Ferrari Enzo Ferrari

Ferrari Enzo Ferrari Ferrari Enzo Ferrari

Ferrari Enzo Ferrari

— 28.11.2003

Geld allein genügt nicht

Mit einem Sechser im Lotto kann man sich alles kaufen? Nicht ganz. Einen Ferrari zwar schon. Aber keinen Enzo Ferrari. Zumindest nicht auf direktem Weg: Der Bolide mit dem sperrigen Namen wird nur an ausgewählte Personen verteilt. Wir haben mit einem künftigen Besitzer gesprochen.

Geschenk für besondere Kunden

Würden Sie einen Mittelklasse-Wagen für, sagen wir, 30.000 Euro ohne Probefahrt kaufen? Sicher nicht. Zumindest würden Sie das Objekt der Begierde im Showroom aus allen Perspektiven ausgiebig betrachten, den Verkäufer mit Fragen löchern, sich hineinsetzen – schließlich sind 30.000 Euro eine Menge Geld.

Doch es geht auch anders. Ganz anders. Als Ferrari seinen neuesten, wieder mal von Pininfarina kreierten Kohlefaser-Beschleunigungsmuskel vor über einem Jahr der Öffentlichkeit präsentierte, war das 645.000 Euro teure, straßentaugliche Renngerät bereits ausverkauft. Wegen der großen Nachfrage erhöhte Ferrari-Chef Montezemolo bei der Premiere auf dem Pariser Autosalon 2002 kurzerhand die geplante Stückzahl von 349 auf 399 Exemplare. Bis dato hatte niemand den intern als FX bezeichneten Überboliden aus der Nähe gesehen. Geschweige denn gefahren. Allein aus Deutschland kamen rund 600 Anfragen, etwa 60 Enzos rollen tatsächlich nach Germania. Der Löwenanteil, rund 28 Prozent, geht nach Nordamerika.

Roland Eisenschmidt (Name von der Redaktion geändert), selbstständiger Kaufmann aus dem äußersten Süden der Republik und in ein paar Wochen einer der rund 60 deutschen Enzo-Besitzer, erklärt das Kauf-Procedere: "Sie können nicht einfach zum nächsten Ferrari-Händler gehen, 645.000 Euro auf den Tisch blättern und nach 15 bis 18 Monaten – so lange ist die Lieferzeit – Ihren Enzo abholen." Schließlich versteht Ferrari seine limitierten Sonderserien wie F50 (349 Stück) oder eben Enzo als "Geschenk für besondere Ferrari-Kunden".

277.000 Euro Sicherheitsanzahlung

Ganz am Anfang steht zwar auch hier der Gang zum Händler. Doch der reicht das Kaufgesuch erst mal an Ferrari-Deutschland weiter. "Um sich als besonderer Ferrari-Kunde auszuweisen, sollte man ein paar andere Ferraris in der Garage stehen haben." Einen F40 oder F50 zu besitzen, sei zwar hilfreich, aber nicht unbedingt erforderlich. Prominentenstatus kann auch helfen, wie etwa bei Gitarren-Legende Eric Clapton oder Jamiroquai-Mastermind Jay-Kay.

Wird das Kaufinteresse von Ferrari goutiert, erhält man Post. "Mit einer schlichten Annahmeerklärung bekundet Ferrari, dass man in den erlauchten Kreis der Enzo-Interessenten aufgenommen wurde." Jetzt ist Kohle fällig: Innerhalb von 15 Tagen ab Datum der Annahmeerklärung eine erste Sicherheitsanzahlung von 111.000 Euro, zu überweisen an Ferrari Deutschland.

"Dann wartet man wieder, bis der Produktionstermin festgelegt ist." Und überweist, wieder innerhalb einer Frist von 15 Tagen, eine weitere Sicherheitsanzahlung in Höhe von 166.000 Euro. Macht zusammen 277.000 Euro für ein Auto, das man bis dahin vielleicht mal auf einer Autoshow gesehen hat. "Viele Wald-und-Wiesen-Hersteller kümmern sich besser um die Kunden", meint Ferrari-Fan Eisenschmidt.

Technische Daten im Überblick

Ist der Produktionstermin festgelegt, steht der erste hautnahe Kontakt mit dem ersehnten Boliden an: die Sitzprobe. "Direkt am Band in Maranello, wo der Enzo in Handarbeit entsteht, gibt es eine so genannte Sitzbox. Hier kann man vier verschiedene Sitzweiten ausprobieren. Auch wird die Lage der Pedale an den Fahrer angepasst." Dann heißt es wieder warten. Bis die "Bereitstellungsanzeige" kommt: Das Auto ist fertig und kann abgeholt werden. Jetzt zahlt man die restlichen 368.000 Euro. Oder, falls der Kunde den Enzo nicht mehr will, 15 Prozent des Kaufpreises als Schadensersatz.

Das dürfte kaum vorkommen. Im Internet werden Enzos derzeit für 700.000 bis 980.000 Euro gehandelt. "So ein Auto ist wertstabiler und renditeträchtiger als jede Immobilie", sagt Eisenschmidt. Und bringt noch eine Menge Spaß. Nur eines fürchtet der Ferrari-Fan: "Kapitale Reifenpannen. Ersatzrad oder Wagenheber sind nicht an Bord, nur Tirefit." Also doch eine potenzielle Immobilie.

Technische Daten • Motor V12-Ottomotor 65 Grad • Einbau Mitte, vor Hinterachse • Ventile vier pro Zylinder • Getriebe Sechsgang-Schaltung, elektrohydraulisch • Hubraum 5998 cm3 • Leistung 485 kW/660 PS bei U/min 7800 • maximales Drehmoment 657 Nm bei U/min 5500 • 0–100 km/h: 3,65 Sekunden (offizielle Werksangabe)/3,27 Sekunden (Ferrrari-Test) • 0–200 km/h: 9,5 Sekunden • Höchstgeschwindigkeit >350 km/h • Normverbrauch: k. A. Super Plus • Reifen vorn u. hinten 245/35 u. 345/35 • Preis 645.000 Euro

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