Gebrauchtwagentest BMW 3er-Cabrio

Gebrauchtwagentest BMW 3er-Cabrio Typen E30 und E36 Gebrauchtwagentest BMW 3er-Cabrio Typen E30 und E36

Gebrauchtwagentest BMW 3er-Cabrio

— 05.07.2007

Durchgehend geöffnet

BMW 3er-Cabrios versprechen ein bügelloses Fahrvergnügen für vier Personen. Gilt das auch für Gebrauchte, oder sind das nur Luftnummern?

Es gibt Typen, die haben es einfach drauf. Begeistern Männlein wie Weiblein, Alte und Junge. Zu diesen Erfolgstypen zählt seit über 20 Jahren das 3er-Cabrio von BMW. Das steht seit nunmehr vier Generationen auf der Sonnenseite der Zulassungsstatistik – trotz der stolzen Preise. Hoch im Kurs sind die offenen 3er auch bei Gebrauchtwagenkäufern. Insbesondere die ersten beiden Baureihen E30 und E36 sind gefragte Typen, weil sie heute für relativ kleines Geld zu haben sind. Doch gerade beim E30 sollten sich Interessenten von günstigen Offerten nicht blenden lassen. Das gilt speziell für die tiefergelegten Bastelbuden aus fünfter oder sechster Hand.

Vorsicht bei Tuner-Kisten

Sichere (Zylinder-)Bank: Die Vierzylinder blieben meist ungetunt.

Dabei handelt es sich häufig um die leistungsstarken Sechszylindermodelle, die schon immer in das Beuteschema jugendlicher Hobby-Tuner fielen. Solche Exemplare sind aber ihr Geld meist nicht wert. Mit ihren weichgeklopften Karosserien, ausgenudelten Motoren und verschlissenen Kraftübertragungen versprechen sie nur noch ein kurzes Sommervergnügen. Und landen eher früher als später im Schredder. Gepflegte E30-Cabrios im Originalzustand mit geringen Laufleistungen avancieren hingegen zunehmend zu Liebhaberstücken. Ist die Karosserie frei von Rost, birgt der Kauf nur wenige Risiken. Ölverlust, klappernde Achsen, Auspuffrost oder erblindete Scheinwerfern sind zwar typisch, aber die Mechanik ist solide und bei pfleglichem Umgang gut für 200.000 Kilometer und mehr. Voraussetzung ist allerdings der rechtzeitige Tausch des Zahnriemens, den alle Sechszylinder und die Zweiventil-Vierzylinder des E30 besitzen.

Klassiker mit Eleganz

Das Zeug zum Klassiker: Beide 3er-Cabrios sind zeitlos designt.

Dass die Karosserie zum Zittern neigt und das Fahrverhalten mit aktuellen Fahrzeugen nicht mehr konkurrieren kann, darf Käufer eines Urmodells jedoch ebenso wenig stören wie die rasch erblindenden Kunststoff-Heckscheiben. Für Liebhaber zählt ohnehin nur die zeitlos schöne Linie, die sich im gelungenen Cockpit fortsetzt. Und, mal ehrlich: So richtig alt wird ein E30-Cabrio wohl nie aussehen. Ob das ab 1993 gebaute Cabrio der Baureihe E36 ebenfalls das Zeug zum Klassiker hat, muss sich erst noch herausstellen. Außer Frage steht jedoch, dass der E36 fast alles besser kann als der Vorgänger. Das Fahrverhalten ist agiler, die Bremse bissiger, der Komfort und die passive Sicherheit höher. Und Eleganz kann man dem wohltuend schnörkellos gestylten E36-Cabrio ebenfalls nicht absprechen. Ebenso wenig einige Schwächen. Besonders kritisch ist der Ausfall der Wasserpumpe, weil Überhitzungen der Zylinderkopfdichtung den Garaus machen.

Vorbildliche Rostvorsorge

Für ein langes Leben: sehr gut geschützte Karosserie-Hohlräume.

