Camaro Cabrio Vierzylinder (2016) Fahrbericht

Chevrolet Camaro Cabrio Vierzylinder (2016): Fahrbericht

— 18.07.2016

Reichen vier Zylinder für den Camaro?

Chevrolet bietet den Camaro erstmals auch mit vier Zylindern an. Reicht der Motor für ein Muscle Car? AUTO BILD ist den Zweiliter-Turbo gefahren!

Chevrolet zieht nach. Die sechste Generation des Camaro bieten die US-Amerikaner mit einem Vierzylinder-Turbo-Benziner an. Damit kontert Chevy den ewigen Gegner Ford Mustang, der ebenfalls als Vierzylinder (317 PS) angeboten wird. Beim Hubraum liegt der Camaro mit glatten zwei Litern sogar noch unter den 2,3 Litern des Mustang. AUTO BILD ist den Camaro mit vier Töpfen gefahren und wurde überrascht.
Alles Wissenswerte zum Chevrolet Camaro

Daran erkennt man ihn: Am Heck des Vierzylinder-Camaros entsorgen je ein Rohr rechts und links die Abgase.

Optisch sieht man der sechsten Camaro-Generation den kleinen Motor nicht an: Der Bug ist wie gewohnt kantig gestaltet, die Scheinwerfer blinzeln angriffslustig aus ihren Sehschlitzen und die Haube ist mit kernigen Bügelfalten verziert. Unser Testwagen ist ein Cabriolet der Jubiläums-Serie "50 Edition". Die Rennstreifen und orangefarbene Akzente innen und außen gehören zur Geburtstagsausstattung. Seitlich gibt es nichts zu mäkeln. Typisch amerikanisches Design mit Hüftschwung und tief kauerndem Stoffdach. Am Heck dann der erste Hinweis auf den Einstiegsmotor: Anstelle der Vierfach-Auspuffanlage entlassen hier zwei Rohre die Überbleibsel der Verbrennung ins Freie – übrigens: Den Verbrauch gibt Chevrolet mit 8,1 Litern auf 100km an. Bevor wir den Startknopf drücken, werfen wir noch schnell einen Blick auf den Motor. Ups, der Vierzylinder verliert sich förmlich im Maschinenraum des Camaro – kein Wunder, schließlich muss hier auch der 6,2-Liter-V8 Platz finden. Genug geguckt, jetzt wird gefahren! Schon in den ersten Kurven wird klar: Mit dem kleinen Motor unter der Haube ist der Camaro wesentlich handlicher als mit dem V8. Die Lenkung ist noch genauer und mitteilsamer. Man spürt deutlich, dass der Basis-Camaro gegenüber dem Achtender nochmals rund 80 Kilo Gewicht verloren hat. Landstraßen, Kreisverkehre, Autobahnauffahrten – dieser Camaro ist ein wendiges Schnellboot, kein träger Pott.

Brummen wird rausgefiltert

Leichtes Handling und ausreichend kräftiger Motor. Der Vierzylinder kommt mit dem Camaro gut klar (im Bild: das V8-Cabrio).

Bis man Gas gibt, sollte man denken! Nix da, denn der Vierzylinder geht anständig zu Werke. 400 Nm maximales Drehmoment liegen ab 3000 Touren an und beschleunigen unser Cabrio anstandslos. Die angegebenen 6,1 Sekunden auf 100 scheinen realistisch. Selbst beim Sound gibt es für einen Vierzylinder nichts zu mosern. Dank Noise Cancellation bleiben die ungeliebten Brummfrequenzen weitestgehend außen vor, im Leerlauf dringt nur ein sonorer, ansonsten aber undefinierbarer Verbrennerklang ans Ohr, der beim Anfahren rauchig anschwillt. Sechszylindrig angehaucht. Oben raus wechselt das Klangbild dann in etwas angestrengt wirkendes Fauchen. Die etwas lethargische Achtgang-Automatik müht sich, die Gänge schmell nachzulegen. Restlos überzeugen kann sie nicht, die aus dem V8-Modell bekannte Handschaltung würde besser zum kräftigen R4-Motor passen. Immerhin hält der Automat im manuellen Modus brav die Gänge.

Gebrauchter Chevrolet Camaro im Test

Chevrolet Camaro Chevrolet Camaro Chevrolet Camaro
Besonders wichtig ist Chevrolet die Tatsache, dass sich der kleine Motor mit allen Ausstattungsdetails konfigurieren lässt, die auch für den V8 zur Vefügung stehen. Schon ab Werk ist vieles an Bord, wofür bei europäischen Herstellern saftige Aufpreise gezahlt werden müssen. Für 39.900 Euro ist der Vierzylinder-Camaro (als Coupé) ab sofort bestellbar, das Cabrio kostet 5000 Euro mehr.

Gebrauchte Camaro ab 19.000 Euro kaufen

Auch als V6: Die fünfte Generation gab es mit 3,6-Liter-Sechszylinder.

Die fünfte Generation des Chevrolet Camaro (2006 bis 2015) steht mit Laufleistungen unter 100.000 Kilometern ab 19.000 Euro bei den Gebrauchtwagen-Händlern. Dann ist der 3,6-Liter V6 mit 305 PS unter der Haube. Die prestigeträchtigere V8-Version liegt rund 5000 Euro darüber – ab rund 24.000 Euro gehen die Preise los. Wichtig: Weil der fünfte Camaro offiziell nicht in Deutschland vertrieben wurde, muss die Lichtanlage angepasst sein und der TÜV seinen Segen gegeben haben. Bei der Langzeitqualität des Camaro hapert es, deshalb punkten Gebrauchte mit nachträglicher  Hohlraumversiegelung. Und: Der moderate Einstiegspreis darf nicht über die hohen Folgekosten hinwegtäuschen: Kosten für Reifenersatz, Verschleißteile, Versicherung und Sprit liegen auf Porsche-Niveau.
Peter R. Fischer

Peter R. Fischer

Fazit

Ja, der Vierzylinder reicht völlig aus. Gerade mit den erfrischend sportlichen Fahreigenschaften des neuen Camaro ergibt sich ein handliches, gut motorisiertes und umfassend ausgestattetes Paket. Vernünftig, ja. Spaßig, ja. Aber: Richtig was fürs Herz und die Ohren gibt's für gerade mal 6000 Euro mehr – dann brüllt der V8.

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