Noch einmal Glück gehabt: Teamchef Martin Whitmarsh und Lewis Hamilton

Formel 1

— 29.04.2009

McLaren kommt mit blauem Auge davon

McLaren-Mercedes ist in der "Lügen-Affäre" der Formel 1 glimpflich davongekommen. Der Rennstall wurde für drei Rennen gesperrt, die Strafe aber für zwölf Monate auf Bewährung ausgesetzt.

McLaren-Mercedes hat die Affäre um Lewis Hamiltons und Dave Ryans Lügen gegenüber der FIA-Kommissaree mit einem blauen Auge überstanden. Wie der FIA-Weltrat nach einer gut einstündigen Anhörung heute Mittag bekannt gegeben hat, wurden dem Team keine unmittelbaren Sanktionen auferlegt, sondern lediglich eine Bewährungsstrafe. Das bedeutet im Klartext: Die Silberpfeile werden nicht wie ursprünglich vorgesehen für drei Rennen gesperrt, sondern diese Sperre tritt nur dann in Kraft, sollten innerhalb der nächsten zwölf Monate neue Beweise auftauchen oder es einen weiteren Verstoß gegen Artikel 151c des Internationalen Sportkodexes geben. Dieser untersagt alle Handlungen, "die den Sport in Verruf bringen" und somit in irgendeiner Form im Widerspruch zu den Interessen der Formel 1 stehen.

Schuldeingeständnis hat geholfen

Ausschlaggebend war offenbar das Schuldbekenntnis und der Verzicht auf eine aggressive Verteidigungsstrategie: "Unter Berücksichtigung der offenen und ehrlichen Art und Weise, in der sich McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh dem Motorsport-Weltrat gestellt hat, und der Veränderung der Kultur, die innerhalb seiner Organisation stattfindet, hat der Motorsport-Weltrat entschieden, die beantragte Strafe auszusetzen", so das offizielle FIA-Statement. McLaren-Mercedes hat in den vergangenen Wochen aktiv versucht, die FIA zu besänftigen: Erst stellte sich Hamilton in Malaysia mit einem Schuldeingeständnis der Weltpresse, dann wurde Sportdirektor Ryan endgültig suspendiert und schließlich legte auch noch McLaren-Chef Ron Dennis alle Formel-1-Funktionen nieder. Dennis' Verhältnis zur FIA war stets angespannt gewesen. Dieser Kurswechsel scheint Früchte getragen zu haben.

Bei der bisher letzten Begegnung mit McLaren-Mercedes hatte der FIA-Weltrat im Sommer 2007 im Zuge der Spionageaffäre eine Geldstrafe in der Höhe von 100 Millionen US-Dollar ausgesprochen - allerdings erst im zweiten Anlauf, nachdem es zunächst noch einen Freispruch gegeben hatte. Doch dieser wurde revidiert, als neue Beweise auftauchten. Damals war noch nicht Whitmarsh, sondern Dennis Teamchef.

Die Chronologie der Lügenaffäre:

29. März:
Toyota-Pilot Jarno Trulli wird wegen angeblich regelwidrigen Überholens in der Safety-Car-Phase in Melbourne mit einer 25-Sekunden-Strafe belegt. So verliert er Platz drei, auf den Hamilton im McLaren-Mercedes vorrückt. Bei der Anhörung durch die Rennkommissare behaupten Hamilton und McLaren-Sportdirektor Ryan nach FIA-Angaben, dass es keine Anweisung gab, Trulli überholen zu lassen. Toyota kündigt Einspruch gegen die Entscheidung an. Noch am Abend erfahren die Sportkommissare von widersprüchlichen Interviews der McLaren-Vertreter und hören die Funksprüche an.
1. April: Toyota verzichtet auf den Einspruch gegen Trullis Strafe. Angeblicher Grund: Man sehe keine Chance, die Entscheidung der Rennkommissare vor dem FIA-Berufungsgericht zu kippen.
2. April: Die FIA verkündet, dass sich die Rennkommissare von Australien am gleichen Tag in Malaysia treffen. Es seien "neue Beweise" aufgetaucht. Bei der Verhandlung bleiben Hamilton und Ryan trotz erdrückender Beweise gegen sie bei ihren Aussagen. Hamilton und McLaren-Mercedes werden wegen Falschaussagen aus der Wertung des Auftaktrennens genommen, Trulli erhält Platz drei zurück.
3. April: McLaren-Sportdirektor Ryan wird suspendiert. Er hatte Hamilton zur Anhörung begleitet und soll ihn zur Falschaussage angestiftet haben. Ryan arbeitete seit 1974 als Mechaniker bei McLaren, später als Teammanager und seit 2008 auch als Sportdirektor. Hamilton entschuldigt sich danach auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

5. April: Whitmarsh stellt am Rande des Großen Preises von Malaysia seine Zukunft als McLaren-Teamchef in Frage und bietet seinen Rücktritt an.
7. April: Die FIA erklärt, dass sich McLaren-Mercedes bei einer außerordentlichen Sitzung des Weltrats am 29. April in Paris verantworten muss. Dem Rennstall wird ein Verstoß gegen Artikel 151c des Internationalen Sportkodexes vorgeworfen, der das Handeln gegen den Geist des Sports unter Strafe stellt. Von einer Geldbuße bis zum WM-Ausschluss sind alle Strafen denkbar. McLaren-Mercedes sichert volle Zusammenarbeit zu und gibt gleichzeitig die endgültige Entlassung Ryans bekannt.
16. April: Ron Dennis gibt seinen Rücktritt von allen Formel-1-Funktionen innerhalb der McLaren-Gruppe bekannt bekannt. Der Brite behauptet, dass sein Rücktritt nichts mit der Lügenaffäre zu tun habe, aber allgemein wird das als Zeichen gedeutet, dass McLaren-Mercedes die FIA milde stimmen will.

24. April:
Whitmarsh hat einen Entschuldigungsbrief an FIA-Präsident Max Mosley geschrieben. In dem Schreiben soll McLaren-Mercedes eine "vorbehaltlose Entschuldigung" für das bewusste Anlügen der Kommissare von Melbourne durch Hamilton und Ryan angeboten haben. Zudem soll das Team den Verstoß gegen die Regeln eingestanden haben.
25. April: Der Daimler-Konzern erwägt erstmals offen einen Formel-1-Ausstieg: "Wenn sich das Umfeld ändern sollte, etwa durch eine unangemessene Bestrafung durch die FIA, wäre es möglich, dass wir das Engagement überdenken", sagt Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche. Das wird allgemein als letzter verzweifelter Versuch verstanden, die FIA zu einem milden Urteil zu bewegen.
29. April: Whitmarsh stellt sich um 10:00 Uhr im FIA-Hauptquartier am Pariser Place de la Concorde ohne Begleitung der Anhörung durch den 26-köpfigen Weltrat. Whitmarsh bekennt sich stellvertretend für sein Team schuldig. Kurz vor 13:00 Uhr wird das Urteil verlesen: Bewährungsstrafe mit einer Sperre für drei Rennen, sollte es in den nächsten zwölf Monaten zu einem weiteren Verstoß gegen Artikel 151c des Internationalen Sportkodexes kommen.

Fotoquelle: xpb.cc

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