HDPIC Galloper (1998–2001)

Gebrauchtwagen HDPIC Galloper Gebrauchtwagen HDPIC Galloper

HDPIC Galloper (1998–2001)

— 04.03.2004

Zweiter Aufguss

Mit dem Lizenzbau Galloper verhalf Hyundai dem ersten Mitsubishi Pajero zu einem zweiten Leben. Der Wagen verkaufte sich gut, aber für den Gebrauchtkäufer birgt der Billig-Koreaner beträchtliche Risiken.

Technik und Preisniveau

Das Rezept war simpel, das Resultat überzeugte auch in Deutschland: Man nehme die alten Produktionsanlagen des Mitsubishi Pajero I aus Japan, richte in Korea wieder eine Fertigung ein und verkaufe das Fahrzeug als Hyundai Galloper zum Dumpingpreis. Ganze 33.600 Mark, umgerechnet nur 17.179 Euro, kostete die günstigste Version des Galloper bei seinem Erscheinen im Frühjahr 1998 in Deutschland.

Dafür gab es Servolenkung, Turbodieselmotor, drei Tonnen Anhängelast und drei Jahre Garantie. Die Käufer griffen beherzt zu und nahmen offensichtliche Nachteile wie das schon damals veraltete Allradsystem, das kippelige Fahrverhalten, die triste Kunststoff-Armaturentafel und die mit 7500 Kilometern arg kurzen Wartungsintervalle in Kauf. Weil Hyundai den Galloper in Deutschland seinerzeit nicht anbieten wollte, nutzte Mitsubishi die Gelegenheit und nahm das Auto ins Programm. Vor dem Verkauf über die deutschen Mitsubishi-Händler, die auch heute noch den Service übernehmen, wurden sämtliche Hyundai-Embleme entfernt.

Dass der Galloper in Wahrheit nichts anderes ist als ein in Details veränderter Pajero I, merkt man schnell. Er fährt sich praktisch genauso wie das Original: ein wenig steif in der Federung, mit mäßigen Bremsen, aber immer noch recht mühelos zu bewegen, weil die problemlose Bedienung und die angenehme Lenkung es dem Fahrer leicht machen. Leider hat der Galloper offenbar auch die bekannten Probleme des Pajero I übernommen. Jedenfalls lassen die Erfahrungen der Leser nur diesen Schluss zu.

Karosserie und Motor

Eine rostanfällige Karosserie war schon beim Original ein zentrales Manko, beim Galloper ebenso. Man sollte deshalb vor allem die Bodenbleche, die Türen, die Radläufe und die Heckpartie genau auf Bläschenbildung unter dem Lack untersuchen. Auch die schwer kalkulierbare Lebensdauer des Schaltgetriebes macht den Kauf eines gebrauchten Galloper zum Glücksspiel. Bei einigen Lesern hält es über 250.000 Kilometer, bei anderen nicht einmal 40.000.

Fahrweise und Nutzung spielen dabei offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Aber das war beim Pajero I auch schon so. Dritter großer Problemkreis: der Turbodieselmotor. Seine Vorglühanlage ist in Kombination mit der für Deutschland installierten Wegfahrsperre für so manches Startversagen verantwortlich. Dazu kommen überdurchschnittlich häufige Zylinderkopfschäden, verursacht durch thermische Überlastung.

Der relativ schwache Motor hat wenig Reserven und muss deshalb viel unter Volllast laufen. Das bekommt keinem Turbodiesel. Zudem ist der fünfte Gang zu kurz, das Drehzahlniveau zu hoch. Die seltenen 3.0-Benziner sind für Wenigfahrer eine Alternative. Der V6 braucht je nach Fahrweise zwei bis drei Liter mehr. Schlimmer ist seine Eigenart, das Kühlwasser zu verlieren. Dafür gibt es ihn auch mit Automatikgetriebe, wodurch man das leidige Schaltgetriebe-Risiko elegant umgeht.

Galloper im Leserurteil

Die Bilanz der Leser sieht entsprechend aus: Im Mittelpunkt der Kritik stehen die mäßige Rostvorsorge (41 Prozent), der aus heutiger Sicht müde Dieselmotor (38 Prozent) und der auch beim Diesel nicht wirklich niedrige Verbrauch (34 Prozent) von durchschnittlich 11,fünf Litern auf 100 Kilometer. Auch die recht rustikale Federung wird gerügt (25 Prozent). Dafür sind immerhin 79 Prozent der Galloper-Besitzer mit den Mitsubishi-Werkstätten zufrieden, die ihr Fahrzeug warten. Der durchschnittliche Preis für eine große Inspektion beträgt 340 Euro.

