Risiko Blaulichtfahrt

Gefährlicher Einsatz Gefährlicher Einsatz

Risiko Blaulichtfahrt

— 12.02.2003

Gefährlicher Einsatz

Immer häufiger sind Polizeiwagen bei Einsatzfahrten in Unfälle verwickelt – Bayern will mit einem weltweit einzigartigen Training am Simulator Blaulichtfahrten sicherer machen.

Allein in Berlin 152 Blaulichtunfälle

Seien wir ehrlich: Im Notfall sind wir alle froh, wenn die Polizei mit Blaulicht und Sirene rasch zur Stelle ist. Denn ohne Not wählt kaum einer den Notruf 110. Oder doch? Am Anfang jeder Einsatzfahrt steht bei den Beamten stets ein Adrenalinschub. Die Folge ist laut Prof. Dr. Dieter Müller von der Fachhochschule für Polizei in Sachsen "eine augenblickliche Überforderung während des Einsatzes". Das ist es, was Blaulichtfahrten so gefährlich macht – für die Beamten und für unbeteiligte Verkehrsteilnehmer.

Beispiel Lübeck: Dort entdeckte Ende Januar 2003 ein Mann sein geklautes Kennzeichen an einem Mercedes. Anruf bei der Polizei, Verfolgungsjagd durch die Hansestadt mit teilweise acht Streifenwagen und Tempo 140. Bilanz: Der Kennzeichendieb fuhr erst ein geparktes Auto und dann den – ebenfalls geklauten – Mercedes zu Schrott, ein 13-jähriges Mädchen entging nur knapp schweren Verletzungen oder gar dem Tod.

Unfälle bei derartigen Blaulichtfahrten häufen sich. In Berlin wurden 2002 bei 152 Unfällen mit Polizeiwagen 161 Menschen verletzt, im Jahr davor waren es 84. Rainer Patisch, der sich bei der Berliner Polizei mit Crashs von Streifenwagen beschäftigt, glaubt: "Wir hätten nicht die hohe Zahl von Unfällen, wenn nicht zu häufig die Regeln im Eifer des Gefechts verdrängt würden." Berlin dürfte überall sein – bundesweite Zahlen gibt es nicht.

Training am Simulator

Immerhin hat Bayern reagiert und am 22. Januar 2003 ein weltweit einzigartiges Trainingskonzept gestartet: Polizisten üben Blaulichtfahrten am Bildschirm. In zweitägigen Schulungen durchfahren sie am 1,5 Millionen Euro teuren Simulator eine Filmkulisse mit Autobahnen, Landstraßen sowie Stadtverkehr – und plötzlich auftauchenden Hindernissen.

Jetzt müsste nur noch die Verhältnismäßigkeit solcher Fahrten geschult und geübt werden. Denn oft geht’s volle Pulle hinter einem simplen Eierdieb her, der weder den Aufwand noch das Risiko lohnt. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen an William Bratton, Polizeichef von Los Angeles, orientieren. Der verbot nach einer Reihe von Unfällen so genannte "Highspeed"-Verfolgungen bei geringfügigen Anlässen wie fehlenden Kennzeichen oder Verkehrsvergehen. In Los Angeles wurden zuletzt rund 60 Prozent der Verfolgungsjagden durch solche simplen Vergehen ausgelöst.

Sie wollen uns Ihre Meinung zu diesem Thema sagen oder eigene Erfahrungen schildern? Dann schicken Sie uns eine E-Mail an redaktion@autobild.de, Stichwort: Blaulicht-Simulator.

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