Honda Jazz (GR): Gebrauchtwagen-Test
Gebrauchter Honda Jazz im Check

Dreieinhalb Jahre nach seinem Marktstart wird der Honda Jazz gebraucht relevanter. AUTO BILD checkt den japanischen Kleinwagen-Sonderling.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Große Emotionen weckt die vierte Generation des Honda Jazz bei der ersten Begegnung nicht. Und auch stückzahlenmäßig spielt das im Sommer 2020 eingeführte Modell hierzulande nur eine Nebenrolle. Die Gründe sind ein dünnes Honda-Händlernetz, knapp kontingentierte Neufahrzeuge und durchaus ambitionierte Neupreisvorstellungen des Importeurs. Dennoch lohnt sich die Suche nach einem Gebrauchten. Denn es könnte eine Autoliebe auf den zweiten Blick werden.
Der Jazz positioniert sich zwischen zwischen Kleinwagen und Minivan
Das ist er: Ein hervorragender Allrounder ohne Allüren. Er positioniert sich wie sein Vorgänger in der engen Nische zwischen Kleinwagen und Minivan. Sein Konzept unterscheidet sich damit spürbar von den meisten seiner Artgenossen. Die Front mit großen Scheinwerfern entspricht grob dem klassischen Kindchenschema, das Dach baut ungewöhnlich hoch.
Das aus der One-Box-Karosserieform resultierende Raumangebot würde man bei nur knapp vier Metern jedoch kaum erwarten. Weder vorne noch auf der Rücksitzbank finden durchschnittliche Nordeuropäer triftige Gründe, um sich über mangelhafte Platzverhältnisse zu beklagen. Im Gegenteil: In dieser Disziplin düpiert der Jazz seine Konkurrenten. Und auch die von Honda "Magic Seats" getaufte Origami-Faltmechanik der Rücksitzbank überrascht in dieser Klasse.
Die Ladefläche ist topfeben, bei Bedarf sind die Fondsitzflächen aber wie im Kino hochklappbar. Die Ladekante ist nur 66 Zentimeter hoch, was den Kofferraum wesentlich praktischer macht, als 304 bis 1205 Liter Volumen vermuten lassen.

Jazz mal anders: biedere Heckoptik, aber viel Platz und ein sicheres Fahrverhalten.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Seine hohe Fertigungsqualität prädestiniert den Jazz für ein überdurchschnittlich langes Autoleben. Unser Testwagen von Honda Harke in Hamburg-Bergedorf wirkt so frisch, dass man ihm gut drei Jahre und die erste Erdumrundung auf dem Tacho kaum abnehmen mag. Das liegt zum einen an der peniblen Verarbeitung und natürlich an den diversen hochwertigen Oberflächen, die geschmackvoll aufeinander abgestimmt sind.
Da Honda auf die in dieser Fahrzeugklasse ebenso häufigen wie fragwürdigen Rotstift-Materialexperimente verzichtet und der Vorbesitzer offenbar sehr umsichtig gewaltet hat, befindet sich an Bord alles in einem tadellosen Zustand.
Technische Daten
1.5 i-MMD (bis 3/23) | 1.5 i-MMD (ab 3/23) | |
|---|---|---|
Motor | Otto-Hybrid/vorn | Otto-Hybrid/vorn |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1498 cm³ | 1498 cm³ |
Leistung | 80 kW (109 PS) bei 5500/min | 90 kW (122 PS) bei 5500/min |
Drehmoment | 253 Nm bei 4500/min | 253 Nm bei 4500/min |
Höchstgeschw. | 175 km/h | 175 km/h |
0–100 km/h | 9,4 s | 9,4 s |
Tank/Kraftstoff | 40 l/Super | 40 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Eingang autom./Vorderrad | Eingang autom./Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4044/1694/1526 mm | 4089/1694/1526 mm |
Kofferraumvolumen | 304-1205 l | 304-1205 l |
Leergewicht/Zuladung | 1300/410 kg | 1302/388 kg |
Für den Alltag ist der Honda Jazz gut gerüstet
Das hat er: Gute Karten, wenn es um die Rolle des fast perfekten Alltagsbegleiters geht. Nicht nur das generöse Platzangebot passt für diesen Bedarf, auch die Serienausstattung ist generös geschnürt. Ab Werk spendierte Honda stets Verkehrszeichenerkennung, Rückfahrkamera, Kollisionswarnsystem, einen aktiven Spurhalter, einen adaptiven Tempomaten und LED-Scheinwerfer nebst Fernlichtassistenten. Dazu eine dreistufige Sitzheizung, ein Bediensystem mit 9-Zoll-Touchdisplay und ein 7-Zoll-Digitalcockpit.
Unser Testwagen besaß darüber hinaus das schlüssellose Zugangssystem, ein heizbares Lenkrad und Metalliclack. Teurere Ausstattungslinien bieten somit keinen echten Mehrwert.
Achtung, auch wenn der Jazz (GR) jetzt noch ein junger Gebrauchter ist, sollte man heute schon mögliche Folgekosten im Alter einkalkulieren. Der Fahrakku ist nur 0,7 kWh klein, kostet jedoch von Honda inklusive Montage theoretisch über 8000 Euro!

