Gebrauchtwagentest: BMW X3

BMW X3 2.0d BMW X3 2.0d

BMW X3: Gebrauchtwagentest

— 27.04.2010

Ein teurer Fahrspaß?

Premium, kompakt, lifestylig – der BMW X3 brachte den SUV in die feinere Gesellschaft. Für die meisten war er unerschwinglich. Das ändert sich gerade. So langsam kommt Bewegung in die abgehobenen Preise.

Irgendwann erwischt er sie alle. Auch die Wertbeständigen, die scheinbar den Marktgesetzen widerstehen. Dann schlägt er zu: der Wertverlust, gegen den sie lange Zeit immun schienen. Für den BMW X3 ist diese Zeit jetzt gekommen. Mit dem X1 erhielt er kürzlich attraktive Konkurrenz im eigenen Hause; für den Herbst ist der Nachfolger angekündigt. Da kommen die Gebrauchtwagenpreise ins Rutschen. Das wird aber auch Zeit – denn obwohl der kleine Bruder des X5 bereits 2003 vorgestellt wurde, war er als Gebrauchter bis vor Kurzem nicht unter 20.000 Euro zu haben. Was sicher auch ein Verdienst der guten Qualität ist. Denn was die Zuverlässigkeit betrifft, hat BMW jetzt seit Jahren einen guten Lauf. 
Technische Daten BMW X3 2.0d
Hubraum 1995 ccm
Leistung 110 kW/150 PS
Höchstgeschwindigkeit 198 km/h

Kompakt: Mit 4,56 Meter Länge passt der BMW X3 gerade noch in die City.

Auch der X3 ist ein Auto nahezu ohne typische Schwächen. Womit nicht konzeptionelle Macken gemeint sind, da müssen X3-Fahrer etwa ähnlich abgehärtet sein wie die Federung ihres Autos. Aber an den Fahrzeugen geht so gut wie nie etwas kaputt. Wichtigstes Indiz: Im AUTO BILD-Kummerkasten, unserem Maßstab für Zuverlässigkeit, ist der X3 kaum vertreten. Wenn überhaupt, tauchen dort defekte Turbolader auf. Rund 90 Prozent der Kompakt-SUV haben einen Turbodiesel unter der Haube – und viele BMW-Fahrer verspüren Leistungsmangel. Dem wollen sie mit Chiptuning abhelfen, was wiederum den Turbolader ins Schwitzen bringt – bis hin zum Exitus. Also besser ein nicht getuntes Exemplar suchen, regelmäßig (nach Anzeige) Öl wechseln und sich freuen, mit welchen geringen Ansprüchen solche Hochleistungsdiesel ihre Kilometer abspulen.
Kosten für die empfohlene Motorvariante X3 2.0d (110 kW/150 PS)
Unterhaltskosten
Testverbrauch-CO2 7,8 l D/100 km-191 g/km
Inspektion 200 bis 500 Euro
Haftpflicht (21)* 680 Euro
Teilkasko (25)* 217 Euro
Vollkasko (20)* 747 Euro
Kfz-Steuer (Euro 3) 309 Euro
*Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zulassung in Hamburg, Fahrer: Versicherungsnehmer und Partner (25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Beitragssatz 100 Prozent
Ersatzteilpreise**
Lichtmaschine (AT) 550 Euro
Anlasser (AT) 390 Euro
Wasserpumpe (AT) 280 Euro
Zahnriemen entfällt, Kette
Endschalldämpfer 490 Euro
Kotflügel vorn, lackiert 610 Euro
Bremsscheiben und -klötze vorn 455 Euro
**inklusive Lohnkosten und 19 Prozent Umsatzsteuer

Schwerwiegend sind Fehler am Verteilergetriebe, die sich als Rucken beim Beschleunigen sowie als Rumpeln und Brummen bemerkbar machen.

Ausnahme: Beim 2.0d geht schon mal die schwingungsentkoppelte Keilriemenscheibe kaputt, erkennbar am Dröhnen in niedrigen Drehzahlen um 1200/min. Manche Fahrer spürten auch ein Grummeln oder Brummen unter dem Auto sowie Rucken beim Beschleunigen – Merkmale eines defekten Verteilergetriebes im Allradantrieb, das BMW in der Regel auf Garantie oder Kulanz erneuerte. Aber auch die Kupplung zeigt mitunter Launen, beginnt ohne ersichtlichen Grund zu rupfen. Und wer den SUV artgerecht nutzt, also öfter mal einen Anhänger von einer schlammigen Wiese zieht, muss mit ihrem baldigen Verschleiß rechnen. Abhilfe: Die absolut unauffällige Automatik wählen, so umgeht man auch die bei Kälte störrische Schaltung.
Nicht eben vorbildlich: Bis September 2005 war der Rußfilter nicht serienmäßig. Aber Twintec und Co haben Nachrüstlösungen auf Lager. Aber das muss man dem Verkäufer nicht flüstern, ihm gegenüber dient der fehlende Filter als Argument für Preisnachlass. Denn der X3 wird zwar etwas preiswerter – aber mit Sicherheit nie richtig billig.

