Drei sportliche Zweisitzer im Test

BMW Z4/Mercedes-AMG SLC 43/Porsche 718 Boxster: Test

— 26.08.2016

Dreikampf der Kraft-Roadster

Sportlichen Fahrspaß an frischer Luft versprechen diese drei zweisitzig Cabrios von BMW, Mercedes-AMG und Porsche: Z4, SLC 43 und 718 Boxster im Test.

So viele Tage gab es in diesem Jahr noch nicht, an denen sich der Sommer in ganzer Pracht und brennender Herrlichkeit gezeigt hat. Doch wie abgesprochen feuerte "die gelbe Sau" (Peter Licht – Lied gegen die Schwerkraft) mit heftigsten Strahlen jenseits der 30 Grad, als wir mit BMW Z4 35is, Mercedes-AMG SLC 43 und Porsche 718 Boxster S auf die Suche nach kurvigen Strecken gingen. Und während wir sonst auf Rundenzeiten und Querdynamik abzielen, geht es bei diesen drei überaus kraftvollen Sonnenanbetern auch mal um ein bisschen Wellness.

Die größte motorische Veränderung steckt im Porsche

Sechszylinder adé: Der neue Porsche Boxster wird von einem per Turbo aufgeladenen Vierzylinder befeuert.

Während BMW und Mercedes auf sechs Zylinder setzen, muss der brandneue 718 Boxster S mit vier Brennräumen auskommen. Allen gemein ist, dass sie Produkte des Downsizing-Gedankens sind und statt auf viel Hubraum auf den Einsatz von zwei, im Fall des Vierzylinders im Boxster auf einen Turbolader setzen. Bei Mercedes und Porsche kompensiert die Aufladung jeweils die zwei fehlenden Zylinder der Vorgänger. Im schon ein wenig angejahrten BMW sitzt ein Reihensechszylinder unter der langen Haube, und auch er hat weniger Hubraum als sein sportlichster (M-) Vorgänger. Im Ergebnis wirken zwischen 340 (BMW) und 367 PS (Mercedes-AMG) auf die Hinterachse, der Porsche liegt mit 350 PS genau dazwischen. Jede Menge Stoff also, um zur sportlichen Spielart des Offenfahrens einzuladen, bei der der Wind ein wichtiger Bestandteil des Lustgewinns ist, sein Rauschen irgendwann jeden Motorsound übertönt und man keine Musikanlage mehr braucht, weil man völlig von einer tosenden Sound-Wolke eingehüllt ist.
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Mercedes gibt dem SLC 43 die Extraportion Cabrio-Luxus

Großer Roadster-Genuss: Wer will, kann sich im SLC 43 den Nacken mit warmer Luft fönen lassen.

Doch zurück zum Wellness-Faktor, der die drei Testkandidaten bei aller Potenz eint. Da wäre zum einen die Tatsache, dass für den Übergang vom geschlossenen zum geöffneten Dach ein Tastendruck oder -zug ausreicht, um sowohl die Blechhelme von AMG und Z4 als auch die Stoffmütze des Porsche zu versenken. Dazu gehört die Möglichkeit, über Windschotts einen bei zumindest moderaten Tempi annähernd zugfreien Innenraum her- zustellen. Dazu gesellen sich klangstarke Soundsysteme, Sitzheizungen, im SLC gar ein Airscarf genannter Nackenwärmer, bequeme Sportsitze wie in Z4 und SLC oder betont sportliche, dabei aber nicht minder bequeme und mit perfektem Seitenhalt gesegnete (optionale) Schalen wie im 718 Boxster S. Der BMW Z4 sDrive 35is vertraut auf ein adaptives, zehn Millimeter absenkendes Serienfahrwerk, das selbst in der Sport-Plus-Stellung des "Fahrlerlebnisschalters" nicht zu hart ist. Es macht den Z4 zum alltagstauglichen Genussroadster mit einer leicht sportlichen Note – ideal, um sich entlang der Altmühl vom sonoren Sound des Reihensechsers verwöhnen zu lassen und ab und an das Gaspedal gen Bodenblech zu drücken.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Auch im SLC 43 ist ein adaptives Fahrwerk an Bord, das vom optionalen Fahrdynamik-Paket inklusive Tieferlegung um zehn Millimeter ergänzt wird. Der Fahrerlebnisschalter heißt hier Dynamic Select und wirkt wie beim BMW neben der Fahrwerksauslegung auch auf Motorcharakteristik und Lenkung. Auch der AMG kann soft und ist für eine entspannte Cruising-Tour immer zu haben, doch wirkt das Fahrwerk in Sport oder Sport Plus viel verbindlicher und straffer, vor allem aber leidet der AMG nicht unter Karosserieneigungen und -einknicken, was man im BMW vor allem bei schnellen Wechselkurven spürt.
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Beim Kurvenräubern zeigt sich der BMW Z4 unharmonisch

Verbesserungswürdig: Die Z4-Lenkung macht es schwer, auf Anhieb den richtigen Einschlag zu finden.

