Fiat 500

Fiat 500: Pro und Kontra

— 17.11.2010

Ist der kleine Italiener nur ein Blender?

Der Frauenschwarm Fiat 500 lässt zwei Männer streiten. Denn der süße Italiener leistet sich neben Retro-Design auch Marotten von gestern. Was ist wirklich wichtig bei der großen (Auto-)Liebe?

"Wer Autos nur nach ihrer Technik beurteilt, der hat keine Seele", findet Alexander Cohrs.

Mal angenommen, Sie treffen irgendwo eine tolle Frau. Holen Sie dann als Erstes ein Zentimeterband und messen nach, ob das linke Bein wirklich genauso lang ist wie das rechte? Fragen Sie, wie schnell sie die 100 Meter läuft, oder beurteilen Sie die Dame danach, ob sie mehr oder weniger als fünf Theaterstücke im Jahr anschaut? Ich hoffe nicht. Wer Frauen nur nach Maßen beurteilt, der hat kein Herz. Und wer bei Autos nur auf die technischen Details schaut, der hat keine Seele. Damit wären wir beim Fiat 500.

Technik ist nicht alles

Redakteur Alexander Cohrs.

Natürlich ist der Italiener technisch nicht perfekt, allein sein elefantöser Wendekreis hat mich selbst schon zum Gespött der Nachbarschaft gemacht. Aber wissen Sie was? Wahre Liebe verlangt keine Perfektion. Viel wichtiger sind Charakter und Persönlichkeit, und davon hat der Fiat 500 reichlich. Das Liebenswerte an diesem Auto ist, wofür es steht – und wofür es nicht steht. Andere Autos wirken, als seien sie für den Krieg gebaut: schmale Fenster, grimmige Gesichter, martialische Linien. Aber die Straße ist kein Kampfgebiet und der Autofahrer kein Soldat. Die Straße ist ein Raum, in dem sich Menschen begegnen, und das sollte mit einem Mindestmaß an Freundlichkeit und Verständnis passieren. Genau diese nette Einstellung strahlt der Fiat aus. Für mich zählt das viel mehr als die pure Technik. Denn ich habe nicht nur ein Herz – sondern auch eine Seele.

Redakteur Tomas Hirschberger.

"Vom süßen 500er bleibt am Ende eine leere Marketingblase", sagt Tomas Hirschberger.

Kann man etwas hassen, was andere lieben, vor allem Frauen? Man(n) kann! Der Fiat 500 macht es mir sogar einfach. Dabei hasse ich nicht etwa das Retro-Konzept. Das ist okay, der Bursche ist süß. Basta! Ich hasse aber sehr wohl Fiat. Und zwar dafür, dass sie den 500 vermurkst haben. Dass sie nicht in der Lage sind, diesem Charaktertyp die technische Basis zu geben, die er verdient. Eine Schande. Jungs, das kann doch nicht so schwer sein. Unter dem Cinquecento-Kleid steckt der Panda. Hunderttausendfach bewährte Technik, einer der besten Fiat, den AUTO BILD jemals im Dauertest hatte. Und was machen die Italiener? Stülpen diese Wunderkugel drüber – und plötzlich wird Bärchen zum Pflegefall. Der Komfort ist gräuslich, der riesige Wendekreis ein Witz. Übers Glasdach pfeift schaurig der Wind, die Verarbeitung erinnert an dunkle Fiat-Tage, und die Zuverlässigkeit – zumindest unseres Dauertestwagens – war erbärmlich. Kapitaler Motorschaden, gammeliger Auspuff, defektes Radlager, streikende Lichtmaschine, und, und, und ...

Der 500 wird immer schlimmer

Ehrlich, diese Macken machen dich fix und fertig. So bleibt vom fröhlich-frechen Knuddelbär am Ende nur eine blutleere Hülle. Eine Marketingblase. Und mit jedem Ableger, den Fiat gebärt, wird es schlimmer. Das Cabrio – ein halbherziger Rolldachblender. Der Abarth – knüppelhart und mit einer derart schlechten Halbautomatik gestraft, die schon an Sabotage grenzt. Lieben heißt verzeihen. Aber nicht alles. Sonst wird irgendwann wirklich Hass draus.

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