Ferrari Enzo Ferrari

Ferrari Enzo Ferrari Ferrari Enzo Ferrari

Ferrari Enzo Ferrari

— 01.08.2002

Im Namen des Vaters

Enzo Ferrari: Das war nicht nur der große Patriarch, so heißt jetzt auch der schärfste Renner aller Zeiten. Mit Formel 1 im Blut.

Klack – die Flügeltür ist zu. Und ich bin allein. Allein mit dem stärksten, schnellsten und teuersten Sportwagen der Welt. Und jetzt soll ich einfach so losfahren. Haben sie jedenfalls gesagt. So ganz ohne Einweisung. Mal sehen. Zündung einschalten, beide Schaltwippen zum Lenkrad ziehen bis im Display das orange N aufleuchtet, dann den roten Startknopf drücken. Der Zwölfzylinder springt prompt an und verfällt in einen erstaunlich runden und leisen Leerlauf. Das muss sie sein, die berühmt-berüchtigte Ruhe vor dem Sturm.

Nix für Fahrer mit schwachen Nerven

Der Ferrari Enzo Ferrari, der eigentlich F60 heißen müsste, ist erstaunlich geräumig und komfortabel.

Als die Ampel an der werkseigenen Pista di Fiorano auf Grün wechselt, klickt der rechte Zeigefinger den ersten Gang ein, und ich gebe Gummi – zu viiiel. Das Heck schmiert ab, die Launch-Control pinselt eine Lage Bridgestone auf den Asphalt, und dann ist es auch schon wieder vorbei, denn nach kaum drei Sekunden spricht der Begrenzer ein Machtwort und fordert vehement den zweiten Gang.

Sie merken schon: Der Enzo ist kein Auto für Fahrer mit schwachen Nerven und trägen Reaktionen. Mit der Nadel des Drehzahlmessers steigt der Blutdruck, mit dem Tempo der Adrenalinausstoß. Wir sind immer noch in der ersten Runde. Zweiter Gang ausgedreht bis fast 9000/min, im dritten Gang bescheunigt bis zur Angstschwelle, dann bei Tacho 160 mutig den scharfen Rechtsknick angebremst – um Lichtjahre zu früh.

Von null auf 100 in 3,5 Sekunden

Es dauert volle vier Runden, bis sich zwischen dem besorgten Kleinhirn und dem souveränen Verzögerungsapparat eine Art Vertrauensverhältnis aufgebaut hat. Zu extrem ist der Unterschied zwischen konventionellen Stahlscheiben und den Brembo-Stoppern aus Kohlefaser-Keramik-Verbund, zu spontan ist das Ansprechverhalten, zu übernatürlich das Energievernichtungspotenzial.

Die Geschwindigkeit erreicht in diesem Auto Dimensionen, die wir nur aus der Onboard-Perspektive von Schumis Dienstwagen kennen. Am Ende der 500 Meter kurzen Start-und-Ziel-Geraden macht der Enzo 250 Sachen – ein 575M schafft an gleicher Stelle kaum 210 km/h. Bei voller Beschleunigung längen dir die 660 PS sogar noch im dritten Gang die Oberarme, tackern den Kopf an die Nackenstütze und modellieren kleine Dellen in die platten Wangen.

Der schnellste straßentaugliche Ferrari aller Zeiten spurtet in 3,65 Sekunden von null auf 100 km/h und in nur 9,5 Sekunden aus dem Stand auf 200 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei "über 350 km/h" – da können nicht einmal Exoten wie der McLaren F1 mithalten.

Ansaugbrüllen und Vollgaskreischen

Bitte nicht fressen: Gigantische Lufteinlässe und enorm ausgeprägte Kotflügel lassen die Front besonders aggressiv aussehen.

Enzo fahren belebt die Sinne. Das Auge beobachtet neben dem Straßenverlauf auch die Kette der Leuchtdioden im oberen Lenkradkranz, die Gang für Gang rot aufblinken, kurz bevor der Zwölfzylinder den Drehzahlgipfel erreicht. Die Ohren registrieren ehrfürchtig eine noch nie gehörte Heavy-Metal-Mischung aus Ansaugbrüllen, Vollgaskreischen, Lastwechseltrommeln und Auspuffdonnern.

Die Hände haben ihre liebe Not damit, eine gemeinsame Griffsprache für die sehr direkte Lenkung und die nicht minder spontan reagierenden Schaltwippen zu finden. Der in den Schalensitz eingespannte Körper kämpft inzwischen auf verlorenem Posten, je nach Fahrsituation gegen Querbeschleunigung, Längsbeschleunigung oder Bremsverzögerung. Und die Nase wittert zweimal pro Runde den Grenzbereich, denn selbst die maßgeschneiderten Potenza-Scuderia-19-Zöller haben gegen das geballte Drehmoment von 657 Nm null Überlebenschance.

Analog zur Formel 1 stand auch die Entwicklung des Enzo Ferrari unter dem Motto "Fahrer lenkt, Auto denkt". Die Elektronik kanalisiert nicht nur den Kraftfluss zwischen Motor und Antriebsachse, sie kümmert sich auch um die passende Fahrwerksabstimmung und wechselt bei Bedarf die Schaltgeschwindigkeit. Die Krönung der neuen Regeltechnik ist jedoch die adaptive Aerodynamik, die über verstellbare Luftleitbleche und einen beweglichen Heckspoiler stets für optimalen Anpressdruck und damit für hohe Richtungsstabilität sorgt.

Nur für F40- oder F50-Kunden

Am Ende fällt das Aussteigen noch schwerer als sonst, denn der Enzo ist wie eine Droge – allerdings mit reduzierter Suchtgefahr. Das liegt nicht nur an der Auflage von 349 Stück und am Preis von 645.000 Euro, sondern auch daran, dass Enzo-Kunden den Besitz eines Ferrari F40 oder F50 nachweisen müssen. In Deutschland erhalten 40 Fans das Meisterstück, an dem der Namensgeber seine helle Freude gehabt hätte.

Technische Daten Zwölfzylinder-V-Motor • fünf Ventile je Zylinder • vier oben liegende Nockenwellen • Hubraum 5998 cm3 • Leistung 485 kW (660 PS) bei 7800/min • maximales Drehmoment 657 Nm bei 5500/min • Hinterradantrieb • sequenzielles Sechsganggetriebe • Einzelradaufhängung vorn und hinten • Radstand 2650 mm • Länge/Breite/Höhe 4702/2035/1147 mm • Reifen vorn 245/35 ZR 19, hinten 345/35 ZR 19 • Leergewicht 1255 Kilo • Spitze über 350 km/h • Preis 645.000 Euro

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