Ein Problem und seine (zeitweilige) Lösung: Nachdem unzählige Staaten Subventionsprogramme für Neuwagenverkauf à la Abwrackprämie ins Leben riefen, hat sich der Absatz tatsächlich in vielen Märkten stabilisiert. "Damit verfestigt sich die seit einigen Monaten abzeichnende Bodenbildung", verkündet der Verband der Automobilindustrie begeistert. Wobei bisher fast nur eine Bodenbildung beim Minus zu beobachten ist. Lediglich in China geht der Verkauf steil nach oben: Im ersten Halbjahr 2009 wurden 3,6 Millionen Fahrzeuge verkauft, allein im Juni wuchs der Absatz um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Juni. Auch aus Brasilien (plus 19 Prozent) und Indien (plus acht Prozent) wird Wachstum gemeldet. In Westeuropa hängt das Gros der Neuwagenverkäufe am Tropf von Abwrackprämien und ähnlichen staatlichen Brandbeschleunigern. Ein Strohfeuer: Früher oder später ist der Markt der Altautofahrer, die sich einen Neuwagen leisten können, gesättigt – dann könnte der Absturz tiefer sein als zuvor.

Knapp ein Drittel des Europa-Absatzes in Deutschland

Die Zahlen im Einzelnen: In Westeuropa lagen die Neuzulassungen von Pkw mit einem Plus von fast 5 Prozent erstmals seit Frühjahr des vergangen Jahres wieder über dem Niveau des Vorjahresmonats. In der ersten Jahreshälfte wurden mit knapp sieben Millionen Pkw jedoch immer noch zehn Prozent weniger Fahrzeuge abgesetzt als im gleichen Zeitraum des letzten Jahres. Nahezu 30 Prozent der Neuzulassungen entfielen dabei auf den deutschen Markt, der im Juni ein Plus von 40 Prozent verbuchen konnte. Wieviel der Faktor Abwrackprämie ausmacht, zeigt auch die Marktanalyse des Verbandes der europäischen Automobilwirtschaft (ACEA): Nahezu jeder zweite Pkw, der in den vergangenen Monaten in Westeuropa verkauft wurde, ist ein Kleinwagen. Dem entspricht die durchschnittliche Motorgröße der abgesetzten Fahrzeuge; sie sank von 1706 auf 1635 Kubikzentimeter. Auch die Leistung sank von einem Mittelwert von 117 auf nun 111,5 PS.

Auch in Frankreich wirkt sich die Abwrackprämie aus

Außerhalb Deutschlands betrug in Westeuropa der Absatzrückgang im ersten Halbjahr 19 Prozent. Die positiven Nachfrageeffekte der staatlichen Abwrackprämien haben nun auch in Großbritannien und Spanien (jeweils minus 16 Prozent) den Absatzrückgang zumindest abgeschwächt. Der italienische Pkw-Markt erzielte im Juni ein Absatzplus von 12 Prozent; im ersten Halbjahr unterschritten die Neuzulassungen das Vorjahresergebnis jedoch noch um 11 Prozent. Weiterhin positiv stellt sich der Pkw-Absatz in Frankreich dar. Prämiengestützt erreichten dort die Zulassungen im Juni ein Plus von 7 Prozent, im ersten Halbjahr konnte die Nachfrage das Vorjahresniveau leicht übertreffen.

Russland kämpft mit einem Minus von 49 Prozent

In den neuen EU-Ländern verlief das Marktgeschehen im Juni weiterhin gespalten. Während das Pkw-Geschäft in der Slowakei (plus 57 Prozent) sowie in Tschechien (plus 18 Prozent) ebenfalls prämienbedingt deutlich zulegen konnte, brach der Absatz in Rumänien (minus 61 Prozent) abermals ein. Die Neuzulassungen in Polen lagen im gleichen Monat mit einem Minus von 2 Prozent nur leicht unter dem Vorjahresniveau – im Jahresverlauf entwickelten sie sich stabil. Insgesamt wurden in den neuen EU-Staaten bis Juni 2009 mit 445.000 Einheiten 27 Prozent weniger Pkw als im Vorjahr verkauft. Auf dem russischen Automobilmarkt ist noch kein Ende der Talfahrt zu sehen. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres schrumpfte der Absatz von Pkw um 49 Prozent auf 763.900 Einheiten; im Juni um 56 Prozent. Der russische Automobilverband bekräftigt daher erneut seine Forderung nach einer Ausweitung der staatlich geförderten Kreditvergabe für den Neuwagenkauf.

US-Markt hofft noch immer auf Verschrottungsprämie

In den USA ging die Nachfrage im Juni nicht mehr ganz so dramatisch zurück wie in den Vormonaten. Während die Absatzzahlen von Light Vehicles in den vorhergegangenen Monaten noch deutlich über der 30 Prozent-Marke lagen, gingen die Verkäufe im Juni um 28 Prozent auf 857.600 Fahrzeuge zurück. Seit Beginn des Jahres nahmen die Verkäufe von Light Vehicles in den USA um 35 Prozent auf 4,8 Mio. Fahrzeuge ab. Die Einführung einer Verschrottungsprämie, die den Kauf spritsparender Neuwagen fördern soll, weckt jedoch Hoffnung auf eine weitere Abflachung des Abwärtstrends. Der japanische Pkw-Markt ist ebenfalls durch weitere, jedoch tendenziell abnehmende Absatzrückgänge gekennzeichnet. Im Juni lagen die Neuzulassungen um 12 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr wurden insgesamt 1,8 Mio. Pkw (minus 21 Prozent) in Japan verkauft.