Die Tage des V12-Biturbo als Topmotor sind bei Brabus gezählt. Mittels Hubraumerweiterung und vergrößerter Turbolader extrahieren die Bottroper 850 PS aus AMGs 63er-Aggregat. Erste Ausfahrt mit dem Entwicklungsträger CLS.
Frank Wiesmann
Wenn Downsizing doch immer solche Früchte tragen würde: 1150 Newtonmeter pressen Rücken und Ledersitz innig ineinander, 850 PS klatschen den Horizont gewaltsam an die Frontscheibe – das Werk von acht Zylindern, aber eben nicht zwölf. Eine harte Zäsur nach über 20 Jahren der V12-Regentschaft in Bottrop? Nicht wirklich. Denn zum einen ist das prächtige Dutzend noch nicht komplett kaltgestellt, und zweitens drückt der modifizierte V8-Biturbo abermals furchteinflößender.
Der modifizierte V8-Biturbo des Brabus-CLS leistet 850 PS und verfügt über 1150 Nm Drehmoment.
Bild: Lena Barthelmess
Selbst dem abgeklärten und leistungsverwöhnten Brabus-Technikchef Ulrich Gauffrés rutscht bei der ersten Probefahrt ein "Ach du Sch..." von den Lippen. Das will etwas heißen. "Vor etwa zwei Jahren haben wir mit den ersten Berechnungen angefangen", skizziert Brabus-Ingenieur Jörn Gander die Ursprünge des Hubraummotors, während wir unter genüsslichem V8-Grummeln den Weg aus der von Autos verstopften Frankfurter Innenstadt suchen. "Daraufhin haben wir fünf Prototypenteilesätze hergestellt, unter anderem Kurbelwellen, Pleuel und Kolben." Denn anders als bei den 620- und 730-PS-Leistungsstufen pusht Brabus den Hubraum Richtung sechs Liter – und nennt das ganze 850 6.0. 5912 Kubikzentimeter sind es genau.
Hitzekoller des Automatikgetriebes muss man laut Brabus nicht befürchten.
Bild: Lena Barthelmess
Leichtes Aufrunden darf man nachsehen, das macht AMG schließlich genauso. Das Plus an Hub bringt eine aus dem vollen gefräste und feingewuchtete Spezialkurbelwelle, acht Schmiedekolben treiben die Bohrung auf 99 Millimeter hoch. Spezialpleuel und stählerne Zylinderkopfdichtungen gehören zu den weiteren Modifikationen. "Nach der Teileentwicklung haben wir die Serienlader komplett auf einem speziellen Turbo-Prüfstand vermessen und ein Laderkennfeld erstellt, im April 2012 bauten wir dann das erste Triebwerk mit dem eigens kreierten, größeren Lader zusammen".
Fazit
von Frank Wiesmann
Brabus geht mit der Zeit – und schafft für den elitären V12-Biturbo mit dem neuen Hubraummotor auf Achtzylinder-Basis einen effizienteren, abermals stärkeren und somit würdigen Nachfolger. Das volle Kraftpotenzial lässt sich bei der ersten Ausfahrt nur unzureichend ergründen. Somit steht fest: Er muss zum Test!