Österreich kippt Lichtpflicht — 27.09.2007
Akute Tageslicht-Allergie
Erst Pflicht, dann schlecht? Österreich ist auf einmal gar nicht mehr so überzeugt von seiner Lichtpflicht. Experten streiten über das Thema.
Das sagen die Experten
Bettina Schützhofer, Verkehrspsychologin aus Wien: "Sehen und gesehen werden ist das Wichtigste im Straßenverkehr. Licht am Tag führt zu einer schnelleren und verbesserten Erkennbarkeit und damit besonders bei schlechten Sichtverhältnissen zu einem Sicherheitsvorteil. Für gute Sichtverhältnisse gibt es für den mitteleuropäischen im Gegensatz zum skandinavischen Raum noch keine eindeutigen Erkenntnisse. Die meisten Studien sprechen sich jedoch für Licht am Tag aus. Im Sommer ist spezielles Tagfahrlicht am besten, weil es im Gegensatz zu Abblendlicht durch seine andere Lichtstreuung und die schwächeren Leuchtmittel keine Motorradfahrer blenden kann, aber in Alleen, kleinen, dunklen Gassen und so weiter trotzdem einen Sicherheitsgewinn bedeutet."Prof. Ernst Pfleger, Unfallforscher aus Wien: "Licht am Tag bringt keinen entscheidenden Vorteil, es kann sogar nachteilig sein. Unsere Messungen haben gezeigt, dass bei guten Lichtverhältnissen der Blick eines Autofahrers an den Scheinwerfern entgegenkommender beleuchteter Fahrzeuge 20 bis 25 Prozent länger hängen bleibt. Diese Blickbindungen gehen für wichtige Navigationsaufgaben in der unmittelbaren Umgebung verloren. Im reaktionsrelevanten Nahbereich müsste der Fahrer besonders auf Fußgänger, Radfahrer und andere Fahrzeuge achten. In diesem Umfeld, nicht so sehr im Gegenverkehr, lauern die wirklichen Gefahren. In Österreich soll daher ein Katalog erstellt werden, der auflistet, in welchen Situationen Abblendlicht am Tag sicherheitstechnisch sinnvoll ist."

































