Dicke Luft: Hier drohen Fahrverbote

Kartbahnen

— 29.05.2007

Dicke Luft auf der Piste

Abgas-Alarm beim Kartfahren: Experten kritisieren zu lasche Kontrollen der Anlagen. Die berwachung von Indor-Kartanlagen findet kaum noch statt.

Sonntag, 13. Mai 2007. Im Mnchener "Kart Palast" luft ein Fnf-Stunden-Rennen. Mit dabei: Michael W. (26). Wieder zu Hause, klagt er ber Kopfschmerzen und belkeit und stirbt Minuten spter.

In seinem Blut wird Kohlenmonoxid (CO) in erhhter Konzentration festgestellt wie auch im Blut von 48 weiteren Personen, die an der Veranstaltung teilgenommen haben. Am 18. Mai testet der TV die Anlage im vollen Fahrbetrieb. Ergebnis: keine kritische Belastung. Noch am selben Tag wird die Bahn wieder freigegeben. Welche Rolle die hohe CO-Belastung beim Tod von Michael W. spielt, lsst sich im Nachhinein nur schwer beurteilen. Fest steht: Seit diesem Vorfall fhrt bei vielen Kart-Fans die Angst mit. Kaum zu glauben: Im regulierungswtigen Deutschland gibt es keine Hchstgrenzen fr das gefhrliche Atemgift CO. Es existiert nur ein allgemeiner Arbeitsplatzgrenzwert fr das Personal. Aber die Kontrollen sind lasch: "Installiert ein Kartbahn-Betreiber CO-Sensoren, kann er sich der berwachung entziehen", sagt der DEKRA-Sachverstndige Jrgen Bachmann.

brig bleibt eine eher theoretische Verpflichtung zur Selbstkontrolle. Denn dem Erreichen der Grenzwerte folgt nicht automatisch ein eingeschrnkter Rennbetrieb oder eine verstrkte Frischluftzufuhr. Das gilt in der Kart-Szene als offenes Geheimnis. Auerdem nimmt die Sensibilitt der Sensoren schon nach einem Jahr erheblich ab. "2006 wurde ein Neun-Stunden-Rennen in Nordrhein-Westfalen nach der halben Distanz abgebrochen", berichtet ein Kartbahn-Betreiber. "Die Fahrer lagen alle auf der Wiese und schnappten nach Luft." Mglicher Grund fr derartige akute Vergiftungssymptome: die Verbrennung von Tankstellensprit. Dass zahlreiche Karts nicht mit dem vorgeschriebenen benzolfreien Benzin betankt werden, ist bekannt der Sprit kostet um 2,15 Euro pro Liter. Apropos Benzol: "Seit 2005 die Gefahrstoffverordnung berarbeitet wurde, sind die alten Hchstwerte hinfllig. Somit gibt es derzeit keine offiziellen Grenzwerte dieser extrem krebserregenden Substanz", sagt Dr. Walter Dormagen vom TV Rheinland.

Wann sie vorliegen werden, steht in den Sternen. "Gerade bei kleinen Anlagen mit schlechter Belftung kommt es hufig zu belkeit mit Erbrechen", berichtet Wolfgang Koellner, Polizeihauptmeister und Kart-Nachwuchsfrderer aus Hamburg. "Manchmal sind sogar Sauerstoffbehandlungen im Rettungswagen ntig." Immerhin gibt es ein zuverlssiges Messinstrument fr dicke Luft: das menschliche Riechorgan. Meldet die Nase stinkende Schwaden, drngt das Hirn zum Rckzug nach drauen blicherweise bevor Gesundheitsschden auftreten. Das funktioniert bei rund 95 Prozent der etwa 150 Indoor-Kartcenter in Deutschland. Nmlich dort, wo Benzin-Renner unterwegs sind. Die restlichen fnf Prozent betreiben ihre Fahrzeuge mit geruchlosem Flssiggas. So wie der "Kart Palast" in Mnchen.

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