Österreich kippt Lichtpflicht

Österreich kippt Lichtpflicht

— 27.09.2007

Akute Tageslicht-Allergie

Erst Pflicht, dann schlecht? Österreich ist auf einmal gar nicht mehr so überzeugt von seiner Lichtpflicht. Experten streiten über das Thema.

In Österreich dürfen Autofahrer tagsüber bald wieder ohne Licht fahren. Nach einer vom Wiener Verkehrsministerium in Auftrag gegebenen Studie ist es nicht nur überflüssig, sondern in bestimmten Situationen auch gefährlich, tagsüber das Abblendlicht anzuschalten. Fahrzeuge mit Licht könnten den Fahrer ablenken, sodass er Personen oder Hindernisse unmittelbar vor seinem Wagen schlecht wahrnehme. Österreichs Verkehrsminister Werner Faymann strebt jetzt ein Ende der erst 2005 eingeführten generellen Lichtpflicht an. "Damit wird den von vielen Autofahrern als völlig unsinnig empfundenen Strafen bei Sonnenschein und blauem Himmel ein Ende gesetzt", so der SPÖ-Politiker. Die Lichtpflicht solle nur bei schlechter Sicht gelten. Wann das der Fall sei, müsse jeder selbst entscheiden. Nach Berechnungen des Wiener Ministeriums entstehen durch permanent eingeschaltetes Abblendlicht in Österreich 250.000 zusätzliche Tonnen CO2 pro Jahr. In Deutschland blieb es bisher bei Empfehlungen und Kampagnen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen prüft derzeit, ob Autofahrer oft genug mit Beleuchtung fahren. "Im Lichte der Ergebnisse wird über eine verbindliche Regelung zu entscheiden sein", so ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Berlin. Ist Abblendlicht am Tage sinnvoll? Stimmen Sie auf der Hompage ab!

Das sagen die Experten

Bettina Schützhofer

Bettina Schützhofer, Verkehrspsychologin aus Wien: "Sehen und gesehen werden ist das Wichtigste im Straßenverkehr. Licht am Tag führt zu einer schnelleren und verbesserten Erkennbarkeit und damit besonders bei schlechten Sichtverhältnissen zu einem Sicherheitsvorteil. Für gute Sichtverhältnisse gibt es für den mitteleuropäischen im Gegensatz zum skandinavischen Raum noch keine eindeutigen Erkenntnisse. Die meisten Studien sprechen sich jedoch für Licht am Tag aus. Im Sommer ist spezielles Tagfahrlicht am besten, weil es im Gegensatz zu Abblendlicht durch seine andere Lichtstreuung und die schwächeren Leuchtmittel keine Motorradfahrer blenden kann, aber in Alleen, kleinen, dunklen Gassen und so weiter trotzdem einen Sicherheitsgewinn bedeutet."

Prof. Ernst Pfleger

Prof. Ernst Pfleger, Unfallforscher aus Wien: "Licht am Tag bringt keinen entscheidenden Vorteil, es kann sogar nachteilig sein. Unsere Messungen haben gezeigt, dass bei guten Lichtverhältnissen der Blick eines Autofahrers an den Scheinwerfern entgegenkommender beleuchteter Fahrzeuge 20 bis 25 Prozent länger hängen bleibt. Diese Blickbindungen gehen für wichtige Navigationsaufgaben in der unmittelbaren Umgebung verloren. Im reaktionsrelevanten Nahbereich müsste der Fahrer besonders auf Fußgänger, Radfahrer und andere Fahrzeuge achten. In diesem Umfeld, nicht so sehr im Gegenverkehr, lauern die wirklichen Gefahren. In Österreich soll daher ein Katalog erstellt werden, der auflistet, in welchen Situationen Abblendlicht am Tag sicherheitstechnisch sinnvoll ist."

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