Als Mazda Tribute 4x4 und Ford Maverick wurde das von Gebrauchtwagen-Experte Wolfgang Blaube unter die Lupe genommene Allrad-SUV von 2000 bis 2007 verkauft. Der Checker klärt, wie nüchtern, aber sorglos die Zwillinge wirklich sind.
Bild: Wolfgang Blaube
Wolfgang Blaube
Ein zuverlässiger, zickenloser Allradler zu verdaulichen Anschaffungs- und Haltekosten: Das ist es, was vielen von Ihnen, liebe Leser, angesichts der aktuellen Konjunktur wollen. Woher ich das weiß? Aus zahlreichen Zuschriften an die Redaktion. Vor allem aber von der großen Resonanz auf mehrere Checker-Folgen, die ich in den vergangenen Monaten solchen Typen gewidmet habe. Also geht es diesmal wieder um ein Modell, das die besagten Kriterien erfüllt. Besser gesagt: um zwei. Denn der Mazda Tribute 4x4, verkauft ab September 2000, und der Ford Maverick mit dem internen Kürzel 1EZ/1N2, angeboten ab April 2001, sind bis auf geringe kosmetische Differenzen identisch.
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Der moderne Zweiliter mit 16 Ventilen ist gut gefordert, gilt aber als sparsam und langlebig.
Bild: Wolfgang Blaube
Kurzer Ausflug in die Variantenarmut, in der sich einzig Benziner finden: Zweiliter-Vierzylinder (124 PS) mit Fünfgangschaltung sowie Dreiliter-V6 (197 PS) mit Vierstufenautomatik vom Start weg, im März 2004 ersetzt durch den 2,3-Liter-Vierer (150 PS) beziehungsweise den 203-PS-Dreiliter mit entsprechenden Getrieben. Verkaufsende? Kaum zu präzisieren – bis 2007 floss der Abverkauf zäh vor sich hin. Dann hatte Fords neue Europaparole, keine US-Produkte mehr zu vertreiben, auch diese Modellreihen gekillt. Erben der Zwillinge, wenn auch mit völlig anderem Anspruch: Mazda CX-7 und Ford Kuga.
Zwei Einträge im Fahrzeugbrief
Ohne jegliche Dramatik: routiniert verarbeiteter, stilistisch schlichter Inneraum.
Bild: Wolfgang Blaube
Gegen diese rasant geformten Nachfolger nehmen sich Tribute und Maverick ziemlich nüchtern, vielleicht sogar langweilig aus. Gleichsam sind die interkontinentalen Paarläufer – alle Linkslenker entstanden in Missouri/USA, die Rechtslenker in Japan – absolut solide gebaut. Insofern passt die Auflistung der typischen Mängel in eine bessere Fußnote. Getriebe: Im Alter können sich lange Vollgaspassagen und somit hohe Öltemperaturen rächen, säumige Gangwechsel (Automatik) und Lagergeräusche (Schaltung) sind dann die Symptome. Chassis: Mangels Unterbodenschutz – eine einseitige Spritzverzinkung musste werkseitig reichen – ist gelegentlich Rostbefall sichtbar. Und zwar maßgeblich regional bedingt: Kenner sehen bisweilen am Zustand der Bodengruppe, ob es sich um ein Exemplar mit süddeutscher Vita mehrerer gesalzener Winter handelt – oder ob es bislang im Norden wohnte, wo praktisch keine chemischen Taumittel mehr verwendet werden.
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Im Zweifel kauft man einen Tribute oder Maverick – Preisunterschiede zwischen beiden lassen sich übrigens kaum ausmachen – also besser oben auf der Landkarte. Etwa den Ford, den ich bei einem freien Händler in Mecklenburg-Vorpommern entdecke? Das wird eine genaue Prüfung zeigen. Der Verkäufer ist von der überlustigen, flapsigen Sorte, gibt sich ansonsten aber unaufdringlich und angenehm offen. Von sich aus legt er den Fahrzeugbrief vor – zwei Einträge, der letzte ab 2005. Im Geiste notiere ich – gemein, wie ich nunmal bin – die Halterdaten mit. So lässt sich vielleicht später klären, ob die knapp 66.000 Kilometer auf dem Zähler wirklich stimmen. Und ob seit dem letzten Service-Eintrag bei Zählerstand 37.000 etwas in Richtung Wartung passiert ist. Jedenfalls sehe ich anhand der Papiere schon jetzt: Der Maverick 2.0 XLT von 3/2002 lief stets in Hamburg. Dafür spricht auch sein völlig korrosionsfreier Unterboden.
Schmale Preise, günstige Versicherung, bürgerlicher Verbrauch, sehr hohe Zuverlässigkeit.
Bild: Wolfgang Blaube
Meine Probefahrt gerät zur reinen Routine. Alles funktioniert erwartungsgemäß so, wie es soll. Außer der Kupplung, bei der einem überlangen Pedalleerweg ein unnormaler Widerstand folgt, allerdings ohne dass sie rutscht oder rupft. Die Ursache dafür lässt sich vor Ort nicht klären. Sei's drum, ist kein K.o.-Kriterium; möglich, dass diese Kupplung noch jahrelang hält. Sonstige Befunde: Bremsscheiben vorn fällig, 100 Prozent Erstlack. Das war’s. 8000 Euro glatt, schlägt der fidele Handelsmann auf Anfrage vor. Durchaus fairer Preis. Für ein ordentliches Auto, wie mein Anruf beim Zweitbesitzer bestätigt: Laufleistung korrekt, stets (wenn auch ohne Stempel) gewartet, nie Gelände, nur einmal Hängerbetrieb, nie irgendwelche Probleme. Hätte mich auch gewundert angesichts dieses Exemplars – und der Modellreihe erst recht.
Fazit
von
Wolfgang Blaube
Schmale Preise, günstige Versicherung, bürgerlicher Verbrauch, sehr hohe Zuverlässigkeit: Im Ford Maverick/Mazda Tribute fährt man entspannt durch die Krise – gerade mit dem wenig dynamischen 2.0-Motor. Wer indes hohe Zuglasten braucht, sieht sich besser woanders um: 1500 Kilo sind nicht gerade SUV-like.