Top: durchdacht eingerichteter Fahrerplatz, gute Qualitätsanmutung, prima Raumgefühl.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Das Dreimotorenverbundsystem funktioniert erstaunlich geschliffen
So fährt er: Erstaunlich geschmeidig. Auf dem deutschen Markt war und ist die vierte Jazz-Generation ausschließlich als Hybrid-Benziner (109 PS; ab Frühjahr 2023 mit 122 PS) mit ausgeklügeltem Dreimotorenverbundsystem erhältlich: Ein E-Motor sorgt primär für den Vortrieb und üppige 253 Newtonmeter Drehmoment. Der 1,5-Liter-Benzinmotor ist erst unter Volllast dauerhaft präsent. Er agiert vorrangig als Antriebsaggregat für die zweite E-Maschine, die als Generator den Strom für den Elektroantrieb erzeugt.
Was für Laien unglaublich komplex klingt, funktioniert in der Praxis erstaunlich geschliffen und offensichtlich störungsfrei. Das von Motorenbau-Profi Honda e:HEV genannte Antriebssystem ist für Knauserverbräuche im Stadt- und Pendlerbetrieb sehr gut geeignet. Je nach Einsatzprofil sind im Alltag durchschnittlich zwischen 3,5 und 5,5 Liter Super realistisch.
Stärken
- Cleveres Innenraumkonzept
- Moderate Betriebskosten
- Qualitätsniveau, gemessen am Segment, hoch
Schwächen
- Komplexe Antriebstechnik birgt im Alter Reparaturrisiken
- Stattliches Gebrauchtpreisniveau
- Kaskoklassen recht hoch
Bis Tempo 70 ist der Antrieb flüsterleise. Nur auf schnellen Autobahnetappen ist der Hybrid-Jazz trotz seines tadellos abgestimmten Fahrwerks nicht in seinem Element: Ab Autobahnrichtgeschwindigkeit klingt der Antrieb zunehmend gestresst, lässt sich zu Verbräuchen jenseits der Sieben-Liter-Marke hinreißen. Gleichzeitig nehmen die Windgeräusche ab Tempo 130 unangenehm zu.
Um etwas Abenteuerflair müht sich die um drei Zentimeter dezent höhergelegte Cross-Version. Der Jazz Crosstar hat unlackierte Radlaufverkleidungen, einen eigenständigen Kühlergrill und eine Dachreling. Das markante Upgrade gibt es jedoch nicht kostenlos: Die Crossover-Optik verschlechtert die Aerodynamik und verursacht rund 0,5 Liter Mehrverbrauch an der Zapfsäule.
Modelltypische Fehler sind selten
Das macht Ärger: Honda vermarktet den Jazz hierzulande mit drei Jahren oder 100.000 Kilometer Neuwagengarantie. Die Lackgarantie gilt drei Jahre, die Durchrostungsschutzgarantie zwölf Jahre. Fünf Jahre Garantie gibt es gegen Durchrostung an der Auspuffanlage. Für die Zeit nach dem Ablauf der Neuwagengarantie ist zeitlich unbegrenzt eine Anschlussgarantie bis 200.000 Kilometer möglich.
Optional wurden Neuwagenkunden relativ preiswerte Servicepakete für maximal fünf Jahre angeboten, sodass sich am Markt fast nur scheckheftgepflegte Exemplare finden. Wer auf eine sehr lange Haltedauer spekuliert, sollte eine Wachskonservierung in Erwägung ziehen: Honda hat beim Jazz insbesondere am Unterboden an Rostvorsorge gespart.

Das System zeigt vereinzelt Abstürze, USB-Ausfälle und lästige Kopplungsprobleme.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Echte Mängel sind rar gesät. Häufiger fällt die Klimaanlage durch defekte Kondensatoren aus. Falls die Reichweitenanzeige unplausible Kilometer anzeigt, hilft meistens ein kurzes Abklemmen der 12-Volt-Batterie. Besitzer berichten außerdem von vereinzelt ausgefallenen USB-Buchsen oder nicht mehr elektrisch einklappenden Außenspiegeln.
Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind für die vierte Jazz-Generation lediglich zwei Rückrufe hinterlegt: Aufgrund eines fehlerhaften Gurtbandsensors ist im Baujahr 2020 die anliegende Spannung beziehungsweise Position des Sicherheitsgurts nicht immer korrekt, wodurch die Rückhaltewirkung bei Eintreten eines Unfalls nicht gewährleistet werden kann. 2022 gab es außerdem einen nicht überwachten Rückruf, weil es aufgrund eines Ausfalls des Kollisionswarnsystems zu erhöhter Unfallgefahr kommen kann.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 4,5 l S/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 102 g/km |
Inspektion | 275-550 Euro |
Haftpflicht (17)* | 557 Euro |
Teilkasko (22)* | 584 Euro |
Vollkasko (25)* | 1258 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 44 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatterie | 8299 Euro |
|---|---|
Hybridantrieb komplett | 23.202 Euro |
Wasserpumpe | 815 Euro |
Steuerkette | 790 Euro |
Nachschalldämpfer | 525 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1082 Euro |
Bremsscheiben und -klötze vorn | 494 Euro |
Infotainmentbildschirm | 3199 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 185/45 R16 87H) | 550 Euro |
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