Kampf gegen Feinstaub

Kampf gegen Feinstaub

— 19.12.2007

Moos am Straßenrand

Das Wundermittel gegen Feinstaub? Wurzellose Pflanzen, die Feinstaub fressen: Gute Idee – aber sie kommt nicht voran. Die Umweltämter blockieren Messungen, weil sie dem grünen Wunder misstrauen.

Umweltzonen, Tempo 30, intelligente Ampeln – im Kampf gegen Feinstaub schlagen Städte und Gemeinden vielfältige Wege ein. Professor Jan-Peter Frahm von der Uni Bonn forscht an einer besonders grünen Lösung des Problems: Moose sollen die Drecksarbeit übernehmen. Der Biologe fand heraus, dass der schwebende Dreck "nicht nur aus Abrieb von Bremsen und Reifen besteht, sondern zu 40 bis 50 Prozent aus Ammoniumsalzen". Und genau davon ernähren sich die flachen Pflanzen, die ihre Nahrung nicht über Wurzeln, sondern die Blätter aufnehmen. Außerdem, so Frahm weiter, fräßen auf dem Moos lebende Bakterien sogar Reifengummi. Und weil die Oberfläche negativ, die Ammoniumsalze aber positiv geladen sind, zieht das Gewächs seine Nahrung regelrecht an.

Ein richtiger Praxistest wäre hochinteressant

Feldversuch an der A 562: Wurzellose Pflanzen, die Feinstaub fressen.

Das alles klingt nach einer Wunderwaffe gegen Feinstaub. Erste Laborversuche bestätigten den Appetit der kleinen Pflanzen. Ein Praxistest sollte die wichtigste Frage beantworten: Wie viel Feinstaub nimmt Moos zu sich, wenn Luftverwirbelungen und Witterung die Bedingungen erschweren? Auf 150 Metern der A 562 bei Bonn legte Frahm Moosplatten aus – und bat das Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen um Unterstützung bei den notwendigen Messungen. Denn der Uni selbst fehlen die 100.000 Euro für das entsprechende Gerät. Rund ein Jahr lang wartete der Moosforscher – und bekam dann eine Absage. Es stünden keine Messgeräte zur Verfügung. Sie alle würden "im Rahmen der Umsetzung der EU-Richtlinien und der Luftreinhalteplanung benötigt". Ferner gebe es zwar schon mal "im kleinen Rahmen Gelder" für lohnenswerte Versuche, so eine Sprecherin. Da aber "der Versuchsaufbau an sich nicht überzeugt hat", könne Professor Frahm nicht mit der Unterstützung durch das Landesumweltamt rechnen.

Im Umweltbundesamt sitzen keine Biologen

Dabei bekommt Frahm sogar Unterstützung von anderen Wissenschaftlern: "Seine Idee ist genial. Klar, es fehlen genaue Zahlen. Aber darum wäre ein richtiger Praxistest ja so interessant", so Dr. Oliver Dürhammer, Herausgeber des Moosatlas Deutschlands. Auch im Umweltbundesamt (UBA) hält man nichts von Moosen als Feinstaubfresser. Vielmehr sei bereits der Ansatz, nämlich die Symptombekämpfung, kontraproduktiv. Frahm fühlt sich missver-standen: "Natürlich lässt ein Fahrverbot punktuell erst gar kein Feinstaub entstehen. Aber sperren Sie mal ein Autobahnkreuz." Zudem will der Forscher rechtlich gegen einige Aussagen auf der Internetseite des Amtes vorgehen, die wissenschaftlich nicht haltbar seien: "Da wird teilweise schlicht die Unwahrheit gesagt." Unter anderem, dass "Passivsammler wie Moose für Abscheider, die eine vorgegebene, nachprüfbare Wirkung haben sollen, nicht infrage" kämen. Frahm: "Schon seit 1990 gibt es das Schwermetallmonitoring der EU." Das misst die Schwermetall-Belastung der Luft – mit Hilfe von Moosen.

Autor: Roland Niederlich

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