Mercedes B-Klasse (W 245): Gebrauchtwagen-Test
— 05.11.2012
Im Alter nur B-Ware
Gibt es heute noch Autos, die rosten? Ja. Und sie kommen von einem weltbekannten Premium-Hersteller. Schade, denn sonst ist die B-Klasse gut. Wir zeigen die Schwachstellen des Mercedes und stellen fünf Alternativen vor.
Es war einmal eine
A-Klasse. Weil die aber vielen Kunden zu klein war, verlängerte
Mercedes vorn die Nase und erweiterte den Radstand um 21 Zentimeter – fertig war die
B-Klasse. Natürlich nicht, ohne die Preise anzupassen. 21.808 Euro kostete das große B im März 2005, genau 3828 Euro mehr als eine gleich starke A-Klasse. Von der erbte das lange B außer dem Sandwichboden auch die Motoren und damit wesentliche Nachteile: Wegen der gedrängten Einbaulage quer vor den Füßen des Fahrers muss selbst für Bagatellreparaturen wie den Wechsel einer Wasserpumpe der komplette Antrieb gelöst und abgesenkt werden. Das kostet viel teure Arbeitszeit, für Aus- und Einbau eines Zylinderkopfs beim Diesel 18 Stunden. So etwas kommt gar nicht mal so selten vor. Wenn zum Beispiel eine defekte Glühkerze beim Ausbau abreißt oder festgebrannte Injektoren sich nicht lösen lassen. Allerdings muss auch gesagt sein, dass die beiden Diesel ansonsten sehr zuverlässig sind – der 180 CDI mit 109 PS noch mehr als der stärkere 200 CDI (140 PS).
Unser Testwagen stammt aus dem Januar 2010, hat bereits 110.000 Kilometer gesammelt und soll 13.500 Euro kosten. Verkäufer ist ein norddeutscher Händler, der sich nun erst mal um die Beseitigung der von uns gefundenen ...
... Rostschäden kümmern muss. Schade, denn davon abgesehen ist der Hochdach-Benz eine Sahneschnitte in bestem Pflegezustand, ohne Kratzer und Dellen. Der erste und einzige Besitzer hat sich bei der Bestellung nicht lumpen lassen und ...
... Regensensor, Navi sowie Tempomat dazugeordert. Außerdem gibt's noch einen Satz Winterreifen. Unser erster Eindruck: Hier ist sie spürbar, die berühmte Mercedes-Langzeitqualität. Nichts klappert, der Diesel summt ...
... sein sonores Lied. Die hohe Sitzposition ist klasse, die gefühlsarme, indirekte Lenkung und der große Wendekreis weniger: 12,2 Meter machen die B-Klasse unhandlich. Unser Urteil: Mal ehrlich – wer will denn ein Auto, an dem nach ...
nicht mal drei Jahren schon rumlackiert wurde? Eines mit dem Restrisiko, dass der Gammel wieder durchbricht? Und 110.000 Kilometer sind auch kein Pappenstiel, beim Wiederverkauf in ein paar Jahren steht vorn ...
... ganz schnell eine Zwei, und dann schlägt der Wertverlust auch bei einem Mercedes unbarmherzig zu. Lieber etwas mehr Geld investieren und eine andere B-Klasse suchen – mit geringerer Laufleistung und vor allem ohne Rost.
Was beide jedoch überhaupt nicht leiden können: Kurzstrecken. Dann verstopft der serienmäßige Rußfilter im Nu und muss ersetzt werden – 670 Euro. Kunden, die nicht mehr gut zu Fuß sind und ihre B-Klasse daher auch für kleine Distanzen einsetzen müssen, sind also mit einem der Benziner besser beraten. Nur Fahrspaß sollte man von denen nicht erwarten, dazu sind B 150 (95 PS), 170 (115 PS) und 200 (136 PS) zu lustlos abgestimmt. Der flotte B 200 Turbo (193 PS) ist eine sehr seltene Erscheinung, wie auch der ab 2008 angebotene B 170 NGT mit Erdgasantrieb (ab 2009: B 180 NGT). So weit zur Technik der B-Klasse. An ein anderes Thema müssen wir groß rangehen auf diesen Seiten: Rost! Ja, die B-Klasse rostet. Und deshalb ist sie im Alter nur B-Ware.
Oben in der Bildergalerie zeigen wir, auf welche Schwächen bei einem gebrauchten B-Klasse-Modell zu achten ist und stellen fünf Alternativen vor.
Mercedes B-Klasse im autobild.de-Gebrauchtwagenmarkt
| Technische Daten Mercedes B 180 CDI (109 PS) |
| Motor |
Vierzylinder-Turbo-D-Direkteinspr./vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen |
16/2 |
| Hubraum |
1991 ccm |
| Leistung |
80 kW (109 PS) bei 4200 U/min |
| Drehmoment |
250 Nm bei 1600 U/min |
| Höchstgeschwindigkeit |
183 km/h |
| 0 - 100 km/h |
11,4 s |
| Getriebe/Antrieb |
Sechsgang manuell/Vorderrad |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte |
54 l/Diesel |
| Länge/Breite/Höhe |
4270/1777/1603 mm |
| Kofferrauminhalt |
458 – 1645 l |
| Leergewicht/Zuladung |
1450/430 kg |
| Kosten für die getestete Motorvariante |
| Unterhalt |
| Testverbrauch |
6,5 l D/100 km |
| Inspektion |
240 bis 600 Euro |
| Haftpflicht (Typklasse 17)* |
502 Euro |
| Teilkasko (Typklasse 20)* |
116 Euro |
| Vollkasko (Typklasse 21)* |
646 Euro |
| Kfz-Steuer (Euro 4) |
308 Euro |
| *Online-Tarif der HUK24-Versicherung: Zulassung in Hamburg, Fahrer nur Versicherungsnehmer und Partner (25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 Kilometer, Beitragssatz SF1 (60 Prozent). |
| Ersatzteilpreise** |
| Lichtmaschine |
870 Euro |
| Anlasser |
635 Euro |
| Wasserpumpe |
370 Euro |
| Zahnriemen |
entfällt, Steuerkette |
| Endschalldämpfer |
310 Euro |
| Kotflügel vorn, lackiert |
415 Euro |
| Bremsscheiben und -klötze vorn |
285 Euro |
| **Preise inklusive Arbeitslohn und 19 Prozent Umsatzsteuer. |
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Mercedes-Benz B 180 CDI
Veröffentlicht:
05.11.2012
Hendrik Dieckmann
Fazit
Wozu viel Geld für einen Mercedes ausgeben, wenn er anschließend rostet? Deshalb: Das Auto sorgfältig auf Korrosion prüfen.
Kommentare zum Artikel (2)
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Ich habe eben den Artikel gekauft. - Wo finde ich in darin die angekündigten "5 Alternativen"?
Ihre Erkenntnisse bezüglich des Rostansatzes und Verstopfen des Rußfilters kann ich nicht bestätigen. Ich hatte nahezu 6 Jahre einen B200 CDI mit ca. 80000 km gefahrenen Kilometern
und hatte bei den o.a. Punkten keinerlei Probleme. Lediglich die Erneuerung einer Glühkerze
verursachte einige Kosten.