Falscher Kraftstoff – was tun? — 27.02.2006
Verdammt, vertankt!
Ein Fehlgriff mit teuren Folgen: falsch getankt. Wenn es passiert ist: Ruhe bewahren, nicht mehr fahren – und Geld zählen.
Empfindliche Einspritzpumpen
Was für ein Aufwand. Hätte man nicht einfach einen Schlauch in den Tank stecken können und ...? Wer so einfach und kostensparend denkt, macht die Rechnung ohne moderne Technik. So ein Tank ist eine verwinkelte Skulptur. Da kommt der Schlauch gar nicht überall hin, um den letzten Tropfen herauszusaugen. Auch eine Benzinleitung abklemmen, um den Sprit auslaufen zu lassen, funktioniert bei modernen Formtanks nicht. Und wer kann schon einen kompletten T5 drehen und wenden, damit alle Flüssigkeit in einer Ecke zusammen- und herausfließt? Tank raus kostet übrigens 152,93 Euro Arbeitslohn, ohne Mehrwertsteuer. Das ist teuer.Ein ebenso wichtiger Arbeitsgang ist der Ausbau des Kraftstoffilters. Hier wird nach Metallspänen gesucht, an denen man erkennen kann, ob die Kraftstoffpumpe bereits in Mitleidenschaft gezogen wurde. Glück im Unglück: Bei unserem T5 ist alles okay. Kosten: 75 Euro für Material und Arbeit, ohne Mehrwertsteuer. Durchatmen. T5 volltanken – mit Diesel, T5 fährt wieder. Das teure Ende landet zwei Tage später auf dem Schreibtisch: eine Rechnung über 593,99 Euro. 200 gehen allein aufs Konto Kraftstoff entsorgen. Für zwei Sekunden Unachtsamkeit! Ein teurer Mißgriff. Trotzdem bin ich noch mit einem blauen Auge davongekommen. Raffay-Serviceberater Gogl: "Hätte es die Dieselpumpe zerstört, wäre die Rechnung auf 2500 bis 3000 Euro geklettert. Hatten wir auch schon." Und die Moral von der Geschicht: Schau genau, vor allem beim Tanken. Denn es passiert nicht immer alles nur den anderen.
Wohin mit dem alten Kraftstoff? Beim Blick auf die Rechnung sorgt ein Posten für Verwunderung. Entsorgung von verunreinigtem Kraftstoff: 204 Euro – ohne Mehrwertsteuer. Warum? Benzin und Diesel sind gefährliche Stoffe. Explosiv und giftig. Mit entsprechender Vorsicht werden sie von Spezialunternehmen entsorgt. Im Tankwagen transportiert, in der Raffinerie in ihre Bestandteile zerlegt. In unserem Fall werden die Benzinanteile in der Sondermüllverbrennung abgefackelt, aus dem Diesel wird Basisöl gewonnen.
Benzin in Diesel Was für einen Mercedes 200 D (W 123, Bj. 1976 bis 85) kein Problem ist (der verträgt bis 25 Prozent Benzin im Diesel), endet für moderne Pumpe-Düse- oder Common-Rail-Diesel in einem Fiasko. Grund: Schon bei kleinen Mengen Benzin im Diesel kann der Schmierfilm der Einspritzpumpe reißen. Ohne Schmierung hält das empfindliche Teil nicht lange durch, teure Reparaturen sind die Folge. Deshalb den Sprit sofort ablassen, in der Werkstatt prüfen, ob die Pumpe in Ordnung ist.
Diesel in Benzin An der Tankstelle ist dieser Irrtum eigentlich ausgeschlossen. Denn die dicke Dieselzapfpistole passt nicht in den engen Benziner-Einfüllstutzen. Aber mit einem Reservekanister ist schon so mancher Liter Dieselkraftstoff im Super-Tank gelandet. Und das mag der Benziner gar nicht gern. Schon bei geringen Mengen, ab etwa fünf Prozent, reagiert er bockig und geht aus. Tank entleeren, Kraftstoffsystem spülen lassen. Tipp: Reservekanister korrekt beschriften, das gibt zusätzliche Sicherheit vor einem Missgriff.
Normal statt Super Das bereitet modernen Motoren meist kein Problem, da sie die Zündung mittels Klopfsensor auf die schlechtere Qualität einstellen. Bei älteren Autos ohne Klopfsensor sollte man, um das für den Motor schädliche Klingeln zu vermeiden, vorsichtig Gas geben und möglichst bald Superbenzin nachtanken. Super statt Normal Gar keine Probleme, einfach wie gewohnt fahren.

































