Fahrbericht Iveco Massif

Iveco Massif Iveco Massif

Fahrbericht Iveco Massif

— 14.05.2008

Naturbursche

Iveco, die Nutzfahrzeugmarke des Fiat-Konzerns, wagt sich mutig ins umkämpfte Allrad-Segment. Ab Herbst 2008 wird der neue Massif über die 523 deutschen Iveco-Vertragshändler verkauft.

Der Santana PS-10 Anibal ist tot, es lebe der Iveco Massif. Die 1974 gegründete Industrial Vehicles Corporation, ein italienischer Zusammenschluss der einstigen Lkw-Marken Fiat, OM, Magirus-Deutz und Unic, ist nun nicht mehr nur Motorenlieferant für das im spanischen Lineares beheimatete Santana-Werk, sondern alleiniger Auftraggeber. Die Italiener bestimmen, was und wie Santana baut. Daher gibt es den seit 2002 produzierten Santana PS-10 nicht mehr, sondern ab sofort ausschließlich den Iveco Massif, auch in Spanien. Iveco verspricht sich mit dem Massif ordentliche Geschäfte, wobei als Lockmittel für die Kunden der bewährte Iveco-Turbodieselmotor, das deutsche ZF-Sechsganggetriebe und nicht zuletzt das große Iveco-Servicenetz in ganz Europa dienen sollen.

Brauchbarer Sitzkomfort zeichnet den Massif aus

Iveco gönnte dem Massif eine eigene Armaturentafel und neue Instrumente.

In der Tat gute Aussichten, denn als Santana hatte dieses Auto außerhalb Spaniens nie eine Chance — mit einem deutschen Privatimporteur und 16 übers Land verstreuten Servicepartnern. Jetzt sind die Nutzfahrzeugprofis von Iveco zuständig, mit korrekten Garantiezusagen und der Sicherheit eines großen Servicenetzes mit 523 Werkstätten allein in Deutschland. Das sind fast fünfmal mehr als bei Land Rover. Die Italiener ließen es sich nicht nehmen, den Santana massiv auf Massif umzustricken. Als Erstes fällt naturgemäß die neue Frontpartie mit schräggestellten Doppelscheinwerfern, neuer Motorhaube und dem prominenten Kühlergrill auf — gestaltet vom italienischen Designstudio Giugiaro. Zahlreiche zusätzliche Kunststoffverkleidungen an der Karosserie sollen wohl die früher gut sichtbaren Nähte und Nietverbindungen kaschieren.

Im Innenraum überrascht der gebotene Sitzkomfort vor allem erfahrene Land-Rover-Defender-Besitzer. Denen zeigt der Italo-Spanier, dass man einen solchen Rustikal-Geländewagen auch mit einer menschenwürdigen Sitzposition bauen kann. Der Blick des Fahrers fällt nun nicht mehr auf alte Suzuki-Samurai-Instrumente in einer lausigen Armaturentafel, sondern auf ein proper gestaltetes Instrumentenbord mit professionell aussehenden Iveco-Uhren. Der Innenraum ist nach wie vor ausschließlich zweckmäßig eingerichtet, dafür aber unempfindlich. Das gilt auch für den Fond mit genügend Knie- und Kopfraum sowie für den gut einen Meter langen Gepäckraum des Fünftürers mit 2,77 Meter langem Radstand.

Iveco lässt zudem auch alternative Karosserieversionen bauen: einen geschlossenen Dreitürer-Viersitzer mit 2,45 Meter Radstand, einen Single-Cab-Pick-up mit dem Radstand des Fünftürers sowie das gleiche Auto ohne Ladepritsche für Sonderaufbauten. Schließlich möchte Iveco mit dem Massif in das lukrative Geschäft mit Sonderfahrzeugen einsteigen — für Feuerwehren, Bergwachten, Energieversorger und nicht zuletzt für Armeen aller Ländern. Die gesamte Produktion der Spanier wird von Iveco-Qualitätsprüfern kontrolliert. Und die ersten betastbaren Massif machen ein weit professionelleren Eindruck als die früheren PS-10.

Deutsche Massif sollen ABS und Rußfilter erhalten

Hinter der Rückbank bleibt eine 1 m lange Lade-fläche.

Auch bei der Technik legte Iveco Hand an. Der alte 2,8-Liter-Turbodiesel mit 125 PS und 275 Nm wich einem EU-4-Dreiliter mit neuester Common-Rail-Generation. Die mildere Version produziert 146 PS und 350 Nm, die mit verstellbarem Turbolader 31 PS und 50 Nm mehr. Der neue Motor ist in Fahrt zwar nach wie vor die dominante Geräuschquelle, dröhnt aber nicht mehr so ungeniert. Er harmoniert gut mit dem ordentlich schaltbaren Sechsganggetriebe. Hier ist der Sechste nicht etwa besonders lang, sondern der Erste besonders kurz. Vor allem mit eingelegtem Geländegang (2,3:1) kriecht der Massif mit der Gelassenheit einer Planierraupe durch steiles Gelände, benötigt selten mehr als 1000 Touren. Beim Fahrwerk spricht Iveco von einer neuen Abstimmung an Federn und Stoßdämpfern. Die beiden blattgefederten Starrachsen übertragen Straßenunebenheiten aber nach wie vor unbarmherzig auf die Insassen. Schon aus Kostengründen unverändert blieb der simple Zuschaltallradantrieb, dessen Benutzung sich auf der Straße wegen der starren Koppelung von Vorder- und Hinterachse verbietet.

Die für Deutschland bestimmten Modelle sollen zusätzlich manuelle Freilaufnaben erhalten, von denen sich Iveco im Straßenbetrieb weniger Geräusche und geringeren Verbrauch verspricht. Weitere Details im offenbar noch nicht ganz feststehenden Ausstattungsstandard für Deutschland sind ABS und Dieselrußfilter. Airbags gibt es dagegen nicht. Man merkt den Iveco-Leuten an, dass sie selbst gespannt darauf sind, ob es gelingt, neben Nutzanwendern und Gewerbetreibenden auch private Interessenten in einen Iveco-Verkaufsraum zu locken. Wenn Preise und Service stimmen, wird dies gelingen.

Technische Daten Iveco Massif 3.0 HPT SW 5D 4-Zyl.-Reihen-Turbodieselmotor, vorn längs • el. Common-Rail-Direkteinspritzung • Hubraum 2998 cm3 • Leistung 107 od. 130 kW (146 od. 177 PS) bei 3200/min • Drehmoment 350 od. 400 Nm bei 1400/min • Allrad währ. d. Fahrt zuschaltbar (man. Freilaufnaben vorn) • 6-Gang-Schaltgetriebe mit Geländeredukt. 2,3:1 • Starrachse an Blattfedern v/h • Reifen 235/85 R 16 • Länge/Breite/Höhe 4720/1750/2050 mm • Radstand 2768 mm • Bodenfreiheit 200 mm • Leergewicht 2140 kg • zul. Gesamtgew. 3050 kg • Anhängelast 3000 kg • Tankvolumen 100 l • Höchstgeschwindigkeit 150 km/h Preis ca. 29 000 Euro

Autor: Martin Braun

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