Hymercar Grand Canyon Crossover: Wohnmobil-Test
Das klappt ja prima!

Hymer-Kastenwagen heißen Hymercar. Gegen Aufpreis bieten sie eine Spezialität: ein Klappdach mit Bett. AUTO BILD REISEMOBIL hat den Grand Canyon Crossover getestet.
- Andreas Borchmann
Fangen wir ausnahmsweise mal mit dem Ende an: Nichts geht mehr, der Hymercar Grand Canyon steckt im Sand fest, die Vorderräder schaufeln sich immer tiefer rein. Welcher Experte ist eigentlich auf die Idee gekommen, einen frontgetriebenen Kastenwagen so weit in eine sandige Kuhle zu treiben? Na klar, der Fotograf – weil der Grand Canyon mit Bullenfänger, grobstolligen Reifen und Differenzialsperre den Geröllheimer mimt, für gewaltige 7980 Euro Aufpreis übrigens. Das sieht richtig cool aus, bringt im Gelände aber – nichts. Was hiermit bewiesen ist.
Unter 45.900 Euro ist der Grand Canyon nicht zu haben

Mit Bügel und Geländereifen mimt der Grand Canyon Crossover den rauen Burschen – kostet viel und bringt nichts.
Bild: Sven Krieger
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Mit 148 PS der Gran Turismo unter den Kastenwagen
So fährt er: Die groben Reifen des Grand Canyon rollen zwar angenehm weich ab, doch ihr penetrantes Lärmen nervt, weil ständig ein Summen von unten ins Innere dringt. Klarer Fall: Wer cool aussehen will, darf nicht lärmempfindlich sein. Normale Standardreifen harmonieren besser mit der angenehm komfortbetonten, leicht wogenden Federung des Ducato. Dazu kommt, dass auch die Möbel Ruhe im Kasten bewahren. Nichts klappert oder zwitschert im Grand Canyon, nicht einmal beim Rollen über poltriges Kopfsteinpflaster. Nein, Hymer bietet im Hymercar grundsolide Tischlerarbeit, die mit ihren silbrigen Kanten und Rundungen zudem chic aussieht. Nicht zum kultivierten Stil passen will dagegen der kernige Sound des Fiat-Diesels. Der schiebt den Grand Canyon zwar kräftig voran, brummelt dabei jedoch stets unwirsch. Dennoch, das Fahren mit ihm bringt Freude, weil er sich mit 148 PS als der Gran Turismo unter den Kastenwagen gibt. Immer wieder erstaunt uns, wie präzise sich ein voluminöser Sechs-Meter-Kasten durch enge Städte und sogar in Parklücken steuern lässt. Auch bei den Fahrdynamik-Tests leistet er sich keine Auffälligkeiten. Allerdings verlängern die Stollenreifen den Bremsweg. Und wenn's mal zurückgehen soll, steht er sich mit knapp 15 Metern Wendekreis selbst im Weg.
Keine klamme Zelt-Atmosphäre im Klappdach

Eine schmale Hühnerleiter hilft auf dem Weg ins Obergeschoss. Hier wartet ein sehr bequemes Doppelbett.
Bild: Sven Krieger
Zwei Dinge vermissen wir jedoch: eine Fliegenschutztür, die es nur gegen 300 Euro Aufpreis gibt – und jemanden, der unserem Möchtegern-Offroader diskret aus der Patsche hilft. Die große technische Lösung via Allradantrieb bietet Hymer nicht – auch nicht für viel Geld. Zum Glück wühlt sich durch unsere große Sandkiste gerade ein dicker Schaufelbagger, rein beruflich natürlich. Der zieht uns den ausgebüxten Halbstarken ruck, zuck auf festen Boden zurück.
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