Mercedes SLS AMG GT3: Tracktest
Super Leistungs-Sportler

In Formel 1 und DTM ist Mercedes eine feste Größe. Ab 2011 sollen auch die Kunden auf der Rennstrecke Gas geben. Mit dem Mercedes SLS AMG GT3 geht ein käuflicher Silberpfeil an den Start. Wir sind ihn gefahren.
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Mein Kopf ist gerade genau so hoch, dass der Blick über das matt-anthrazitfarbene Armaturenbrett fällt. Akkurat wie edles Silberbesteck auf einer Festtafel liegen die verchromten Finnen der beiden Luftauslässe auf der Motorhaube; zwei links, zwei rechts. Davor fängt scheinbar schon die Straße an. Der Anfang der langen, fast nicht enden wollenden Motorhaube ist durch die schmale Windschutzscheibe gar nicht zu sehen. Dafür tauchen die Bremsbarken am Ende der Start- und Zielgeraden des Hockenheimrings nun formatfüllend vor mir auf. Weisen so unmissverständlich auf die schnelle Nordkurve hin, wie ein roter Teppich der feinen Gesellschaft den Weg. Mit dem linken Fuß trete ich das breite Bremspedal runter, ziehe zweimal an der linken Schaltwippe. Wie bei einem kurzen Intermezzo von acht Bläsern in einem Orchester übertönen die beiden Zwischengasstöße des hinter der Vorderachse eingebauten V8-Saugmotors die Klangkulisse des summenden Getriebes.
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Mit den Händen umschließe ich fest die beiden Hörner des mit schwarzem Wildleder bezogenen Rennlenkrads. Fühle mich wie der Pilot eines Learjets im Landeanflug, als ich nach rechts einlenke. "An der Abstimmung der Traktionskontrolle arbeiten wir noch, also sei bitte vorsichtig!", schießt mir der gute Rat des fünfmaligen DTM-Champions Bernd Schneider (46) durch den Kopf. Das leichte Rütteln beim Überfahren der unebenen Kerbs mahnt mich: Das äußere Ende der Fahrbahn ist erreicht. Dann geht es raus zum Zwischenspurt auf die nächste Gerade. Untermalt vom voluminösen, glasklaren V8-Donner. Von satten 6,2 Litern Hubraum komponiert, von je einem gewaltigen Auspuffrohr in den Seitenschwellern gespielt.
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DTM-Know-how inklusive
Im Grenzbereich reagiert der vom DTM-Rennteam HWA und der werkseigenen Tuning-Schmiede AMG gemeinsam entwickelte Renner wie ein wahrer Gentleman. Er zeigt mit einem kurzen Übersteuern klar die Grenzen auf, reagiert auf die Korrekturen des Fahrers aber wohlwollend. Nicht nur die Flics genannten Flügelchen unter den Scheinwerfern weisen auf das DTM-Know-how der Marke mit dem Stern hin. Auch ich sitze wie im C-Klasse-Tourenwagen in einem in den Innenraum eingebauten Monocoque. Ein völlig neuer Standard für einen GT3. Eben ganz sicher – ein Mercedes.
Fazit
Der neue Mercedes SLS AMG GT3 macht schon jetzt einen äußerst ausgereiften Eindruck. Amateur-Piloten hilft er durch seine gutmütige Abstimmung. Was die Sicherheit anbetrifft, spielt er durch das integrierte Monocoque eine Vorreiterrolle. Für den Luxus-GT verlangt Mercedes allerdings auch einen entsprechend hohen Preis.
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