Unharmonisch fühlt sich auch die Lenkung des Z4 mit dem wurstdicken Lenkrad an, die sich zwischen Gefühllosigkeit und Einlenken nur ungenügend einschätzen lässt und es schwer macht, auf Anhieb den richtigen Einschlag zu finden, um dann sauber und ohne zumindest kleine Korrektur eine Kurve zu durchfahren. Daneben tragen auch die etwas weniger gripstarken Bridgestone Potenza dazu bei, dass im Z4 die ESP-Leuchte schon flackert, wo die beiden Konkurrenten noch stur neutral ums Eck gehen. Bei unseren Ausflügen in die höheren, kurvigen Regionen rund um Kinding sitzt man im SLC definitiv im agileren Auto und ist mit mehr Spaß dabei, die scharfen Ecken und teilweise weitgezogenen Kurven zu durcheilen. Zwar ist auch seine Lenkung entfernt von der traumwandlerischen Exaktheit, mit der das Einlenken beim 718 Boxster passiert. Doch ist sie sehr harmonisch bei gleichmäßiger Kraftübertragung. Noch eine ganze Spur straffer geht der 718 Boxster S die Sache an, zeigt keinerlei Karosseriebewegungen und federt im Sport-Plus-Modus knochentrocken.
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Aber auch er beherrscht bei aller Grundsportlichkeit eine kommode Gangart. Beim freudigen Wedeln über enge Straßen, beim reinen Fahrspaß im Zusammenspiel aller Komponenten ist der Porsche 718 Boxster S das Gerät der Wahl. Und er ist derjenige im Vergleich, mit dem man am liebtsten auf einen Rundkurs gehen würde, um die Grenzen auszuloten.

Weitere Details zu Boxster, SLC und Z4 finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten BMW Mercedes-AMG Porsche
Motorbauart R6 V6 B4
Aufladung/Ladedruck Biturbo/0,8 bar Biturbo/1,1 bar Turbo/1,0 bar
Einbaulage vorn längs vorn längs Mitte hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 2979 cm³ 2996 cm³ 2497 cm³
Bohrung x Hub 84,0 x 89,6 mm 88,0 x 82,1 mm 102,0 x 76,4 mm
Verdichtung 10,2:1 10,7:1 9,5:1
Leistung kW (PS) b. 1/min 250 (340)/5900 270 (367)/5500-6000 257 (350)/6500
Literleistung 114 PS/l 123 PS/l 140 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 450/1500 520/2000-4200 420/1900-4500
Antrieb Hinterrad Hinterrad Hinterrad
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung 9-Stufen-Automatik 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 348 mm/innenbel. 360 mm/innenbel./gelocht 350 mm/innenbel./gel.
Bremsen hinten 324 mm/innenbel. 330 mm/innenbel. 350 mm/innenbel./gel.
Bremsscheibenmaterial Stahl Stahl Keramik
Radgröße vorn – hinten 8 x 19 – 9 x 19 8 x 18 – 9 x 18 8 x 20 – 10 x 20
Reifengröße vorn – hinten 225/35 R 19 – 255/30 R 19 235/40 R 18 – 255/35 R 18 235/35 R 20 – 265/35 R 20
Reifentyp Bridgestone Potenza RE 050 A Continental SportContact 5 Pirelli P Zero
Länge/Breite/Höhe 4244/1790/1284 mm 4143/1810/1304 mm 4379/1801/1280 mm
Radstand 2496 mm 2431 mm 2475 mm
Tankvolumen 55 l 60 l 64 l
Kofferraumvolumen 180-310 l 225-335 l 275 l (150 vorn, 125 hinten)
Beschleunigung
0- 50 km/h 2,1 s 1,9 s 1,5 s
0-100 km/h 4,9 s 4,6 s 4,0 s
0-130 km/h 7,5 s 7,1 s 6,1 s
0-160 km/h 11,0 s 10,3 s 8,9 s
0-200 km/h 17,9 s 16,6 s 14,3 s
0-402,34 m (Viertelmeile) 13,29 s 12,95 s 12,20 s
Vmax 250 km/h (abgeregelt) 250 km/h (abgeregelt) 285 km/h
Bremsweg
100-0 km/h kalt 34,2 m 34,2 m 31,5 m
100-0 km/h warm 35,3 m 33,9 m 31,6 m
200-0 km/h warm nicht ermittelt 138,6 m 130,0 m
Testwagenpreis 58.870 Euro 65.373 Euro 89.244 Euro

Sportliche Zweisitzer-Cabrios im Vergleich

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: BMW Z4 sDrive 35is, Mercedes-AMG SLC 43 und Porsche 718 Boxster (Vergleichstest)

Veröffentlicht:

12.08.2016

Preis:

1,00 €

Autor:

Ralf Kund

Fazit

Um ein Haar hätte den Porsche 718 Boxster S sein hoher Preis den Sieg gekostet. Doch fahrdynamisch ist gegen den 718 hier kein Kraut gewachsen. Vor allem der BMW wirkt fahrwerkstechnisch etwas angejahrt. Überraschend gut in jeder Beziehung schlägt sich der SLC 43. Er ist der heimliche Sieger dieses Vergleichs und der beste Allrounder zwischen Sport und Wellness.

Stichworte:

Cabrio Roadster

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