Fernsehen im Auto

— 09.08.2006

Gefährliche Unterhaltung

Verkehrsexperten sehen rot – zumindest wenn es ums Fernsehen in Autos geht. Sie fordern ein Gesetz gegen den TV-Empfang beim Fahren.
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Unfallursache Tagesschau: Fernseher im Auto werden immer mehr zur Gefahr, warnen Verkehrsexperten – und fordern jetzt ein Gesetz gegen den TV-Empfang während der Fahrt. Hintergrund: Fernsehtechnik im Auto gibt es nicht mehr nur in der Luxusklasse. Unter 200 Euro sind Empfänger für die Jackentasche bereits zu haben.

Auch TV ab Werk wird bezahlbar. Im Audi A3 zum Beispiel kostet es 790 Euro. Damit sich der Fahrer dennoch auf den Verkehr konzentriert, schalten die Werksgeräte ab Schritttempo den Bildschirm schwarz – so zumindest die Theorie. In der Praxis ist diese Sperre für wenige Euro innerhalb von Minuten beseitigt. Verboten ist dieser Eingriff noch nicht. Von der Politik soll das Thema mit Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft aufgegriffen werden. Sie beginnt im Januar 2007. Noch größer ist die Gefahr durch die mobilen TV-Empfänger ohne Schritttempo-Sperre. Ein Hersteller wirbt gar mit Fernsehempfang bis Tempo 140.

"Fernseher haben im vorderen Teil eines Wagens nichts zu suchen", sagt Katrin Rüter vom Gesamtverband deutscher Versicherungen (GDV). Für eine Forderung nach einem Verbot fehlten jedoch Untersuchungen, die die Gefahr durch fernsehende Fahrer auch mit Zahlen belegen. Auf solche Befunde möchte EU-Politiker Michael Cramer nicht warten. Er hält ein generelles TV-Verbot für den Fahrer für die sicherste Lösung – so wie es in Spanien bereits seit Januar 2004 gilt.

Interview mit Michael Cramer, EU-Abgeordneter der Grünen
Michael Cramer (Die Grünen): \
Michael Cramer (Die Grünen): "Müssen erst Menschen zu Schaden kommen?"


AUTO BILD: Wie gefährlich ist Fernsehen im Auto?

Cramer: Noch gefährlicher als Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung. Auto fahren und fernsehen schließen sich gegenseitig aus. Und die TV-Abschaltung bei Schritttempo verfehlt ihren Zweck. Auch bei so geringem Tempo können tödliche Unfälle passieren.

Was ist also zu tun? Die Hersteller sollten aus Vernunft das Fernsehen im Auto gar nicht erst anbieten.

Die Hersteller erfüllen nur die Kundenwünsche. Ist der Gesetzgeber gefragt? Wenn der Appell an die Vernunft nicht hilft, muss ein entsprechendes Gesetz her, bevor etwas passiert. Es kann nicht sein, dass erst Menschen zu Schaden kommen müssen, um die Gefahr durch fernsehende Autofahrer festzustellen. So macht man die Öffentlichkeit zum Versuchskaninchen.
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