indirekte, trägere Verhältnis den Geradeauslauf. Der Autofahrer muss so nicht ständig korrigierend eingreifen.

Auf diesem Hintergrund bleibt für den Ingenieur nur die indirekte Auslegung der Lenkung. Mit dem Nachteil: weniger Spaß bei Kurvenfahrt, zu viel Kurbeln beim Parken und Rangieren. Doch das Leid hat ein Ende: BMW kommt 2003 im neuen Fünfer mit einer Lenkung, die je nach Tempo direkt, neutral oder indirekt wird. In Sekundenbruchteilen. Ihr Name: AktivLenkung. Erste Versuchsfahrten, die wir auf dem BMW-Testgelände unternahmen, waren beeindruckend. Noch nie ist ein Serienauto handlicher durch Pylonengassen gewedelt und durch Kurven gegangen. Gokart-Feeling, Fahrspaß pur.

Die AktivLenkung denkt 100-mal pro Sekunde

Die Technik hierzu ist relativ simpel, dass man sich fragt, warum die Entwickler nicht schon früher darauf gekommen sind. Die AktivLenkung ist eine Überlagerungslenkung. Hierzu wurde in die Lenksäule ein Planetengetriebe (etwa so groß wie ein Kaffeebecher) integriert, in das ein kleiner Elektro-Stellmotor greift. Beim Parken zum Beispiel oder in engen Kurven hilft der E-Motor über das Planetengetriebe, die Räder mehr einzuschlagen, als der Autofahrer eigentlich am Lenkrad dreht. Der Wagen wirkt wesentlich direkter, aktiver, handlicher. Bei hohem Autobahntempo greift der E-Motor entgegengesetzt ein, nimmt den Radeinschlag etwas zurück. Das Auto wird indirekter, ruhiger. Rund 100-mal die Sekunde werden die erforderlichen Daten über Sensoren erfasst und neu berechnet. Das Steuergerät entscheidet, ob und wie viel an Lenkwinkel zugegeben oder zurückgenommen wird.

Der Hauptgrund für BMW, sich für die AktivLenkung zu entscheiden und nicht den elektronischen Weg "Steer-by-Wire" zu gehen, ist die realistische Rückmeldung, weil die mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und den Rädern erhalten bleibt. Auch das Thema Sicherheit (Elektronikausfall, redundante Systeme) ist ein Grund für AFS (Active Front Steering). Das Lenksystem (nur vier Kilo Mehrgewicht) ist sogar so intelligent, dass es bei Schleudergefahr den Wagen auf Kurs hält, noch bevor das DSC seine Arbeit beginnen würde. Kosten wird die AktivLenkung etwas mehr als 1000 Euro, zu haben im Fünfer, Sechser und in nachfolgenden Modellen. Der nachträgliche Einbau, beispielsweise im Siebener oder auch im kommenden Z4, ist nicht möglich.

Nicht ganz unglücklich sind die Bayern, die Abkürzung AFS nicht verwenden zu können. Man wolle eh weg von den Buchstaben, heißt es aus München. AFS ist belegt. Es steht nicht nur für Hellas aktives Frontlicht, sondern auch für die "Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen".

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