So langsam keimt sie wieder auf, die Lust am Offenfahren: der Wunsch nach Sonne, nach einer steifen Frühlingsbrise, die stramm durchs Haar kämmt, Geschwindigkeit erlebbar macht, und letztlich auch das Genussmittel transportiert, das selbst – oder vielleicht sogar gerade – bei Supersportlern jede erdenkliche Dachamputation rechtfertigt: den Klang. Klar, Open-Air geht zulasten von Kampfgewicht und Steifigkeit, schmälert also in gewissem Maße die Performance. Dafür intensiviert sich der Dialog zwischen Mensch und Maschine gleichzeitig aber locker um den Faktor zehn. Denn sind wir mal ehrlich: Zum großen Teil ist es doch das audiophile Vergnügen, das einen Supersportler ohne Dach so begehrenswert macht.
Mercedes SLS AMG Roadster
Der SLS lebt von seiner knapp zwei Meter langen Haube.
Bild: Christian Bittmann
Die pulsierende Rhythmik, die sich je nach Drehzahl entweder intensiv in die Gehörgänge bohrt oder geschmeidig übers Trommelfell plätschert oder das aufbrausende Crescendo, das jedes Mal in einem herzergreifenden Fortissimo gipfelt, wenn Sauerstoff und Super Plus zum diabolischen Treibsatz detonieren. Und am besten in einem Lamborghini Gallardo Spyder. Oder genauer: im LP 570-4 Spyder Performante; dem Superleggera der Spyder-Dynastie und damit dem Lamborghini, der chronologischer Höhepunkt, fahrdynamische Offenbarung und emotionales Zentrum in einem ist. 4,39 Meter pure Angriffslust, verpackt in betörender Leichtbau-Askese, gesegnet mit einer Stimme, die brutaler kaum sein könnte. Seit Mitte letzten Jahres jagt das keilförmige Projektil nun über die Straßen. Stets auf der Suche nach Gleichgesinnten. Nach solchen, die es mit der Macht seiner 570 PS aufnehmen können, die ihm querdynamisch auf Augenhöhe begegnen und jenen Körperbau vorweisen, der erst mit heruntergelassener Hülle zur Vollendung kommt.
Audi R8 GT Spyder
Seine klassische Anatomie duftet nach radikaler Performance, tatsächlich versteht sich der GT Spyder aber als Gesamtkunstwerk.
Bild: Christian Bittmann
Die deutschen Speerspitzen kamen Ende letzten Jahres – pünktlich zum ersten Raureif. Auf der einen Seite der Audi R8 GT; sozusagen der Neffe des Performante. Ein handverlesener Diamant, verwurzelt in Sant’Agata, geschliffen in Neckarsulm, homöopathisch dosiert verteilt auf 333 Glückliche, deren Liebe zur quattro GmbH auch an 207.800 Euro nicht scheiterte. Seine klassische (Heck-)Mittelmotor-Anatomie duftet nach radikaler Performance, tatsächlich versteht sich der GT Spyder aber als stilvolles Gesamtkunstwerk. Feinstes Leder und exklusiver Mattlack kontrastieren mit Keramik-Stoppern und starrem Flügelwerk. Stilvoll, kein Frage, nur leider kaum kompatibel mit jenem Leichtbauanspruch, den der GT mit seinem mattierten Karbongeflecht zu manifestieren sucht.
Lamborghini Gallardo Spyder Performante
Performante-Philosophie: Kohlefaser-Leichtbau, Rennschalen, Keramikbremsen, und ein Aerodynamik-Paket.
Bild: Christian Bittmann
Auf der anderen Seite der Mercedes SLS AMG Roadster Vorzeige-Technokrat, Designikone und fahrdynamisches Ausnahmetalent. Mit 195.160 Euro das Schnäppchen in diesem Trio, und trotzdem die wohl exklusivste Verbeugung, die ein Hersteller je vor der eigenen Historie gezeigt hat. Alles am SLS wirkt stimmig, liebevoll geschliffen, sachkundig zitiert. Extralange Haube, flankierende Finnen, großer Stern, schmale Türen – die Anlehnungen an den 300 SL Roadster sind allgegenwärtig, wirken aber niemals plump oder gar aufgesetzt. Im Motorraum findet sich ein Klassiker der Moderne ein. Kein Turbokind des Normverbrauchs, sondern ein grundehrlicher Athlet, der sich seine Leistung noch über Hubraum und Drehzahl erarbeitet. Aus anderen Modellen wird er verbannt, im SLS findet er zu würdevoller Vollendung. Was nicht zuletzt darin gipfelt, dass das monumentale 571-PS-Aggregat seinen eigenen Motorcode (M159) tragen darf.

Das Ergebnis der Ausfahrt in Audi R8 GT Spyder, Lamborghini Gallardo Spyder Performante und Mercedes SLS AMG Roadster erfahren Sie in der Bildergalerie
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Fazit

von

Manuel Iglisch
Emotional überstrahlt der Lambo alles – als Fahrmaschine, Suchtmittel und Kunstwerk. Der Audi wirkt abgeklärter, brilliert dafür aber als fahrdynamisches Ausnahmetalent. Der SLS vereint schließlich das Beste aus beiden Welten – und lebt dennoch in einer ganz anderen.