Ärgerlich sind zudem Elektronikspinnereien und die verschleißfreudige Vorderachse, die frühzeitig teure Reparaturen erfordert. Den raschen Verfall des Auspuffs erwartet man ebenfalls nicht unbedingt bei einem Premium-Hersteller. Trotzdem, ein gepflegter E36 aus seriösem Vorbesitz zählt zu den empfehlenswerten Cabrios. Denn die Rostvorsorge ist vorbildlich, und die Mechanik prinzipiell langlebig. Sind Verdeck, Kunststoffscheibe und die Dichtungen in Ordnung, kommen Freunde des Fahrens beim E36 voll auf ihre Kosten. Egal ob männlich oder weiblich, alt oder jung. Dieser Typ hat es drauf.

Stärken und Schwächen des E30-Cabrios

Vierzehn Jahre nach Produktionsende müssen Gebrauchtwagen-Interessenten auch beim soliden E30-Cabrio mit den üblichen Altersschwächen rechnen. Typisch: Rost, ausgenudelte Motoren, heulende Getriebe oder ausgeschlagene Aufhängungen. Finger weg vor tiefergelegten und verbastelten Exemplaren meist jugendlicher Hobby-Tuner. Bei gepflegten Exemplaren der letzten Baujahre mit Laufleistungen bis 100.000 Kilometer ist Korrosion hingegen selten, hier gab es ab Werk eine vorbildliche Vorsorge. Typische Schwächen sind jedoch Ölverlust, ausgeschlagene Traggelenke der Vorderachse, verrottete Abgasanlagen, getrübte Linsen der DE-Scheinwerfer, heulende Differenziale und verschlissene Bremsen. Ärger können außerdem gebrochene Sitzgestelle und die anfällige Cockpit-Elektronik (Service-Intervallanzeige, Tankuhr) bereiten. Und beim Cabrio sind natürlich immer Verdeck, Dichtungen und Scheibe zu prüfen.

Modell-Empfehlung: Modell 318i Cabrio (Typ E30)

Technische Daten: •Hubraum 1796 cm³ •Leistung 83 kW/113 PS •Höchstgeschwindigkeit 187 km/h

Unsere Empfehlung: ein gepflegtes und unverbasteltes 318i Cabrio.

Gefragteste Motorisierung beim E30-Cabrio ist der 170 PS starke 2,5-Liter-Sechszylinder, der die größten Verkaufszahlen verzeichnete. Wir empfehlen Gebrauchtkäufern dennoch den 318i, der ab September 1990 die Cabrio-Motorenpalette ergänzte. Der harmonische Basis-Vierzylinder reagiert spontan auf Gasbefehle, ist ausreichend flott und dabei recht genügsam. Außerdem gilt der 1800er als sehr standfestes Triebwerk. Im Gegensatz zu den oftmals übel heruntergerittenen Sechszylindern haben Secondhandkäufer beim 318i Cabrio heute zudem die besten Chancen, ein gepflegtes und unverbasteltes Exemplar zu finden.

Stärken und Schwächen des E36-Cabrios

Die gute Rostvorsorge und eine solide Karosserie mit ordentlicher Verwindungssteifigkeit kennzeichnen die BMW-Cabrios des Typs E36. Besonders begehrt sind natürlich die laufruhigen Sechszylindermotoren. Die gelten als robuste Langläufer, sofern deren Wasserpumpe rechtzeitig gegen eine verbesserte Variante getauscht wird. Denn das Flügelrad besteht aus Kunststoff, der mit der Zeit versprödet. Dann kann sich das Pumpenrad unbemerkt von der Welle lösen. Die Folge: Der Motor überhitzt. Außerdem schwächelt auch der E36 an der Vorderachse. Deren Lager und Gelenke sind auffällig früh verschlissen. Weitere typische Schwächen: defekte Generatoren, Kühlerlüfter und Komfortextras (Fensterheber), Öl- und Kühlwasserverlust, hoher Bremsenverschleiß, leckende Kraftstoffleitungen, rostende Abgasanlagen, Zahnriemenrisse bei frühen Modellen bis 1994 und Feuchtigkeit in den Scheinwerfern.

Modell-Empfehlung: Modell 320i Cabrio (Typ E36)


Technische Daten: •Hubraum 1991 cm³ •Leistung 110 kW/150 PS •Höchstgeschwindigkeit 211 km/h

Guter Kompromiss: der 2-Liter-Sechszylinder mit 150 PS.

