Gebrauchtwagentest: Hyundai Santa Fe

Hyundai Santa Fe Hyundai Santa Fe

Gebrauchtwagentest: Hyundai Santa Fe

— 18.11.2010

Hier punkten die inneren Werte

Einen Hyundai Santa Fe 4WD der ersten Generation kauft man meist nicht wegen, sondern trotz seines Designs. Der Gebrauchtwagen-Checker erklärt, welche Qualitäten des Styling-Grenzgängers rundum überzeugen können.

Herz kontra Verstand: Das ist nicht nur aufregender Stoff zahlloser Soaps, die das Leid der Liebenden sezieren. Sondern auch und vor allem der zentrale Punkt dieser Checker-Folge. Um das zu verstehen, sollte man die generelle Qualität der ersten Hyundai-Santa-Fe-Generation kennen – der Verstand nickt freudig. Und über ein gewisses Stilempfinden verfügen, das angesichts des Santa Fe die Nackenhaare aufstellt – das Herz wehrt verzweifelt ab. Nicht, dass ich mich hier als Oberinspektor der Geschmackspolizei aufspielen will. Ich äußere nur meine persönliche Meinung. Und zitiere zahlreiche Zeitgenossen, die gleichsam der Auffassung sind, das Korea-SUV käme daher wie unfallbeschädigt ab Werk.

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Nein, der Santa Fe hatte keinen Unfall, der soll so aussehen. Über Geschmack lässt sich ja zum Glück nicht streiten.

Das etwas irr anmutende Spiel der Kanten, Sicken, Kurven und Flächen ist halt nicht jedermanns Sache, weder karosserieseitig noch innen. Der Santa Fe I – kein Meilenstein des SUV-Designs. Genug gemeckert, hin zu den harten Fakten. Die sagen klar: Der Hyundai, der von November 2000 bis Februar 2006 unter dem internen Typschlüssel SM angeboten wurde, ist allgemein ein grundsolides, sehr gut verarbeitetes Auto. Dessen bekannte Schwächen lassen sich an einer Hand aufzählen. Punkt eins: Die Kupplung, die naturgemäß nur bei manuellem Getriebe verbaut ist, gilt als unterdimensioniert und verschleißt frühzeitig – ärgerlich gerade deshalb, da der Santa Fe mit einer sehr hohen Anhängelast gesegnet ist.

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Punkt zwei: Der Turbolader der stärkeren Dieselvariante, die auf den etwas gestelzten Namen "2.0 CRDi VGT 4WD GLS" hört, lebt nicht ewig – der Verstellmechanismus der hier variablen Turbinenschaufeln geht fest, was sich – je nach Position – in extremer Anfahrschwäche oder kapitalem Leistungsverlust manifestiert. Ein neuer, teurer Lader ist dann fällig. Darüber hinaus liegen die Versicherungseinstufungen sowie der Spritverbrauch des Santa Fe oberhalb des Klassenüblichen – jeweils beim Benziner (2,4 Liter, 146 PS) wie auch beim Diesel (2,0 Liter, 113 oder 125 PS). Aber das war's auch schon.

Langlebiger Koreaner

Ansonsten gibt sich der Koreaner mit dem Namen der legendären Wildwest-Metropole als zwar recht gewichtiger, aber sehr sorgsam und langlebig gebauter Kollege, bei dem vom Fahrwerk über die Elektrik bis zur Rostvorsorge alles stimmt. Dass Ausnahmen die Regel bestätigen können, zeigt mein Proband – ein Santa Fe mit besagtem 125-PS-Diesel und Automatik aus zweiter Hand, angeboten von einem Hyundai-Vertragshändler. Der Anlasser sei jüngst ersetzt worden, erzählt der nette Verkäufer frei weg, außerdem die Einspritzpumpe der Common-Rail-Anlage, beides untypische Probleme. Im Gegensatz zum eher anfälligen VTG-Turbo, der ebenfalls neu ist. Folgen mangelnder Wartung, auf die das kaum gestempelte Serviceheft schließen lässt?

Viermal um die Erde ohne Macken

Knapp 160.000 Kilometer hat der Santa Fe bereits auf dem Buckel. Trotzdem zeigt er keine Schwächen.

Wie auch immer: Jetzt steht der Santa Fe (wieder) sauber da. Dass er sich entsprechend fährt, belegt meine ausgiebige Testtour: Nicht eine Macke offenbart der vierfache Erdumrunder – selbst nach fast 160.000 Kilometern ist keinerlei Verschleiß spürbar. Wenn der Händler nun noch den ekligen Rauchermief aus dem Innenraum wegbekommt, lässt sich dieser Santa Fe durchweg empfehlen. Zumal er zum fairen Kurs zu haben ist – glatte 8000 Euro nickt der Verkäufer ohne Weiteres ab. Da freut sich der Verstand. Schade nur, dass das Herz zu kurz kommt … Da ist es wieder, dieses skurrile Styling. Oder bin ich einfach nur zu unflexibel? Jedenfalls gut für Santa-Fe-Anbieter, dass Design letztlich eine Sache des individuellen Geschmacks ist.

Fazit von Gebrauchtwagen-Checker Wolfgang Blaube Ab neun Liter pro 100 Kilometer trinkt der Diesel, zwölf Liter und mehr der Otto-Vierzylinder: Für Spritknauser ist der erste Santa Fe kein echter Geheimtipp – ganz zu schweigen vom V6, der auf dem Gebrauchtmarkt kaum eine Rolle spielt. Dafür hält Hyundai dank eines lobenswerten Austauschprogramms die Teilepreise auf niedrigem Niveau. Indes, wann geht beim Santa Fe schon mal etwas kaputt? Klar gesagt: So selten, dass er sich guten Gewissens auch von privat (also garantielos) kaufen lässt. Ein echter Typ für die kühle Ratio halt – wer meckert da noch über ästhetische Defizite?

Autor: Wolfgang Blaube

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