Die Wüste als Treibstofflieferant

Die Wüste als Teibstofflieferant

Die Wüste als Treibstofflieferant

— 05.03.2002

Benzin aus Sand

Fahren wir in zehn oder 20 Jahren mit Treibstoff aus Quarzsand? Einige Forscher sind davon überzeugt.

Zauberformel Silizium

Was haben Pam Anderson und Bill Gates gemeinsam? Ganz einfach: Ohne Silizium wären sie nicht das, was sie heute sind. Die Baywatch-Blondie verdankt dem chemischen Element, verarbeitet zu Silikon, ihre imposante Hügellandschaft oberhalb der Gürtellinie. Und die Software des Multimilliardärs aus Seattle wäre nutzlos, könnte sie nicht in Computerchips aus Silizium arbeiten.

Nun aber scheint dem Stoff, den Chemiker aus gewöhnlichem Sand gewinnen, eine neue, weit wichtigere Karriere bevorzustehen: Bewahrheitet sich die Vision einiger Wissenschaftler, dann löst in Zukunft ein revolutionärer Treibstoff - Basis Silizium - alle Energieprobleme der Menschheit und damit auch der Autofahrer.

An dem Sandsturm, angefacht vom "Stern", ist was dran. Davon ist zumindest Peter Plichta, Chemiker, Physiker, Mathematiker und Apotheker, überzeugt. "Wir stehen am Beginn des Silizium-Zeitalters", sagt der Forscher, der es als sein Lebenswerk bezeichnet, den allumfassenden Bauplan für die Welt gesucht und gefunden zu haben. Weltruhm hat ihm seine Idee, die er in dem Buch "Gottes geheime Formel" niederschrieb, nicht eingebracht.

Deutscher baut auf Sand

Das könnte sich mit dem neuen Sprit ändern. Schon 1970 gelang Plichta an der Uni Köln im Rahmen seiner Doktorarbeit in Chemie als Erstem der Nachweis, dass sich im Labor so genannte höhere Silane herstellen lassen (Siliziumverbindungen mit Wasserstoff), was bis dahin als unmöglich galt.

Er fand heraus, dass dieser Stoff um so stabiler wird, je mehr Silizium- und Wasserstoffatome ein Molekül enthält. Weitere Eigentümlichkeit: Während Verbrennungsprozesse normalerweise Sauerstoff benötigen, entzünden sich Silane auch unter Stickstoff. Plichta: "Der Stoff sieht aus wie öl. Er ist handhabungssicher, ungiftig und lässt sich pumpen." Und er steckt voller Energie. Professor Peter Kramer von der DaimlerChrysler Aerospace bestätigt: "Das Silizium-Benzin ist Kohlenstoff-Benzin in jeder Hinsicht gleichwertig." Ähnlich sieht es das Fraunhofer Institut für Chemische Technologie.

Einen gravierenden Unterschied allerdings gibt es: Wenn Silanöl verbrennt, dann entsteht ungiftiges Siliziumnitrid, von dem aber herkömmliche Motoren Husten bekämen. Um diesen Problemen zu begegnen, meldete Plichta schon vor vier Jahren ein Aggregat in Form einer Turbine für den Betrieb mit Siliziumwasserstoffen zum Patent an: "Ich habe zunächst an einen Raketenantrieb für meinen Raumgleiter gedacht." Letzteren hatte er sich 1993 patentieren lassen. Einen Motor für die Straße hat Plichta bereits im Kopf: "So ähnlich wie ein Wankelmotor. Aber Felix Wankel hatte wahrscheinlich nicht den richtigen Treibstoff."

Kriegen die Ölmultis jetzt die große Flatter? ESSO-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann: "Nein, wir lieben weiter die Kohlenwasserstoffe." Wie sich Silanöl großtechnisch herstellen lässt, hat Plichta längst zu Papier gebracht. Jetzt wartet er mit einem Forscher-Team und einem Düsseldorfer Sponsor, der die Patentverfahren finanziert, auf die Realisierung. Um zu beweisen, dass man doch auf Sand bauen kann. Irgendwann.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.