Die AUTO BILD-Probefahrt

Wieder bestätigt sich die große Nachfrage nach dem X3: Statt des bestellten 2.0d stellt uns der Hamburger Gebrauchtwagenhändler Autopark einen 3.0d hin – der Zweiliter sei gerade verkauft worden. Egal, von außen sind sowieso kaum Unterschiede zu sehen. Allerdings ist dieses Auto vollgestopft mit Extras wie Leder, Sportpaket und Navi. Neupreis im August 2005: rund 55.000 Euro. Die abwaschbare Kargheit serienmäßiger X3 lässt sich mit solch einem Luxusdampfer natürlich nicht dokumentieren. Nur die unlackierten, mattschwarzen Stoßfänger zeigen diesen Billig-Look, der helle X3 immer ein wenig wie Autoscooter aussehen lässt. Was bei Schwarz, der beliebtesten Farbe dieses BMW, jedoch nicht weiter auffällt. Unverzeihlich: Der Diesel atmet ohne Filter aus. Trotzdem soll er noch 22.650 Euro kosten, bei glatten 100.000 km auf dem digitalen Zähler.

Vom Fahren erinnert der X3 an einen Neuwagen: Nichts klappert, selbst das Nebengeräusche produzierende Glasdach zirpt nur auf groben Unebenheiten. Dass es davon jede Menge auf unseren Straßen gibt, bleibt dem X3-Fahrer nicht verborgen. Erst recht nicht, wenn das Auto wie unser Testwagen mit Sportfahrwerk und 18-Zoll-Rädern ausgerüstet ist. Die Federung ist einfach unerbittlich und wird auf Langstrecken richtig lästig, weil Karosserie und Insassen nie zur Ruhe kommen. Die Fahrfreude kehrt zurück, wenn Kurven sich mit gutem Belag vereinen, was immer seltener der Fall ist. Allerdings läuft unser Test-BMW auch überzeugend geradeaus, wobei das Lenkrad exakt geradesteht. Allzu viele Einpark-Exzesse über Bordsteine hinweg scheint sein Fahrwerk also noch nicht erlebt zu haben.

Auch die Felgen sind makellos, und der Sechszylinder schnurrt zufrieden. Nur die Sechsstufenautomatik schaltet gewohnt voreilig schon beim leichten Gasgeben zurück, wo doch allein das Drehmoment des großen Diesels genügt hätte. Rucken beim Beschleunigen? Fehlanzeige, das Verteilergetriebe scheint also noch nicht verschlissen zu sein. Das Auto ist top, keine Frage. Erste Hand, voller Extras, unfallfrei, keine nennenswerten Gebrauchsspuren. Aber eben ohne Rußfilter und mit 100.000 Kilometern auch nicht wenig gelaufen. 22.650 Euro sind dafür ein stolzer Preis. Ein kurzer Blick ins Netz zeigt: Das geht auch billiger. Und es muss nicht unbedingt der, zugegeben sahnige, Dreiliter sein. Denn der nächste Spritpreis-Schock kommt bestimmt, dann spielt der 2.0d seine Trümpfe aus – Testverbrauch 7,8 Liter. Aber auch bei der Anschaffung lässt sich sparen: Die Benziner liegen durchweg preiswerter, Wenigfahrer kommen damit unterm Strich am günstigsten weg.

Das macht Ärger

Die Achsen sind grundsolide, auch die Spurstangen halten sehr lange. Probleme gibt es mit gebrochenen Federn, meist an der Hinterachse, oder ganz vereinzelt auch mit porösen Bremsschläuchen. Und: Große 19-Zoll-Räder laufen meist einseitig ab. Auf ein Schiebedach sollte man lieber verzichten. Denn das riesige Panorama-Glasdach neigt zum Verziehen, weil die Seilzüge sich ungleichmäßig längen. Dann schließt es nicht mehr richtig und fabriziert Windgeräusche. Außerdem klappert und knistert es immer irgendwo. Laut ADAC ist die Batterie die größte Schwäche des X3, die ihre Ursache aber eher in den Gewohnheiten der Fahrer hat. Wer nur Kurzstrecke fährt, gibt dem Akku keine Chance, sich aufzuladen. Erst recht nicht , wenn Sitz- und Heckscheibenheizung dabei stets mitlaufen.

Das macht Freude

Die Antriebsaggregate sind Musterstücke des Motorenbaus, laufruhig, pflegeleicht, langlebig. Und – gemessen an der Leistung – auch recht sparsam. Begehrenswert sind die Sechszylinder, aber die Zweiliter mit vier Töpfen machen ihre Sache auch nicht schlecht. In Sachen Handling ist macht dem X3 kein Kompakt-SUV etwas vor: Der X3 reagiert auf den kleinsten Dreh am Lenkrad, bleibt präzise auf der angepeilten Linie und wechselt wieselflink die Richtung. Auf Kosten des Komforts, denn die Federung der ersten Generation (bis 9/2006) ist knüppelhart. In den Kofferraum passt was rein: Ohne Umklappen der Lehnen schluckt der Gepäckraum üppige 480 Liter und maximal bis zu 1560 Liter. Dürftig sind allerdings die 380 Kilo Zuladung, die gerade so für vier gestandene Mannsbilder ausreichen – ohne Gepäck.

Hendrik Dieckmann

Hendrik Dieckmann

Fazit

Teuer ist der Fahrspaß im BMW X3 nur bei der Anschaffung, danach sorgen preiswerte und selten anfallende Wartung sowie – nach SUV-Maßstäben – günstige Verbräuche für Kilometerkosten, die auf dem Niveau von Kompaktwagen liegen. Die hohe Zuverlässigkeit ist dabei noch nicht berücksichtigt. Doch selbst wenn mal etwas kaputtgeht, liegen die Preise im Rahmen des Erträglichen. Bliebe die Sache mit dem Federungskomfort: Den suchen wir vergebens, auch die bei der Modellpflege Ende 2006 vorgenommene Weichspülung zeigt nur wenig Erfolg. Für mich persönlich ein Ausschluss- Kriterium. Denn um sportlich zu fahren, benötigt nie mand einen SUV.

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