Fernando Alonso

Formel 1: Fernando Alonso im Interview

— 02.09.2011

Alonso setzt sein Geld auf Vettel

Ein ungewöhnliches Interview mit Fernando Alonso: Der Ferrari-Star zieht Stichworte und antwortet spontan auf die vorgegebenen Themenbereiche. Ergebnis: Vettel wird Weltmeister 2011 und Alonso bleibt bis zum dritten Titel bei Ferrari.

Ferrari
Fernando Alonso (30): "Für mich ist ein Traum wahr geworden, für dieses Team fahren zu dürfen. Die Tradition und Historie sind einfach einzigartig. Wenn du nicht einmal für Ferrari gefahren bist, ist deine Karriere nicht komplett. Und auch, wenn ich bisher noch keinen Titel mit Ferrari holen konnte, kann ich sagen: Es ist das beste Team, für das ich jemals gefahren bin. Ich erwarte, dass jeder 24 Stunden am Tag arbeitet. Ist das der Fall, tue ich das auch. Die Struktur im Team hat sich seit meiner Ankunft stark verändert (zuletzt mit dem Rausschmiss von Technikchef Aldo Costa; d. Red.), arbeitet jetzt effizienter. Ich bin immer optimistisch, ein Kämpfer. Ich glaube, das kam etwas überraschend für das Team."

"Ich denke derzeit nur von Rennen zu Rennen"

Alonso, der Pokerspieler: Der Ferrari-Star gilt als der Abgezockteste von allen und setzt auf Vettel.

Weltmeister 2011
"Normalerweise haben wir bei einem Rückstand von 89 Punkten (vor Spa, die Red.) keine realistische Chance mehr. Deshalb denke ich nur Rennen für Rennen, aber nicht an den Gesamt-WM-Stand. Wenn Sebastian nicht eine außergewöhnliche Pechserie hat, ist er nicht mehr einzuholen. Ich würde jedenfalls mein Geld auf ihn wetten."

Red Bull
"Sie haben die Regeln in den vergangenen zwei Jahren besser interpretiert als wir und ein besseres, ein großartiges Auto gebaut. Natürlich ist Adrian Newey die Schlüsselperson, aber auch hinter ihm steht eine starke Design-Mannschaft, die wir auch haben. Ferrari zieht viele Menschen an. Fahrer, aber auch Techniker. Wenn er kommen will, fahre ich gerne sein Auto. Ich würde Ferrari aber nicht verlassen, um einmal ein Newey-Auto gefahren zu sein."

"Vettel zeigt große Qualitäten"

Spaß beim Interview: Alonso hat die freue Themenwahl, antwortet mal lachend, mal ernst auf Nachfragen.

Sebastian Vettel
"Sebastian ist ein großer Champion, der gerade dabei ist, seinen zweiten Titel zu gewinnen. Er hat viel Talent und auch die Fähigkeit, Druck zu widerstehen. Die Kritik an ihm, er sei kein Racer, kann ich nicht nachvollziehen. Er hat keine Probleme beim Überholen. Aber er startet ja meistens von der Poleposition, da muss er das auch gar nicht. Er hat überragende Qualitäten, eine Menge Speed. Auch wenn du das beste Auto hast, heißt das noch lange nicht, dass du auch auf dem besten Startplatz stehst. Du musst fähig sein, das Maximum in einer Runde aus deinem Auto herauszuholen. Sebastian kann das ohne Zweifel. Er macht auch gute Starts, fährt gute Rennen mit guten Strategien. Auch unter sehr schwierigen Bedingungen. Wie in Montreal im Regen. Trotz eines Fehlers konnte er immerhin noch Zweiter werden. Oder denken wir an Monaco. Obwohl die Reifen am Ende waren, konnte er das Rennen gewinnen. Alles in allem zeigt das seine großen Qualitäten."

