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Le Mans: Toyota besiegt Fluch

Wie ist der Alonso-Sieg zu bewerten?

Fernando Alonso, Kazuki Nakajima und Sébastien Buemi haben für Toyota die 24 Stunden von Le Mans gewonnen. Aber wie ist der Sieg zu bewerten?
Endlich hat Fernando Alonso wieder ein Rennen gewonnen. Endlich hat Toyota die 24 Stunden von Le Mans gewonnen. 20 Anläufe waren dafür nötig, viele Tränen wurden seither vergossen. Zuletzt 2016 mit einem Ausfall eine Runde vor Rennschluss. Doch dieses Jahr brannte nichts an: lupenreiner Doppelsieg, das Alonso-Auto vor dem Schwester-Wagen.
Aber wie ist der Sieg zu bewerten? Toyota war ohne Gegner. Nach nicht mal drei Stunden hatten die Herausforderer schon eine Runde Rückstand. Am Ende hätte Toyota die letzte Stunde an der Box warten können, so groß war der Vorsprung. Vor allem, weil die privaten LMP1-Autos selber von einem Problem zum nächsten schlitterten. Dominik Kraihammer (Kolles), Matevos Isaakyan (SMP) und Ben Hanley (DragonSpeed) haben ihre Autos sogar geschrottet. Der Deutsche André Lotterer (Rebellion) hatte schon in der ersten Kurve einen Crash.

Großer Jubel bei Alonso: Sieg mit Toyota in Le Mans

Weil die LMP1-Privatteams im Vorfeld mehrmals vom Reglement ausgebremst wurden, waren die Fans sauer. Die Regeländerungen zugunsten von Toyota hatten einen Nachgeschmack. Es entstand der Eindruck, dass Toyota unbedingt zum Sieger erklärt werden soll. Toyota-Berater Alexander Wurz aber weiß: „Mit einem Budget von 25 Millionen Euro könnten die Privaten Toyota herausfordern. Aber nicht mit den bescheidenen Mitteln, über die sie verfügen.“
Die Privaten hatten keine Chance, weil sie ihre Autos auch nicht ausreichend testen konnten. Dass Rebellion auf Platz drei mit 12 Runden Rückstand das beste Team war, hat einen guten Grund: Das Chassis hat Oreca gebaut, den Motor Gibson – auf Basis des bereits erprobten LMP2-Flitzers. In der zweiten Prototypen-Klasse gewann Oreca mit dem russischen G-Drive-Team um Roman Rusinov, Formel-E-Tabellenführer Jean-Eric Vergne und Andrea Pizzitola.
Auch intern war das Alonso-Auto klarer Favorit. Gleich vier Mal musste der Toyota mit der Startnummer sieben dem Alonso-Toyota auf der Strecke Platz machen. Auch das hat einen Nachgeschmack.
Aber man kann auch nicht sagen, dass Alonso der Sieg in den Schoß gefallen ist. Der Spanier überzeugte bei seinen drei Stints, vor allem nachts. Da hat er innerhalb von 25 Runden fast eine Minute auf den zweiten Toyota aufgeholt. Und in 2:30 Stunden Fahrzeit insgesamt den Rückstand von 2:19 Minuten auf 44 Sekunden reduziert. Ein Schlüssel zum Sieg. Denn weil Autokollege Sébastien Buemi in einer Gelbphase zu schnell war, bekam der Alonso-Wagen eine einminütige Stop-and-Go-Strafe, lag daher zwischenzeitlich weit zurück.

Besonders in der Nacht zeigte Alonso seine Klasse

Alonso über den Nachtstint: „Das Überrunden fällt mir in der Nacht leichter. Die Lichter geben mir einen besseren Anhaltspunkt für die Distanzen und Geschwindigkeiten.“ Toyota-Teamchef Rob Leupen hatte eine zweite Erklärung: „Das Alonso-Auto war etwas besser abgestimmt.“
Mit dem Sieg in Le Mans ist Alonso dem Traum der Triple Crown, also Siege beim Monaco GP, den 24 Stunden von Le Mans und dem Indy 500, ein großes Stück näher gekommen. 45 Fahrer haben Monaco gewonnen, 72 das Indy 500, sogar 144 Le Mans – aber nur Graham Hill alle drei. Und Alonso ist jetzt einer von acht Fahrern, die wenigstens zwei Rennen gewinnen konnten.
Dazu kommt: Der 35-Jährige leistete sich wie schon bei seinem Indy-500-Auftritt 2017 keinen Fehler, während andere Fahrer reihenweise von der Strecke flogen. Auch Juan-Pablo Montoya, dem nur noch der Le-Mans-Sieg zur Triple Crown fehlt.
Wie geht es jetzt weiter für Alonso? Es wird gemunkelt, dass er 2019 für McLaren beim Indy 500 wieder fahren wird – wahrscheinlich sogar die ganze IndyCar-Saison. Aus der Formel 1 würde sich der zweimalige Weltmeister damit verabschieden.
Top-10 bei den 24 Stunden von Le Mans
1. Alonso/Buemi/Nakajima (Toyota) 388 Runden
2. Conway/Kobayashi/Lopez (Toyota) + 2 Runden
3. Laurent/Beche/Menezes (Rebellion) + 12 Runden
4. Lotterer/Jani/Senna (Rebellion) + 13 Runden
5. Rusinov/Pizzitola/Vergne (G-Drive-Oreca) + 19 Runden
6. Lapierre/Negrao/Thiriet (Signatech-Alpine) + 21 Runden
7. Capillaire/Hirschi/Gommendy (Graff-Gibson) + 22 Runden
8. Perrodo/Vaxiviere/Duval (TDS-Gibson) + 22 Runden
9. De Sadeleer/Owen/Montoya (UA-Ligier) + 23 Runden
10. Jaafar/Jeffri/Tan (Jackie-Chan-Oreca) + 27 Runden
Das ganze Rennen hier noch mal zum Nachlesen im Ticker:

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-Alliance

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