Markenrecht

Ferrari gehen die Pferde durch Ferrari gehen die Pferde durch

Markenrecht

— 02.08.2002

Ferrari gehen die Pferde durch

Ein kleiner Goldanhänger beschäftigt die deutsche Justiz. Hat der Mannheimer Juwelier Mikayil Baikoglu das Ferrari-Emblem geklaut?

In den Mühlen der Justiz

In der Ecke surrt ein Klimaautomat. Doch gegen die brütende Hitze in dem kleinen Juwelierladen kommt er an diesem Juli-Tag nicht an. Hinterm Verkaufstresen steht Mikayil Baikoglu, 31, Türke, seit zehn Jahren in Deutschland. Er zieht ein Taschentuch aus der Hose, tupft sich die Schweißperlen von der Stirn und zündet eine Zigarette an. Die siebte oder achte heute, dabei ist es erst elf Uhr morgens. Baikoglu leidet.

Im Hinterzimmer telefoniert Anwalt Werner Frey hektisch mit der Rechtsschutzversicherung. Soeben kommen die beiden Männer vom Landgericht Mannheim. Die Weltfirma Ferrari hat den türkischen Goldschmied verklagt. Nach Ansicht der Italiener hat sich Baikoglu am Allerheiligsten vergangen: dem springenden Pferd, dem "Cavallino Rampante", dem Wappentier der Sportwagenschmiede. Verletzung des Markenrechts lautet der Vorwurf. Das Corpus Delicti befindet sich in der Gerichtsakte – ein goldener, 25 mal 17 Millimeter großer Anhänger in Form eines sich aufbäumenden Pferdchens. Das Schmuckstück wurde vor ein paar Monaten in dem Juweliergeschäft in der Mannheimer Innenstadt für 35 Euro erstanden. Der Kunde: ein Ferrari-Testkäufer. Baikoglu – ein Produktpirat?

"Ich habe doch nicht zehntausend Stück hergestellt, sondern nur dieses eine Pferdchen verkauft", beteuert der Goldschmied. Er hatte es aus Italien mitgebracht, wollte es eigentlich gar nicht verkaufen, sondern reparieren und für sich behalten. "Ich will keinen Ärger mit Ferrari, mit niemandem will ich Ärger", sagt Baikoglu, und man muss es ihm einfach abnehmen. Der Mann mit den großen traurigen Augen hat seinen Glauben an Gerechtigkeit verloren. Dabei hat der Mercedes-Fahrer doch alles getan, um auch nach außen ordentlicher, korrekter, ja deutscher zu sein als andere. Hat im Laden sogar die ausrangierte Polizeimütze eines befreundeten Beamten aufgehängt. Vergebens. Baikoglu ist in die Mühlen der Justiz geraten.

Ein Gaul und seine Geschichte

In einen Prozess, "der sich über Jahre hinziehen kann", wie der Richter warnend vorausschickte. Gegen einen Kontrahenten, der wirtschaftlich haushoch überlegen ist. Der ihm kurz nach Kauf des Anhängers eine Unterlassungserklärung ins Haus schickte: "Das Geschäftszeichen und die Marke ,Ferrari- Pferd‘ ... genießt den allerbesten Ruf und bürgt für die Qualität hochwertiger Erzeugnisse", heißt es dort. "Sie ist in Deutschland berühmt." So berühmt wie die Klagewut der Italiener. Ständig tingeln bis zu fünf Testkäufer auf der Suche nach Markenverletzungen durch die Lande. Das ist legitim. Nur hat Baikoglu eben nicht am Rande eines Formel-1-Rennens Profit mit falschen, weil nicht lizensierten Pferden gemacht.

Egal. "Die Marke muss sauber bleiben", sagt Ferrari- Anwältin Alexandra Hermsen. "Italien hat entschieden, dass hier geklagt wird." So müssen nun Juristen urteilen, ob ein "Imagetransfer" vom Sportwagen zum Schmuckstück stattgefunden hat. Ob Baikoglu Ferraris guten Ruf ausgeschlachtet hat. Und ob das Mannheimer Gold-Pferd überhaupt das Cavallino ist. "Wollen die jeden Gaul in Anspruch nehmen?", fragt Rechtsanwalt Frey. Rösser in Wappen bäumten sich ja auch auf. Und Fernseh-Pferd Fury sowieso. "Nur das Ferrari-Pferdchen steht auf einem Bein, schmeißt die Vorderhufe übereinander und hat einen geteilten Schweif", kontert Anwältin Hermsen. "Das gibt es in der Natur nicht." Wie das Verfahren weitergeht, ob zum Bespiel noch Gutachter gehört werden, entscheidet das Landgericht am 2. August.

Dabei ist es unerheblich, auf welche Art der große Enzo Ferrari im Jahr 1923 zu seinem späteren Firmenlogo kam. Als sicher gilt, dass es vom italienischen Fliegerass Francesco Baracca stammt, der im Ersten Weltkrieg mit Enzos Bruder Alfredo in einer Einheit diente. Laut Ferrari-Biograph und US-Fachautor Brock Yates gibt es da aber eine weitere "glaubwürdige Geschichte". Danach machte Baracca das Pferd erst zu seinem Markenzeichen, nachdem er 1916 einen deutschen Gegner abgeschossen hatte. Der Jagdflieger trug das Wappen seiner Heimatstadt am Rumpf: Stuttgart.

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