Kewet El Jet trifft BMW i3

BMW i3 trifft Kewet El Jet

— 07.11.2014

Seit 22 Jahren unter Strom

Elektroautos? Für Eduard Schäfer (91) nichts Neues. Sein Kewet El Jet tankt seit 1992 an der Steckdose. Wir haben ihn mit dem BMW i3 besucht.

Wasserscheu ist der Kleine! Wenn Eduard Schäfer die Riesenpfütze am Waldrand mal wieder voll erwischt hat, geht sein Kewet El Jet einfach aus. "Die Elektrik mag keine Feuchtigkeit", sagt der 91-jährige Hamburger, "also rolle ich lieber vorsichtig über den Seitenstreifen vorbei". Die nächste Gefahr lauert im Verborgenen – in den Bleiakkus des 22 Jahre alten Elektroautos. "Liegen geblieben bin ich schon oft", erklärt Schäfer, "ich weiß gar nicht mehr, wie häufig meine Frau mich mit der Abschleppstange schon irgendwo aufgegabelt hat". Anders als bei modernen Stromfahrzeugen gibt es in dem 1992 gebauten E-Auto nämlich keine ordentliche Reichweitenanzeige.

Der winzige Stromer erreicht rund 60 km/h Spitze

Für die Stadt reicht's: Der Kewet El Jet schafft bis zu 50 Kilometer, bevor er wieder an die Steckdose muss.

Einen ungefähren Anhaltspunkt, wie fit die Batterien noch sind, liefern vier nachträglich an der A-Säule montierte Spannungsmesser. Und Erfahrungswerte. "50 Kilometer sind in der Regel drin", sagt Schäfer, "und 50 bis 60 km/h Spitze". Eine Ladung an der 220-Volt-Steckdose dauert etwa acht Stunden. Als der Hamburger den von 1991 bis 1998 vorwiegend in Dänemark und später in Norwegen hergestellten Kleinstwagen vor 22 Jahren kaufte, waren Elektroautos noch Exoten. Zeitgenössischen Benzin- oder Dieselfahrzeugen konnten die meist schrulligen Gefährte nicht das Wasser reichen. Wer elektrisch fuhr, musste damals verzichten, vor allem auf Sicherheit und Komfort. Was dem Weltkriegssoldaten Schäfer nicht schwerfiel. Schließlich hatte er eine Mission: "Ich sah, dass es mit den Erdölvorräten allmählich vorbeigeht", sagt der pensionierte Feuerwehrmann, der vor dem Mauerbau auch mal einen Wartburg durch Hamburg steuerte.

Bei den Batterien besteht dirngender Handlungsbedarf

Sorgenkind: Batteriesatz Nummer vier ist verschlissen, das Originalfabrikat nicht mehr erhältlich.

Zurzeit beschäftigt den studierten Ingenieur und Flugmotorenschlosser Batteriesatz Nummer vier. Die Energiespeicher sind verschlissen, Schäfers Lieblingsfabrikat nicht mehr lieferbar. Am liebsten würde er andere als die in den Fahrzeugpapieren vorgesehenen Akkus einbauen. "Doch dann könnte die Betriebserlaubnis erlöschen", sagt er. Den Einbau einfach so vorzunehmen, also ohne Zustimmung des Verkehrsamts, kommt für ihn nicht infrage. "Das würde ich niemals machen, ich bin doch Beamter", sagt Schäfer, der mit über 90 erstaunlich fit ist. Ohne Probleme zieht er einen Anhänger aus einem Unterstand. "Den habe ich nach der Wende in der DDR gekauft", sagt er und koppelt Zweiachser und Zweisitzer zu Hamburgs wohl einzigem E-Auto-Gespann zusammen. "Mit dem Hänger fahre ich Gartenabfälle zum Recyclinghof, die kennen mich da schon", erzählt Schäfer und lächelt.

Am BMW i3 stört den Strompionier die unruhige Linienführung

Alt trifft neu: Der BMW i3 erntet Schäfers skeptische Blicke, das Design kann ihn nicht überzeugen.

64.808 Kilometer hat der Strompionier in zwei Jahrzehnten elektrisch zurückgelegt, an diesem Tag kommen 20 hinzu: in einem BMW i3 des Jahres 2014. Schäfers erster Eindruck ist durchwachsen. "Groß ist er. Aber mich stört die unruhige Linienführung", sagt der Senior und fährt mit der Hand an der Kante unterhalb des Heckfensters entlang. "Das hätte ich anders gemacht." Dann geht es los. Der Hamburger fährt den von AUTO BILD mitgebrachten Dauertestwagen, als ob er schon seit Jahren drinsäße – einmal Strom, immer Strom. "Ich bin überzeugt, dass die Zukunft des Autos elektrisch ist", sagt er, "aber bis alles umgerüstet ist, vergehen womöglich noch 50 Jahre." Was auch daran liegen könnte, dass die Bundesregierung kein Fördergeld ausgeben will. 1992 war das zumindest in Hamburg noch anders. "Pro Sitz gab es 4500 Mark Subvention", erinnert sich der Pensionär. Dadurch kostete sein El Jet nur 16.000 statt 25.000. Mark, wohlgemerkt.

Unmodern fand Schäfer seinen El Jet übrigens nie. "Der war lange vor dem ersten Smart auf dem Markt", sagt er, "für die Stadt ist der ideal." Gern verleiht er den Wagen an Gattin Hanna (85). "Erst hat sie immer gesagt: Du und dein Spieltrieb. Dann hieß es: Das ist jetzt meiner."

Autor: Claudius Maintz

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