Gebrauchtwagen-Test Nissan Navara D40

Nissan Navara D40: Gebrauchtwagen-Test

Oft niedergeritten

Pick-ups haben es nicht leicht. Nach einem arbeitsreichen Leben sind sie oft verbraucht. Gilt das auch für den Nissan Navara?
Analysen von Flugzeugabstürzen zeigen oft eine fast unglaubliche Verkettung von unglücklichen Umständen, die zur Katastrophe geführt haben. Bei Schäden an Autos gibt es solche Verkettungen auch. Der von 2005 bis 2016 in einem spanischen Nissan-Werk in Barcelona gebaute Navara D40 ist ein schönes Beispiel dafür.

Gebrauchtwagensuche: Nissan Navara

Die Hinterachse ist eine Risikozone des Navara

Spar-Wahn: Die minderwertige Qualität verschiedener Bauteile macht der Hinterachse oft den Garaus.

Hier betrifft es Schäden an der Hinterachse, meist in Form von abgerissenen Steckachsen. Wer glaubt, das könne nur bei brutaler Misshandlung des Autos passieren, der irrt. Hintergrund ist vielmehr die schwankende und wegen der damaligen Radikal-Sparsucht von Nissan/Renault dürftige Verarbeitungs- und Materialqualität. An der Hinterachse läuft die Kettenreaktion meist so ab: Ein Dichtring von minderwertiger Qualität wird auf der zu sorglos polierten Dichtfläche besonders schnell undicht, was ein Achslager von ebenfalls mäßiger Qualität besonders wenig schätzt, worauf es immer mehr Laufspiel bekommt, dann zerbröselt und schließlich die Steckachse bei der nächsten Belastung abreißen lässt. Das passiert zuweilen auch bei anderen Marken. Dramatisch beim Navara wird es deshalb, weil zahlreiche Leser berichten, dass es von Nissan nur komplette Reparatursätze inklusive komplett neuer Steckachse zu kaufen gibt, was die Instandsetzungskosten auf rund 1000 Euro pro Seite hochschnellen lässt. Im Internet gibt es zwar auch Reparatursätze ohne Steckachse. Aber die sind offenbar oft von noch schlechterer Qualität und bergen überdies ein Montagerisiko. Denn das korrekte Installieren eines Achslagers schaffen heutige Mechatroniker erfahrungsgemäß nicht immer einwandfrei.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Die von den kräftigen Dieselmotoren belastete Hinterachse hat es aber auch nicht leicht beim Navara. Hellhörig werden sollte man bei Schleifgeräuschen aus diesem Bereich, die vorrangig bei Kurvenfahrt mit mittlerem Tempo auftreten. An den Bremsen liegt es meist nicht. Und warum hat der technisch eng verwandte und ebenfalls in Barcelona gebaute Pathfinder II dieses Problem nicht? Weil er eine ganz andere Hinterachskonstruktion hat mit einzeln aufgehängten Rädern statt der Starrachse wie im Navara.

Korrosionsschutzmittel wurden oft nachlässig verteilt

Unter solchen Zubehör-Kunststoffwannen lauert wegen eingedrungener Feuchtigkeit oft der Rost.

Während der Vierzylinder-Diesel von Nissan fast immer lange durchhält, zeigt die Kupplung wiederum Sparzwänge. Sie ist angesichts von einer Tonne Zuladung und drei Tonnen Anhängelast zu knapp dimensioniert und hält selten länger als 100.000 Kilometer durch. Qualitätsmängel sind auch bei Kleinteilen wie Befestigungen, Sensoren, Steckern und Kunststoffteilen erkennbar. Mangelnder Korrosionsschutz ist dagegen auf nachlässig arbeitende Fabrikarbeiter zurückzuführen. Denn es gibt zwar aufgebrachte Korrosionsschutzmittel, aber oft zu unpräzise verteilt. Und so nistet sich der Rost vorzeitig am zerklüfteten Unterboden und am Frontscheibenrahmen ein, aber auch an Türunterkanten, der Ladepritsche und deren Ladeklappe, besonders bei viel gefahrenen Exemplaren. Immerhin: Im Zuge der Modellpflege von 2010, als der Navara eine neue Frontpartie und den von 171 auf 190 PS erstarkten 2.5-dCi-Turbodiesel erhielt, besserte sich auch der Korrosionsschutz. Jedenfalls nehmen die Beschwerden darüber ab diesem Modelljahr ab, verschwinden aber nicht. Noch ein mechanisches Problem: Sowohl Schalt- als auch Automatikgetriebe haben offenbar nicht das ewige Leben. Bei der Automatik scheint der Kilometerstand von 150.000 eine kritische Grenze zu sein. Bei der Schaltung ist es schwieriger: Es gibt Exemplare, die bei Kilometerstand 100.000 bereits mit dem dritten Getriebe unterwegs sind und solche, die nach 300.000 km immer noch das erste Räderwerk an Bord haben.
Überblick: Alles zum Nissan Navara

Immerhin: 47 Prozent wollen dem Navara treu bleiben

Trotz der zahlreichen Reparaturen und Beschwerden über Rost (22 Prozent) und Qualität (24 Prozent) verteilen die Navara-Besitzer erstaunlich gute Noten an die sichtlich um Schadensbegrenzung bemühten Nissan-Händler. Immerhin 68 Prozent empfinden die von den Vertragswerkstätten geleistete Arbeit als mindestens gut. Kosten für eine große Inspektion: im Schnitt 580 Euro. Wohl dadurch erreicht der Nissan eine erstaunliche Wiederkaufquote: 47 Prozent wollen sich als nächstes Auto den neuen Navara zulegen, der seit 2015 gebaut wird – wieder in Barcelona. Doch es gibt auch viele (34 Prozent), die der Marke enttäuscht den Rücken kehren. Die zieht es meist zum VW Amarok und zum Toyota Hilux, weil sie sich hier eine bessere Qualität erwarten.
Mehr über den Nissan Navara D40 erfahren Sie in der Bildergalerie.

Gebrauchtwagen-Test Nissan Navara D40

Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Als Qualitätsauto wird der Navara D40 nicht in die Geschichte eingehen. Zu viele Mängel durch Kostendruck bei Produktion und Material trüben die Bilanz. Immerhin: Der Dieselmotor hält gut durch. Getriebe, Hinterachse und Elektrik sind neben dem Rost die großen Risikozonen des spanischen Japaners. Wer dennoch unbedingt einen will: Die Jahrgänge ab 2010 sind besser.

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