Auch der BMW M3 schafft WLTP nicht

Neue Audi (2018, 2019, 2020, 2021, 2022 bis 2025)

Neue Messverfahren WLTP und RDE: Lieferengpässe

Audi S/RS: aktuell nur Lagerware

Auf der Audi-Homepage lassen sich derzeit keine S- und RS-Modelle konfigurieren. Grund: Verzögerungen bei der Umstellung auf die neuen, strengeren Abgas- und Verbrauchsmesszyklen WLTP und RDE.
Audi S-, RS-Modelle und große Benziner mit DSG können aktuell auf der Audi-Homepage nicht konfiguriert werden. Bei S- und RS-Modellen taucht der folgende, aus dem Konfigurator des RS 3 Sportback beispielhaft entnommene Hinweis auf: "Im aktuellen Modelljahr (2018) ist der Audi RS 3 Sportback bereits ausverkauft und daher ab sofort nicht mehr individuell konfigurierbar. Jedoch stehen für Sie fertige, bereits produzierte Fahrzeuge zur Verfügung. Sprechen Sie einfach mit Ihrem Audi-Partner oder besuchen Sie online die Audi Neu- oder Gebrauchtwagenbörse." 
Dahinter steckt, dass es bei der Umstellung auf die Anforderungen der Abgas- und Verbrauchsmesszyklen WLTP und RDE zu Verzögerungen kommt. Grund dafür ist, dass "praktisch alle Modell- und Motorvarianten neu homologiert werden müssen", so ein Audi-Sprecher gegenüber AUTO BILD. Das beschäftigt die Hersteller genau wie die Behörden, die sämtliche neue Homologationen zertifizieren müssen. Nach NEFZ homologierte Neuwagen sind bei Audi nach wie vor zu haben, können aber nur noch bis Ende August 2018 zugelassen werden. Weil die Auslieferung bestimmter Fahrzeuge in diesem Zeitraum nicht garantiert werden kann, nimmt Audi für sie momentan keine Bestellungen an. Die Neuhomologation findet rund um den Modelljahreswechsel im Sommer 2018 statt und wird nach Priorität der Modellreihen abgearbeitet.

Porsche hat den Neuwagenverkauf vorübergehend eingeschränkt

Auch Porsche hat wegen der neuen Abgasmesszyklen WLTP und RDE die Reißleine beim Neuwagenverkauf gezogen: "Es kommt vorübergehend zu einem eingeschränkten Angebot", sagte ein Unternehmens-Sprecher am 1. Juni 2018 laut Nachrichtenagentur Reuters. "Aber wir stellen nicht den Verkauf von Neuwagen ein." Fest steht, dass im Neuwagenkonfigurator auf der Porsche-Kundenseite folgender Hinweis erscheint: "Das von Ihnen ausgewählte Modell ist aufgrund einer anstehenden Modellrevision kurzzeitig nicht als frei konfigurierbarer Neuwagen erhältlich. Gerne möchten wir Ihnen dennoch die Möglichkeit geben, das Modell weiterhin im Car Configurator zu betrachten. Bitte wenden Sie sich bei Interesse bezüglich konfigurierbarer Neuwagen, verfügbarer Bestandsfahrzeuge und junger Gebrauchtfahrzeugen an Ihr Porsche Zentrum." Die FAZ hatte berichtet, Porsche verkaufe in Europa keine neuen Autos mehr. Der Sportwagenhersteller komme mit der Anpassung an neue Abgasnormen nicht hinterher.

Neue Porsche (2018, 2019 und 2022)

Ein Porsche-Sprecher bestätigte AUTO BILD die laufende Umstellung der Produktion auf Motoren mit Ottopartikelfiltern (OPF). Daher werde derzeit nur eine begrenzte Anzahl an Neuwagen produziert, Fahrzeuge ohne Partikelfilter seien momentan nicht bestellbar. Die Umstellung beginne mit dem 911 und dem 918 und werde schrittweise ausgeweitet. In einer offiziellen Mitteilung des Unternehmens heißt es im besten Marketing-Deutsch: "Porsche macht seine Modellpalette fit für die künftig gültigen Abgasnormen gemäß des neuen Prüfzyklus WLTP (Worldwide harmonized Light Vehicles Test Procedure)."

WLTP und RDE für genauere Verbrauchsangaben

Der neue Prüfzyklus WLTP ist seit September 2017 für neue Typzulassungen entscheidend und wird im September 2018 für sämtliche Neuwagen bindend. Von September 2019 an werden zudem die realitätsnahen Straßen-Abgastests RDE (Real Drive Emissions) Pflicht. Die Maßnahmen sollen deutlich genauere Verbrauchs- und Emissionswerte liefern als das bisher gültige Verfahren NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Dieses ist deutlich kürzer und findet nur auf dem Rollenprüfstand statt (alles zu den Unterschieden zwischen den alten und neuen Messverfahren lesen Sie hier).

Pause für VW Passat, Arteon sowie BMW M3

Auch andere Hersteller stöhnen unter höheren Belastungen durch den neuen Prüfzyklus WLTP. Die Porsche-Mutter Volkswagen erwartet nach früheren Angaben steigende Kosten und Produktionseinschränkungen spätestens im August 2018. Aktuell hat Volkswagen einen vorübergehenden Fertigungsstopp für wichtige Diesel-Modelle verhängt, um eine Fehlanzeige zu beheben. So muss noch ein Software-Update für den vielfach verbauten 2.0-TDI-Motor entwickelt werden. Für betroffene Modelle vom Typ Passat mit Frontantrieb und 7-Gang-DSG sowie das damit ausgerüstete Modell Arteon wurde die Produktion bis zur "Bereitstellung einer Abstellmaßnahme“ vorübergehend ausgesetzt. Und auch BMW meldet Schwierigkeiten: Nachdem die Produktion des M550i xDrive aufgrund mangelnder WLTP-Zulassung ausgesetzt wurde, ging es auch dem M3 an den Kragen, der wie der M3 Competition und der M3 CS ab August 2018 gar nicht mehr zum Verkauf steht.

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