Galloper-Besitzer haben sich das Fahrzeug häufig als Zugwagen angeschafft. 92 rozent geben an, auch mal einen Anhänger anzukuppeln. 35 Prozent besaßen schon vor dem Galloper einen Geländewagen, meist den Mitsubishi Pajero I oder einen Opel Frontera A. Immerhin 52i Prozent besitzen ein Zweitfahrzeug. Wenig Einigkeit zeigen die Besitzer des Koreaners, wenn es um die Wahl des künftigen Fahrzeugs geht. Nur elf Prozent können sich vorstellen, erneut einen Galloper zu kaufen – dann vom Gebrauchtmarkt. Immerhin 16 Prozent haben vor, auf den Mitsubishi Pajero Classic umzusteigen – das derzeitige Billigangebot der Mitsubishi-Händler mit abgelöster Technik aus dem Pajero II.

Zu den Hyundai-Händlern zieht es 13 Prozent, die dort ihre Unterschrift unter einen Terracan-Kaufvertrag setzen wollen. Bleiben satte 60 Prozent übrig. Der Großteil von ihnen – rekordverdächtige 23 Prozent! – ist noch völlig unentschlossen; ein sehr ungewöhnliches Ergebnis bei unseren Leseraktionen. Die restlichen 37 Prozent verteilen sich auf eine Vielzahl von unterschiedlichen Fahrzeugen aller möglichen Marken – von Audi über Kia bis Volkswagen. Nur eines muss der Galloper-Nachfolger bei den Lesern offenbar stets haben: einen Allradantrieb.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1991 Vorstellung des von Hyundai Precision & Industry Inc. (HDPIC) in Korea nach Mitsubishi-Lizenz gebauten Galloper nach Einstellung des Mitsubishi Pajero I (Baureihe L040) 1998 Galloper nun auch in Deutschland, nur über die Mitsubishi-Händler, nicht bei den Hyundai-Händlern; Zweitürer (LxBxH 4,09x1,78x 1,87 m) oder Viertürer (LxBxH 4,69x1,78x1,90 m); 2,5-Liter-Vierzylinder- Turbodiesel (Wirbelkammer-Diesel) mit 99 PS oder 3,0-Liter-V-Sechszylinder-Benziner mit 141 PS 2001 Ende der Galloper-Produktion; als Nachfolger wird der Hyundai Terracan präsentiert, der in Deutschland von Hyundai verkauft wird

Schwachstellen • der Turbodieselmotor bringt nicht selten Ärger: Teure Zylinderkopfschäden (elf Prozent) durch Überlastung, defekte Turbolader und Einspritzpumpen, dazu aufwändig zu beseitigende Ölundichtigkeiten (24 Prozent) belasten die Bilanz • die Elektrik (26 Prozent) verursacht durch streikende Fensterheber, Airbag- und ABS-Steuerungen sowie lahmende Blink- und Lichtrelais Störungen • das Schaltgetriebe hat eine schwer vorhersehbare Lebensdauer. Ob 250.000 km, 100.000 km oder nur 40.000 km – alles ist hier möglich • die Rostvorsorge ist mangelhaft. 73 Prozent klagen über beginnende Korrosion • Wasserverlust, meist am Kühler (38 Prozent), ist eine Spezialität des V6-Benziners • die Zuverlässigkeit lässt zu wünschen übrig. An Startversagen (21 Prozent) haben meist Wegfahrsperre oder Vorglühanlage (Diesel) Schuld • Pannen auf freier Strecke (16 Prozent) durch Getriebe-, Motor- (Diesel) und Elektrikschäden

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Galloper 2.5 Exceed, Baujahr 1999. Günstig sind nur Bremsbeläge. Alles andere, vor allem das Getriebe, ist nicht billig. Zum Glück gibt es die teure Auspuffanlage in Teilen.

Fazit und Technik

Fazit "Prinzipiell hat der Galloper die gleichen Probleme wie der 1991 abgetretene Pajero Nummer 1: Dieselmotor, Schaltgetriebe, Elektrik und Rost. Für den Gebrauchtkäufer ist der Galloper somit wenig empfehlenswert. Er war eben ein Auto für den typischen Leasingnehmer: Neu übernehmen, maximal drei Jahre fahren (mit voller Garantie!), dann schnell weg damit." Martin Braun, Redakteur AUTO BILD alles allrad

TechnikAllradantrieb: Heckantrieb, im Stand zuschaltbarer Frontantrieb (automatische Freilaufnaben); Kraftverteilung v:h 0:100 oder 50:50; Differenzialbremse (60 Prozent) hinten; Geländereduktion (1,93:1) • Aufbau: Leiterrahmen mit aufgeschraubter Stahlblech-Karosserie • Verbrauch: 3.0 Vsechs: 14,0l/100 km Normal; 2.5 TD: 11,5l/100 km Diesel • Höchstgeschwindigkeit: 3.0 V6: 164 km/h; 2.5 TD: 145 km/h

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