Ford Scorpio II (1995-1998)

Gebrauchtwagen Ford Scorpio II Gebrauchtwagen Ford Scorpio II

Ford Scorpio II (1995-1998)

— 25.02.2002

Ein ganz trauriger Fall?

Ford ist längst das Lachen vergangen. Das Styling-Experiment Scorpio ging voll in die Hose. Kaum Nachfrage, riesiger Wertverlust. Kein Wunder, daß der Kölner als Gebrauchter ein Schnäppchen ist.

Karosserie und Design

Im Ernst: Den Grundstein für den Mißerfolg des Scorpio legten Fords Strategen bereits 1985, als sie den Nachfolger des erzkonservativen Granada zunächst nur als Schrägheck anboten. Limousinen-Freunde mußten fünf Jahre auf die Stufe warten, Kombinierer weitere zwei. Kein Wunder, daß sich das Kölner Flaggschiff zehn Jahre lang mehr schlecht als recht verkaufte.

Anfang 95 kam dann das große Facelift, und der Scorpio zeigte eine maulende Kühlerfront, an die sich selbst eingefleischte Ford-Fahrer bis heute nur schwer gewöhnen können. Der typische Scorpio ist ein Benziner-Kombi – rund fünf Sechstel der Kunden wählen die Turnier-Version, deren Design weniger Anlaß zur Kritik bietet und - wie bei Ford üblich – zum gleichen Preis wie das Stufenheck zu haben ist. Gebraucht werden die beliebten Kombis dann allerdings höher gehandelt als die klassische Limousine.

Rostschäden sind an der jüngsten Auflage des Scorpio natürlich noch kein Thema. Allerdings ließ unser Testwagen, Erstzulassung März 1995, keine Zweifel daran, wo er später zu gammeln gedenkt: Der hintere Querträger und einige Partien der Schweller zeigten bereits erste Befallserscheinungen.

Motor und Technik

Motorische Faszination wird sich einem Scorpio-Eigner kaum erschließen, denn die überwiegend verkauften Vierzylinder sind zu bieder. Sie gehören zu den braven Ziehern; kräftig, aber eben auch nicht besonders sparsam. Schäden sind zwar selten, aber nicht unbekannt, vor allem der Zweiliter-16-Ventiler sorgte mit Zylinderkopfschäden für schlechte Werbung. Gleiches gilt für den 24V, der obendrein mit hohem Verbrauch und unsauberem Leerlauf Kunden und Werkstätten auf die Probe stellt. Hauptübel der Turbodiesel ist die durchgebrannte Zylinderkopfdichtung, die auf exzessiven Vollgasbetrieb schließen läßt und somit in erster Linie bei Vertreterkutschen auftritt. Ansonsten läßt sich – bis auf einen Mangel an Laufruhe – den von VM aus Italien stammenden Selbstzündern nichts nachsagen.

Am Platzangebot des Scorpio wird sich vermutlich niemand stören, auch das sehr bequeme Mobiliar ist über jede Kritik erhaben – solange die Polster nicht verschlissen sind. Schwergewichte bringen allerdings den Sitz-Unterbau schnell an seine Verschleißgrenze. Ärgerlicher Kleinkram, der Scorpio-Fahrer immer wieder mal nervt: eine Zentralverriegelung mit Eigenleben, Klimaanlagen, die sporadisch aussetzen, und blockierte Wegfahrsperren.

Bei seiner Neueinführung anno 85 war der Scorpio die erste Limousine mit serienmäßigem Antiblockiersystem. Diesen Riesenvorsprung haben andere mittlerweile aufgeholt. Heute schwimmt der große Kölner brav im Strom aller Familienschaukeln mit – im wahrsten Sinne des Wortes, denn besonders harmonisch arbeiten die Lenkung und das Fahrwerk nicht zusammen. Vor allem nicht, wenn Radaufhängungen, Stoßdämpfer und Spurstangen schon ein paar Meilen auf dem Buckel haben. Dann ist es auch an der Zeit, Getriebe und Differenzial näher auf die Zahn-Räder zu fühlen. Sing- oder Jaulgeräusche sollten dabei nicht zu hören sein, und beim Spielen mit dem Gaspedal darf kein kräftiger Lastwechselschlag spürbar werden.

Auch die jüngste Generation der Scorpione ist als Geschäftswagen sehr beliebt, entsprechend üppig das Angebot an Fuhrpark- und Leasing-Rückläufern. Hier ist die genaue Rekonstruktion der Vorgeschichte wichtig, wenn man nicht an eine ausgelutschte Gurke geraten will. Die gepflegte Rentner-Limousine ist dagegen sehr selten, weil der enorme Wertverlust von bis zu 50 Prozent (32.000 Mark beim Scorpio 24V Ghia) im ersten Jahr Privatleute aus rein wirtschaftlichen Erwägungen zum Weiterfahren zwingt – auch wenn sie sich am ungewöhnlichen Design längst satt gesehen haben.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1/95 Neueinführung der zweiten Scorpio-Generation als Stufenheck und Kombi (Turnier); ABS, Doppel-Airbag, Wegfahrsperre und Zentralverriegelung serienmäßig; Benziner mit 115 (2.0), 136 (2.0) und 207 PS (2.9 V6 24V), Diesel mit 115 PS (2.5) 4/96 neuer 2,3-Liter-Benziner mit 147 PS 9/96 2,5-Liter-Diesel auch mit 125 PS; 136-PS-Benziner für Limousine und Kombi eingestellt 12/98 Produktionsende, kein Nachfolger

Schwachstellen • Ölverlust an Motor, Getriebe und Differenzial • Lichtmaschine defekt • Vorderradaufhängung und Spurstangen ausgeleiert • Motorschäden (besonders 2.0 16V) • Reflektoren angelaufen • Windgeräusche an Vordertüren • Vorderreifen einseitig abgenutzt • Zentralverriegelung streikt • Zylinderkopfdichtung durchgebrannt (Diesel) • hoher Bremsenverschleiß • Klimaanlage defekt

Reparaturkosten Wer das Kölner Flaggschiff fährt, muß sich auf exklusive Teile-Preise einstellen. Ein Tausender für den Kotflügel oder Scheinwerfer ist da schon drin. Da gebrauchte Ersatzteile noch Mangelware sind, tröstet nur die solide Qualität.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Das Motto beim Scorpio lautete schon immer "Viel Auto fürs Geld", da macht das aktuelle Modell keine Ausnahme. Aufgrund des hohen Wertverlusts avanciert der Kölner nach dem ersten Jahr bereits zum begehrten Modell. Interessenten sollten sich aber auf eine längere Beziehung einstellen – denn betagte Scorpio lassen sich nur über den (niedrigen) Preis verkaufen." Hendrik Dieckmann, Kfz-Mechaniker und AUTO BILD-Redakteur

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