Formel 1: Interessante Zahlen zur Formel-1-TV-Produktion

Formel 1: Brawn kontert Mercedes und Ferrari

Exklusiv: „Es war wie im Restaurant“

F1-Sportchef Ross Brawn spricht im Interview über die zukünftige Ausrichtung der Formel 1, die Motorenfrage und die Wichtigkeit der Hersteller.
Herr Brawn, Sie sind gerade dabei, die Formel 1 neu zu ordnen. Dabei geht es hauptsächlich um neue, einfachere Motoren (1,6-Liter-V6-Turbo ohne Abgaswärme-E-Motor und mit Standardteilen) und eine Budgetobergrenze ab 2021 (schrittweise bis 150 Millionen Dollar). Ferrari und Mercedes stellen sich nun quer. Der vorgestellte Antrieb ist ihnen zu einfach. Ferrari-Präsident Marchionne hat sogar mit Ausstieg gedroht.
Ross Brawn: Ich war ziemlich überrascht von solchen Reaktionen. Ich war in einigen der Meetings, die die FIA mit den Teams hatte, dabei und dachte, dass die Richtung klar sei. Alle haben einstimmig zugestimmt, welche Ziele die neuen Antriebe erreichen sollen. Daraus haben wir die Regeln gemacht. Im Ergebnis waren die Hersteller plötzlich uneins. Es war wie im Restaurant: Einige mochten die Vorspeise, aber nicht den Hauptgang. Oder umgekehrt. Deshalb gibt es derzeit neue Gespräche. Wenn die Hersteller bessere Lösungen anbieten, um die Ziele zu erreichen, sind wir offen dafür. Es ist aber keine Alternative, dass wir bei den aktuellen Antriebseinheiten bleiben.
Warum nicht?

Ross Brawn war früher selbst bei Ferrari

60 bis 70 Prozent der Fans wollen lautere, höher drehende und spektakulärere Motoren. Das können wir nicht einfach ignorieren. Die Lautstärke ist wichtig für die Zuschauer und diese Message müssen wir respektieren. Da geht es nicht, dass einige Hersteller plötzlich die einmal vereinbarten Ziele infrage stellen. Und es geht auch nicht, dass ein Team wie Williams die letzten zwei Rennen mit einem extrem alten Motor fahren muss, weil ein neuer eine Million Pfund kostet - sie sich diesen aber nicht leisten können. Die Geschichte passierte so in Brasilien, als man ein Problem mit dem Getriebe hatte und der Motor überdrehte. Es kann doch nicht sein, dass ein einziger Motor - also nur das Material und der Zusammenbau, ganz ohne die Entwicklung - eine Million Pfund kostet! Dabei sind wir ja noch nicht mal am Ende der Kostenspirale angelangt. Ohne Entwicklungsbeschränkung werden die Antriebseinheiten in Zukunft nur noch teurer werden.
Vernünftige Argumente. Aber Ferrari und Mercedes lassen die Muskeln spielen. Kann die Formel 1 auf Ferrari verzichten?
Das ist eine rhetorische Frage. Natürlich wollen wir Ferrari nicht verlieren. Ferrari profitiert von der Formel 1 und die Formel 1 profitiert von Ferrari. Aber jede Partnerschaft hat Grenzen. Was kann Ferrari akzeptieren und was wir? Wir wollen Lösungen finden, die alle Teilnehmer in der Formel 1 halten. Und vor allem wollen wir keine ikonischen Teams verlieren. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Formel 1 und wir müssen sie respektieren und anhören. Worin alle übereinstimmen: Niemand will mehr Geld ausgeben. Es will aber auch niemand seine kompetitive Position aufgeben.
Mercedes zum Beispiel. Wer ist wichtiger: Ferrari oder Mercedes, der Weltmeister

Nicht nur Halo: Auf die F1 kommen Veränderungen zu

(lacht) Ich wusste, dass Sie diese Frage stellen würden.
Dafür sind wir doch da!
Ferrari hat die längste Geschichte, steht für Leidenschaft und Emotion. Aber wie Mercedes ja oft sagt: Ferrari zu schlagen hat eine monumentale Bedeutung. Das sieht man ja auch an ihrer Werbung, wo sie mit einem Mercedes durch Maranello fahren. Die Größe des Erfolgs ist immer abhängig vom Gegner, den man schlägt. Beide sind also sehr wichtig für die Formel 1 - aber keiner von beiden wichtiger als der andere.
Arbeiten Sie daran, auch andere deutsche Hersteller zum Einstieg zu bewegen?
Aktiv derzeit nicht. Aber wir wollen ein Umfeld kreieren, das die Hersteller anlockt. Eben auch mit einem neuen Motor. Der muss so konzipiert sein, dass ihn auch kleinere oder unabhängige Hersteller bauen können. Nicht weil wir unbedingt unabhängige Hersteller haben wollen, sondern weil alles andere einfach zu teuer und kompliziert ist. Und ich garantiere Ihnen: Mit dem aktuellen Antrieb ist KEIN Hersteller an einem Einstieg interessiert. Wenn wir die Regeln also nicht ändern, wird kein neuer kommen.
Würden Sie sich über eine Premiummarke wie Porsche freuen?

Ross Brawn ist seit der Saison 2017 F1-Sportchef

Es gibt mehrere Premiumhersteller, die mir in der Formel 1 gefallen würden. Porsche ist einer davon, aber auch Aston Martin und Lamborghini gehören zu meiner Favoritenliste. Deshalb müssen wir ein Umfeld schaffen, das für sie attraktiv ist. Verstehen Sie mich nicht falsch, Mercedes und Ferrari machen einen guten Job. Was wir aber wollen, ist, dass unter gewissen Umständen auch andere Teams wie Williams um Siege fahren. Wir wollen das nicht mit künstlichen Gimmicks schaffen, sondern brauchen eine Umgebung, wo der Abstand zwischen Spitzenteams und kleineren Mannschaften schmilzt und das Potenzial da ist, dass die Kleinen mit einem aufstrebenden Mega-Talent wie Max Verstappen regelmäßig Rennen aufmischen können. Wir brauchen mehr Verstappens, und das geht nur mit Teams, die näher zusammenliegen. Gut möglich, dass jetzt schon welche da draußen fahren. Die können ihr Potenzial aber nicht zeigen.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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