Beim mindestens 1,5 Tonnen schweren E36-Cabrio darf es ruhig etwas mehr Leistung sein als im leichteren Vorgänger. Ein guter Kompromiss ist der Zweiliter-Sechszylinder des 320i Cabrios. Der seidenweich laufende Vierventiler ist ausreichend spritzig, ohne sich im Punkt Wirtschaftlichkeit eine Blöße zu geben. Der Alu-Motor will zwar gedreht werden, zeigt aber dank der variablen Nockenwellenverstellung (Vanos) beim Zwischenspurt deutlich mehr Muskeln als der 320i des Typs E30. Aber auch ein 325i (192 PS) oder 328i (193 PS) mit vergleichbaren Eckdaten ist attraktiv, weil der Verbrauch kaum höher liegt.

Modellgeschichte

•04/86 Markteinführung BMW 3er-Cabrio, zunächst ausschließlich als 325i mit dem 171-PS-Sechszylinder zu haben (ohne Kat, ab 46.800 Mark) •08/87 Start des 320i Cabrio. Der Sechszylinder leistet mit Kat 129 PS (ab 43.100 Mark); 325i nun ebenfalls ab Werk mit G-Kat (170 PS) •05/88 Start des M3-Cabrios, von dem insgesamt nur 800 Stück gebaut wurden •09/90 Leichtes Facelift; auch das Cabrio erhält nun die Kunststoff-Stoßfänger und die größeren Rückleuchten, die bei den Limousinen bereits 1987 eingeführt wurden •09/91 Einführung des 318i (113 PS, ab 43.400 Mark) •03/93 Produktionsende für 320i/325i Cabrio des Typs E30 •06/93 Markteinführung des 325i mit 192 PS als erstem Cabrio-Modell auf Basis der E36-Baureihe (ab 65.000 Mark) •11/93 Produktionsende des 318i Cabrios (Typ E30) •04/94 Start der E36-Cabriovarianten 318i, 320i und M3 •01/95 Der 328i mit 193 PS (ab 66.000 Mark) ersetzt den 325i •03/00 Produktionsende des E36-Cabrios

Dauertest-Ergebnis: Solide, aber nicht frei von Tücken

Den AUTO BILD-Dauertest absolvierte weder der E30 noch der E36 mit Kapuzendach. Da Mechanik und Karosserieverarbeitung vergleichbar sind, können die Erkenntnisse aus diesen Marathontests jedoch in wichtigen Punkten übertragen werden. Beim E30 musste sich 1986 ein 325iX auf einer Distanz von 50.000 Kilometern bewähren. Bei der anschließenden Zerlegung offenbarte der Testwagen eine neuwertige Mechanik, nirgendwo war nennenswerter Verschleiß festzustellen. Der E36 in Gestalt eines 320i musste im Februar 1992 deshalb über die doppelte Distanz ran. Ergebnis nach 100.000 Kilometern: Motor ohne messbaren Verschleiß. Top auch die Rostvorsorge, wie der Blick mit dem Endoskop bewies. Doch das Getriebe (verschlissener Synchronring) und die Kupplung (defektes Ausrücklager) zeigten Schwächen. Ärger bereiteten ebenso das immer wieder streikende Schiebedach, die störanfällige Elektrik, die mehrfach ausgefallene Handbremse, früh verschlissene Radlager, Windgeräusche sowie diverse Verarbeitungsmängel.

Fazit von AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Experte Uli Holzwarth

Das 3er-Cabrio (Typ E30) war 1986 der Vorreiter für die bügelfreien offenen Viersitzer. Ein Grund mehr, sich diesem automobilen Kulturgut offen zu nähern. Bei gepflegten E30 heißt es zugreifen, billiger werden sie kaum mehr. Die zweite Cabrio-Generation (Typ E36) besticht mit Fahrdynamik, Komfort und Sicherheit. Trotz der angesprochenen Schwächen ist ein gepflegtes E36-Cabrio der späteren Baujahre eine solide Sache für viele schöne Sommer.

Autor: Ulrich Holzwarth

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