Michael Schumacher
"Für mich ist und bleibt er der beste Fahrer der Formel 1-Geschichte und dafür verdient er allen Respekt. Für uns werden seine Erfolge wahrscheinlich unerreicht bleiben. Und selbst jetzt, wo die Erfolge ausbleiben, genießt er das Fahren. Er hat die Formel 1 zu Hause einfach vermisst. Ich kann das verstehen. Es ist schwer, all das Adrenalin und die Emotionen auf der Couch zu finden. Deshalb nehme ich es ihm auch ab, dass er selbst nach einem achten Platz zufrieden und glücklich ist. Schade, dass die Leute, die ihn dafür kritisieren, das nicht verstehen. Ich jedenfalls bin stolz darauf, gegen Michael Schumacher Rennen fahren zu dürfen. Wenn er dabei ist, hat ein Sieg einfach mehr Wert. Und ich bin sicher, dass Michael in einem konkurrenzfähigen Auto immer noch auf dem Niveau der Allerbesten fahren und siegen kann."

"Felipe Massa ist einer der stärksten Teamkollegen"

Den Verlust des WM-Titels 2010 in Abu Dhabi hat Alonso inzwischen abgehakt.

Nico Rosberg
"In den vergangenen zwei Jahren war er schneller als Michael, was sehr viel bedeutet. Immerhin ist Michael eine der besten Messlatten, die man haben kann. Nico ist ein sehr talentierter und schneller Fahrer. Noch wichtiger aber: Er hat nun auch genug Erfahrung, um um den Titel zu kämpfen. Früher oder später wird er Weltmeister sein."

Felipe Massa
"Felipe macht es mir alles andere als einfach. Wir sind sehr eng zusammen, meistens geht es nur um eine Zehntelsekunde. Er ist auf jeden Fall einer der stärksten Teamkollegen, die ich je hatte. Er hatte öfter Pech, wie in Singapur vergangenes Jahr, als er bis zum Qualifying schneller war als ich und dann Schwierigkeiten mit dem Getriebe hatte. Wir arbeiten sehr gut zusammen, obwohl wir einen völlig verschiedenen Fahrstil haben. Ich attackiere sehr aggressiv in den Kurven, während er viel sanfter fährt."

"Haben uns in Abu Dhabi zu wenig auf Vettel konzentriert"

Über Vitaly Petrovs Fahrweise kann sich Alonso imer noch ärgern.

Abu Dhabi 2010
"Klar ist es sehr frustrierend, wenn dir kurz vor Ende das große Ziel noch aus den Händen gleitet. Ich sehe das Rennen als Weiterbildung an. In derselben Situation würden wir sicherlich einige Dinge anders machen. Wir haben uns zu sehr auf Mark Webber konzentriert, zu wenig auf Sebastian Vettel. Als Webber in die Box kam, folgten wir ihm und Seb lachte sich vorne ins Fäustchen. Webber und ich hingen im Verkehr fest, er blieb lange mit alten Reifen draußen, gewann das Rennen und die WM. Montags trauerte ich noch, ab Dienstag gab es Testfahrten mit den neuen Pirelli-Reifen. Ab da war ich in Gedanken schon wieder in der neuen Saison."

Alonso: "Wenn ich bis Vertragsende nicht zum dritten Mal Weltmeister bin, bleibe ich eben doch 20 Jahre wie Michael!"

Vitaly Petrov
"Ich bin nicht mehr wütend auf ihn, aber sein Verhalten war nicht besonders intelligent. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, dass es das für mich entscheidende Rennen war, sondern dass er sich zu aggressiv wehrte. Ich würde das bei jedem anderen Rennen auch so sehen. Aber es ist seine Sache. Ich kenne meine Pappenheimer. Ich weiß, wer fair kämpft und wer unfair."

Der dritte WM-Titel
"Ist sehr wichtig für mich. Ich werde hier nicht aufhören, bis ich mit Ferrari nicht noch einmal Weltmeister geworden bin. Wenn ich das bis 2016 (Alonsos Vertragsende; d. Red.) nicht geschafft habe? (Lacht) Dann bleibe ich eben doch wie Michael 20 Jahre bis 2021!"

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

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