Gefährliches Rauchen

Gefährliches Rauchen

— 07.02.2007

Rauchverbot am Steuer

Gesundheitsschädlich, unfallträchtig, unnötig: Große Koalition gegen blauen Dunst. Die Politik will Raucher am Steuer zur Räson bringen.

Kaum ein anderes Thema eint unsere Politiker parteiübergreifend so, wie die Diskussion um Rauchverbote. Eine große Super-Koalition ist sich einig: Nicht nur in öffentlichen Räumen, auch im Auto soll das Qualmen untersagt werden!

In Berlin und Brüssel formiert sich ein Mega-Bündnis aus Union, SPD und Grünen gegen das Rauchen am Steuer. Dabei muss der Nichtraucherschutz ebenso als Argument herhalten, wie die Verkehrssicherheit. Markus Ferber, verkehrspolitischer Sprecher der CSU im Europa-Parlament, begründet die Forderung nach einem gesetzlichen Rauchverbot im Auto so: "Für mich steht die Verkehrssicherheit im Vordergrund. Zigarettenrauch ermüdet auf Dauer, führt zu Konzentrationsschwächen, vernebelt buchstäblich die Sicht. Hinzu kommt: Beim Herunterfallen einer Kippe steigt das Unfallrisiko deutlich. Während der Fahrer bei Tempo 50 nach der Kippe sucht, legt er mit dem Auto pro Sekunde 14 Meter ungebremst zurück." Der SPD-Verkehrsexperte im Bundestag, Peter Danckert: "Rauchen am Steuer erhöht die Unfallgefahr drastisch!" Katharina Reiche (CDU): "Zigaretten am Steuer lenken genauso ab wie Telefonieren mit dem Handy."

So sehen es auch die Gerichte. Rauchen am Steuer kann inzwischen richtig teuer werden. Nach einem Urteil des Landgerichts Lüneburg zum Beispiel musste die Vollkaskoversicherung nicht zahlen, nachdem ein Fahrer beim Suchen nach dem heruntergefallenen Glimmstengel von der Fahrbahn abgekommen war und verunglückte. Die Richter sahen darin eine grobe Verletzung der Sorgfaltspflichten im Straßenverkehr. Andere Politiker der großen Anti-Raucher-Koalition treibt Die Sorge um mitfahrende Passivraucher, vor allem Kinder, um. Karl-Heinz Florenz (CDU), Vorsitzender des EU-Gesundheitsausschusses: "Die Schadstoffkonzentration in einem Pkw, in dem geraucht wird, liegt etwa 30-mal höher als der Grenzwert für Feinstaub, über den wir in Brüssel diskutieren." Dass blauer Dunst im Auto krank macht, bestätigt eine Studie der renommierten Harvard-Universität. So fordert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ein Rauchverbot im Auto, wenn Kinder anwesend sind.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), prüft bereits, wie sich ein Rauchverbot am Steuer gesetzlich umsetzen lässt – zum Beispiel durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung, ähnlich wie beim Handy-Verbot. Die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Ex-NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn, findet: "Kinder in engen Räumen (also auch im Auto) Tabakqualm auszusetzen, ist absolut unverantwortlich." Eckart Laack, Tumorspezialist am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, unterstützt ein Rauchverbot am Steuer: "60 Säuglinge sterben jedes Jahr in Deutschland durch Passivrauchen, 3300 Nichtraucher an Erkrankungen als Folge von Passivrauchen." Gero Storjohann, CDU-Verkehrsexperte im Bundestag, lehnt im Gegensatz zu seinen Politiker-Kollegen eine gesetzliche Regelung ab – er setzt auf Eigenverantwortung: "In Gegenwart von Kindern sollte aus Gründen des Gesundheitsschutzes nie geraucht werden. Das gilt auch für Autos."

Autor: Matthias Moetsch

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