Mercedes-AMG GT S trifft Porsche 911 GTS

Mercedes-AMG GT S/Porsche 911 GTS: Test

— 28.11.2014

Ritt mit den Höllenhunden

Es gibt derzeit nichts Heißeres: 510-PS-Benz gegen 430-PS-Porsche – ein Duell der neuen Tiefflieger AMG GT S und 911 GTS.

Video: Mercedes AMG GT S

So fährt der AMG GT S

Was für ein Wahnsinn! AUTO BILD lässt Mercedes-AMG GT S und Porsche 911 Carrera GTS aufeinander los. Ohne Gnade. Mit vollem Einsatz. Und weltexklusiv. Der GT S mit 510 PS für 134.351 Euro trifft auf den GTS mit 430 PS für 121.690 Euro. Zwei himmlische Höllenhunde – oder doch zwei höllische Himmelsstürmer?

Beim Design lässt der Mercedes keine Fragen offen

Klare Ansage für die linke Spur: Die Optik des GT S verströmt reichlich Platz-da-Anspruch.

Auf der A 96 von München nach Lindau krönt sich der AMG erst mal zum König der Überholspur. Der von hellen LED-Augenbrauen eingerahmte Diamantgrill hilft dabei, die Bahn ganz ohne Lichthupe freizumachen, ehe bei 310 km/h der Begrenzer einspringt. Von 100 auf 200 in 8,2 Sekunden – irre! In Verbindung mit dem optionalen Dynamic-Plus-Paket besitzt der Mercedes einen besonders breiten und langen Drehmomentbereich, der den Fahrer zwischen 1750 und 4750 Touren mit 650 Nm verwöhnt. Der 3,8-Liter-Boxer des 911 GTS ist ein mit dem Drehwurm infizierter Sauger der alten Schule. Bis 7800 Umdrehungen spielt er lustvoll auf, bei gedrückter Sport-Plus-Taste spurtet die PDK-Version (also die mit Doppelkupplungsgetriebe) des 430 PS und 440 Nm starken Elfer in 13,5 Sekunden von null auf 200. Den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h schafft der Porsche in vier Sekunden, glatt. Das klingt rekordverdächtig, wird vom AMG Coupé aber um zwei Zehntel unterboten. Ein Blick auf den Verbrauch: Der Mercedes hat sich statt normgerechten 9,4 stramme 15,1 Liter hinter die Binde gekippt, der Porsche war mit 13,9 statt offiziell angegebenen 8,7 Litern allerdings kaum weniger durstig.
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Im Porsche ist jederzeit reichlich Grip vorhanden

Dynamisch: Am Kurvenausgang macht der Porsche mit seiner Klettverschluss-Traktion Boden gut.

Der 911 hält sich auf der Autobahn mit 304 km/h tapfer im Windschatten des AMG GT S. Und auch auf den Sonderprüfungen von Passhöhe zu Passhöhe fährt das rote Spielmobil von Porsche auf Augenhöhe mit dem blauen von Mercedes. Beim Heranzoomen an die nächste Kurve ist der Benz zwar nicht zu halten. Doch beim Herausbeschleunigen macht der Porsche mit seiner Klettverschluss-Traktion regelmäßig Boden gut. Die Talente des Mercedes-AMG GT S lassen sich über Dynamic Select individuell oder in vier Schärfegraden von Komfort bis Race würzen. Verändert werden dabei Lenkung, Gaspedal-Ansprechverhalten, Dämpfer, Schaltstrategie, Geräuschkulisse und Stabilitätsprogramm. Das breiteste Grinsen besorgt dabei der Sport-Plus-Modus, der beim Zurückschalten automatisch Zwischengas gibt, den Auspuff auf Durchzug stellt und das ESP an der langen Elektronik-Leine führt. Ähnlich engagiert wirkt die Sport-Plus-Auslegung im Porsche, der damit nur noch ansatzweise dämpft, bis in die Puppen hochdreht, extrazackig einlenkt und sich etwas tiefer ans Übersteuern heranwagt. Was wir uns für den GTS wünschen, wäre eine separat anwählbare ESP-Zwischenstufe für viel Genuss und wenig Reue.
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Die Silvretta-Nordseite mit den vielen Erste-Gang-Kehren, der welligen Fahrbahn und den schlecht einsehbaren Kurven favorisiert den Porsche. Obwohl er noch üppiger bereift ist als der Mercedes, liegt der 911 souveräner auf der Straße, steckt Unebenheiten lockerer weg und fährt flinker um enge Ecken. Der GTS will auf Zug gefahren werden – ohne harte Lastwechsel, immer früh am Gas und mit wohldosiertem Lenkeinschlag.

Die Entscheidung zwischen den beiden dürfte schwerfallen

Der Porsche wirkt etwas geschliffener als der Mercedes – kaufen sollte man am besten aber gleich beide.

Wer das Spektakel liebt, muss das Stabilitätsprogramm deaktivieren, schon kurz vor dem Scheitelpunkt Schwung holen, das Heck gekonnt kommen lassen und dann sauber gegenhalten, bis die 305er-Pirellis das Grip-gegen-Drehmoment-Duell für sich entschieden haben. Die Silvretta-Südrampe mit den lässigen Dritte-Gang-Kurven, den langen Geraden und dem Bilderbuch-Geschlängel kurz vor der Passhöhe ist die Domäne des Mercedes. Hier begeistert der Zweisitzer durch explosiven Antritt, enorme Schubkraft und langen Atem. Mit großen Gesten und V8-Theaterdonner läuft der GT S immer dann zur Hochform auf, wenn er genug Platz hat, um sich auszuleben. Schmale Rumpelpisten und ständige Richtungswechsel sind dagegen seine Sache nicht. Trotz idealer Gewichtsverteilung, aufmerksamem Sperrdifferenzial und niedrigem Schwerpunkt trüben auf engem Raum immer wieder Traktionsprobleme, Hub-Bewegungen des Aufbaus und gelegentliche Stabilitätsaussetzer den positiven Gesamteindruck. Der AMG ist mehr Corvette oder F-Type als SL und SLK, ein Hubraumriese mit Highspeed-Diplom und auf der Rennstrecke ein echter Überflieger. Im wirklichen Leben und auf öffentlichen Straßen fehlt es ihm allerdings gelegentlich an Feinschliff.

Den beweist ausgerechnet der Elfer als GTS. Er glänzt mit charismatischem Motor, intuitiver Lenkung, geschmeidigem Fahrwerk, tollen Bremsen und einem traumhaften Handling. Nach 564 Kilometer Almrausch und Kurvenzauber bleibt uns schließlich nur eine Erkenntnis: Sofort her damit! Koste es, was es wolle. Und am besten beide.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Der Porsche wirkt fokussierter, wendiger, ausgewogener – trotz uralten Heckmotor-Prinzips erstaunlich reif und gefestigt. Der AMG GT S ist eng und breit, aggressiv im Auftritt und in den Fahreigenschaften. Doch er geht wie die wilde Wutz, will jede Kurve neu zugeritten werden, ist Herausforderung und Erfüllung zugleich. Auf ihre Art begeistern beide.

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Sportcoupé

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