E-Mobilitätsgipfel 2010

E-Mobilitätsgipfel 2010

— 03.05.2010

Elektro-Party in Berlin

Politik und Wirtschaft feiern auf dem Berliner Elektromobilitätsgipfel 2010 das Auto der Zukunft. Es fährt elektrisch und spaltet dabei nicht mal Atome – dafür aber die Gemüter.

(rtr) Deutschland will seine internationale Führungsrolle in der Autoindustrie verteidigen und dazu auch im Markt für Elektro-Antriebe an die Spitze rücken. Bundeskanzlerin Angela Merkel drängte am Montag (3. Mai 2010) die Auto- und Stromkonzerne zum Handeln: "Wer heute nicht die Elektro-Mobilität entwickelt und zur Marktreife führt, der wird in wenigen Jahren hintendran sein. Die Welt schläft nicht." Die CDU-Chefin machte den Unternehmen beim "Elektromobilitätsgipfel" in Berlin aber keine Zusagen auf schnelle staatliche Hilfen.

Deutschland soll weltweit führende Rolle spielen

Umweltverbände und die Opposition kritisierten das Treffen. Die Grünen sprachen von einer bloßen Inszenierung. Merkel habe es versäumt, der Branche Druck zu machen, um den Vorsprung von China, Frankreich oder Japan aufzuholen. Schon das weltweite Bevölkerungswachstum zwinge dazu, auf andere Antriebe umzusteuern, sagte Merkel. "Wir müssen sehen, dass wir ressourcenunabhängiger und umweltfreundlicher das Bedürfnis nach Mobilität befriedigen." Deutschland müsse dabei die führende Rolle spielen: "Unser gemeinsamer Anspruch besteht darin, die Branche für die Zukunft fitzumachen und damit eine führende Stellung weltweit zu haben." Nach dem Willen der Regierung sollen 2020 rund eine Million Elektro-Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein. Dies entspricht etwa zwei Prozent der heutigen Autos.

Arbeitsgruppen kümmern sich um Forschungsschwerpunkte

Mit dem Start der "Nationalen Plattform Elektromobilität" müssten sieben Arbeitsgruppen die Maßstäbe für eine künftige Forschungsförderung definieren. Vor allem aber müssten in der Verkehrspolitik Anreize geschaffen werden, sich dieser Technik zu widmen. Dies habe man etwa durch die Ausrichtung der Kfz-Steuer am Kohlendioxid-Ausstoß bereits eingeleitet. In spätestens in einem Jahr müsse das Treffen mit der Branche wiederholt werden, um die Lage zu analysieren, kündigte Merkel an. "Wir müssen da nicht in Sack und Asche gehen, wir haben da sehr, sehr gute Voraussetzungen."

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) unterstützte die Initiative. Zunächst würden aber vor allem in Ballungsräumen Elektroautos als Zwei- oder Drittwagen unterwegs sein. Ziel sei, dass der Strom dafür grün werde, sagte BDEW-Geschäftsführerin Hildegard Müller. Die Branche könne mit den Autos eine wichtig Speichermöglichkeit für Ökostrom gewinnen.

Die Grünen nannten das Treffen eine Inszenierung ohne Substanz und mit viel unverdientem Selbstlob. Weder gebe es zusätzliche Forschungsmittel noch eine Verpflichtung der Autobranche, sagte der Vorsitzende des Bundestagsverkehrsausschusses, Winfried Hermann. Der Lobbyverband "Allianz pro Schiene" sprach von Etikettenschwindel und einem Kniefall vor der Autobranche, auf die sich die Elektromobilität nun fast ausschließlich verenge. "Die real existierende Elektromobilität mit der Eisenbahn bleibt außen vor, die Schienenbranche sitzt am Katzentisch", bemängelte Geschäftsführer Dirk Flege.

Die "Nationale Plattform Elektromobilität" soll Autobranche, Stromversorger, Batteriehersteller und Wissenschaft zusammenbringen. Den Vorsitz übernimmt der Ex-Vorstandschef des Softwarekonzerns SAP, Henning Kagermann. Ihm zur Seite stehen IG-Metall-Chef Berthold Huber und der Chef des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann.

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