Porsche 911 (991): Erlkönig

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Porsche 911 (991): Erlkönig

— 14.07.2011

Elfer nach Diät

Rechtzeitig zum 50. Geburtstag speckt der Porsche 911 ab. 35 Kilo wiegt die Sportwagen-Ikone jetzt dank Leichtbaumaterialien weniger. Bei den letzten Testfahrten vor der IAA-Premiere war AUTO BILD mit an Bord.

Im September 2011 wird der neue Porsche 911 (Werkscode 991) auf der IAA offiziell enthüllt. AUTO BILD ist zusammen mit Porsche-Entwickler August Achleitner an der Südspitze Afrika unterwegs – im fast ungetarnten Erlkönig. Nur noch ein paar Klebestreifen tarnen das kreischende Geschoss. Achleitner dreht den Zündschlüssel (immer noch links vom Lenkrad), der Sechszylinder (immer noch hinten) verstummt, und steigt aus (immer noch durch die Tür). "Wir haben typische Elfer-Qualitäten weiter geschärft. Seine Fans werden nichts an ihm vermissen", verspricht der Elfer-Experte.

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Wie gut steckt der Wagen Schotterpisten weg? Die Entwicklungscrew um Baugruppenchef Achleitner achtet auf jede Kleinigkeit.

Achleitner verpasst dem Porsche 911 den letzten Feinschliff. Darunter versteht er zum Beispiel die Reduzierung der Abrollgeräusche. Sie sind nun weniger präsent als bisher, besonders die kurzen harten Schläge über Querrinnen filtert das Fahrwerk wirkungsvoller raus. Auch das Konzert aus dem Motorraum klingt akzentuierter, kennt noch mehr akustische Nuancen. 350 PS bei 6400 Touren leistet der Carrera 2 – fünf PS mehr als bisher, obwohl seine Maschine von 3,6 auf 3,4 Liter schrumpft – erstmals in der fast 50-jährigen 911-Geschichte gibt es Downsizing. Sein Motor stammt aus dem Boxster. Die Kraft des Direkteinspritzers portioniert das weltweit erste Siebengang-Schaltgetriebe oder das Porsche-Doppelkupplungsgetriebe (PDK).

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Der Carrera 2 soll mit PDK nur 8,5 Liter auf 100 Kilometer (200 g CO2/km) verbrauchen.

Besonders stolz ist die Crew aber auf die Gewichtseinsparung von 35 Kilo. So wiegt der handgeschaltete Carrera 2 nun 1380 Kilo. Den 991 auf Diät zu halten, obwohl er in Außenmaßen zulegt, war nur durch Einsatz von Leichtbaumaterial möglich. Hybrid-Plattform heißt das Zauberwort. Sie besteht aus Alu-Achsen, einer Karosserie mit 80 Prozent hochfesten Stählen sowie Aluminiumblechen für Dach, Radhäuser und Fronthaube. Für den Rest sorgen GfK-Teile. Lohn soll ein 13 bis 15 Prozent niedrigerer Verbrauch sein. Zudem verfügen die Triebwerke mit neuem Thermo-Management über mehr Leichtbaukomponenten und arbeiten serienmäßig mit Start-Stopp-System. Der Normverbrauch des Carrera 2 mit PDK soll bei nur 8,5 l/100 km (200 g CO2/km) liegen – das wäre ein Rekordwert. In der Porsche-Praxis auf der Straße dürften es elf bis zwölf Liter werden.

Jenseits von 6000 Touren sägt das Triebwerk, als gelte es, Kaminholz zu schneiden. Man glaubt, der Motor wandert dem Fahrer enger an den Rücken, um dessen Wünsche besser zu verstehen. Das Cockpit mit all seinen Bedienknöpfen wirkt vertraut. Neu ist die nach vorn ansteigende Konsole mit elektrischer Parkbremse. Sie stammt ebenso von Panamera und Cayenne wie Lenkrad und Türgriffe. Spätestens hier dürften sich die Mienen der gusseisernen Fans dann doch verziehen: Seit wann übernimmt die Ikone Teile aus dem Frontmotorprogramm? Werden hier bereits Sparbefehle der neuen Konzernmutter aus Wolfsburg umgesetzt? Auch Armaturentafel mit Cockpit stammen von Limousine und Geländewagen, einschließlich der Instrumente mit Bildschirm.

Ab 15. Juli in AUTO BILD 28/2011: Porsche 911 ungetarnt!

Trotz 56 Millimeter längerer Karosserie und 100 Millimeter mehr Radstand haben sich die Proportionen kaum verändert. Die zehn Zentimeter mehr Platz zwischen den Achsen benötigen die Ingenieure, um zwischen Motor und Getriebe eine Elektroeinheit zu platzieren – der Hybrid-911 ist für 2015 geplant. Weil die Überhänge jetzt kürzer sind und das Dach niedriger, wirkt der 991 deutlich dynamischer als sein Vorgänger. Anders als dieser verfügt der Neue über zwei unabhängige Tasten für Fahrdynamik- und Dämpferverstellung, um beispielsweise die Gasannahme zu schärfen, ohne das Fahrwerk zu verhärten. Das ist hier auf den rauen Pisten Südafrikas die richtige Abstimmung. "R101 South" heißt es jetzt auf dem Schild. Ende eines Arbeitstages. Ende eines erfolgreichen Tages. Der 991 kann kommen.

Technische Daten Porsche 911: Sechszylinder-Boxer, hinten längs eingebaut • Hubraum 3436 cm3 • Leistung 257 kW (350 PS)/6400/min • man. Siebenganggetriebe/optional Siebengang-PDK • Länge/Breite/Höhe 4491/1808/1299 mm • Radstand 2450 mm • Leergewicht 1380 kg • Spitze 300km/h • Verbrauch (EU-Mix) 8,5 l Super plus/100 km • CO2 200 g/km.
Jörg Maltzan

Jörg Maltzan

Fazit

Mehr Power, weniger Spritverbrauch und schärferes Fahrverhalten. Das war Pflichtprogramm. Auftrag erfüllt. Mehr Komfort ist die Kür. Auch hier sieht es gut aus. Trotzdem: Dass der 911 sich Teile mit dem Panamera teilt, trübt die Vorfreude.

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