Etox Zafer
Der Süpersportwagen

In Ankara entsteht der erste türkische Pkw seit 1984. Der Etox Zafer verbindet Kleinwagen-Technik mit Sportwagen-Optik. Unter der Haube des Exoten schnaufen sparsame 125 Diesel-PS von Renault, der Preis liegt bei 40.000 Euro.
- Alex Cohrs
Das Herz der türkischen Autoindustrie schlägt in einem Gewerbegebiet, und zwar direkt zwischen einer Tankstelle und einem Abstellplatz für Lastwagen. Vor dem Gebäude liegen Pflastersteine und Zementsäcke, der Seiteneingang ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Botschaft ist klar: Sie bauen aus, die Leute bei der Firma Ertex Auto Decoration in Ankara, sie machen sich hübsch für Besucher. Sie sind jetzt ein Autohersteller. In dem unscheinbaren Ertex-Gebäude an der Ausfallstraße entsteht der Etox Zafer, der erste türkische Pkw seit der Einstellung des Anadol A8-16 im Jahr 1984. Etox was? Machen Sie sich keine Gedanken, wenn Sie den Namen noch nie gehört haben. Etox ist ein Kunstwort, das sowohl den Firmennamen Ertex als auch die Türkei und den Autobau beinhaltet. Und Zafer ist das türkische Wort für "Sieg". Vor allem aber handelt es sich um einen wahren Exoten. Wiesmann, Gumpert oder Spyker sind dagegen fast schon Massenware.
Mit einer Demütigung hat alles angefangen

Bild: Martin Meiners
Im Etox Zafer verstecken sich schüchterne 125 Diesel-PS

Bild: Martin Meiners
Crashtests am Computer
Den Preis des Etox Zafer hat er mit 40.000 Euro angesetzt. Dafür bekommt man ein Auto, das wie ein Kleinwagen beschleunigt und sich auch so fährt, aber wie ein echter Sportwagen aussieht – wenn man von den riesigen Spaltmaßen absieht. Vor allem aber richtet sich der Wagen an den automobilen Nationalstolz der Türken, der seit dem Devrim-Desaster von 1961 gelitten hat. Damals sollte das erste türkische Auto am Tag der Republik vorgestellt werden – und blieb mit Präsident Cemal Gürsel an Bord aus Spritmangel liegen. Das alles soll jetzt vergessen sein. Malkoç: "Wir Türken hatten lange keine eigene Automobilproduktion mehr. Ich will beweisen, dass wir es können." Die ersten beiden Autos hat er bereits ausgeliefert, weitere 20 Bestellungen liegen vor. Jeder Wagen sei eine im Innenraum auf Größe und Gewicht des Fahrers angepasste Maßanfertigung, verspricht Malkoç. Die Sicherheit sei auch kein Problem: "Wir haben 31 Crashtests simuliert." Am Computer, wohlgemerkt. Die Hälfte der 20 Bestellungen kommt übrigens von in Deutschland lebenden Türken. Kann also gut sein, dass er Ihnen demnächst mal begegnet — der Süpersportwagen aus Ankara.
Fazit
Wer Technik der Großserie gewohnt und auf Spaltmaße fixiert ist, der wird mit dem Etox Zafer sicher keine Freundschaft schließen. Ich finde das Projekt trotzdem sympathisch: Ohne lange zu zweifeln (und nur mit Eigenkapital!), hat sich da jemand seinen Traum erfüllt – und nebenbei die türkische Autoproduktion wiederbelebt.
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