Bilder: Stromkasten – Mindset auf dem Prüfstand

Schriebers Stromkasten, Teil 160

— 12.01.2012

Rätsel um Mindset-Akkus

Der Mindset soll mit einem 200-Kilo-Akku auf dem Prüfstand 312 Kilometer geschafft haben. Die Rettung für das Elektroauto aus der Schweiz? Viele Fragen sind noch offen.

"Bahnbrechender Fortschritt in der Akku-Technologie für Elektroautomobile." So überschreibt Mindset seine neueste Pressemitteilung. Der Hersteller ließ seinen Prototyp auf einem Prüfstand des TÜV Süd messen. Ergebnis laut Pressemeldung: "Bisher unerreichte Leistungsdaten." In einem Lithium-Ionen-Batteriepaket mit einem Gewicht von 200 Kilogramm lasse sich die Strommenge von 52 kWh speichern – 0,26 kWh pro Kilo entsprechen der doppelten Energiedichte der modernsten in Elektroautos verbauten Lithium-Ionen-Zellen. So bringen es Tesla und Smart auf 0,12 bis 0,13 kWh pro Kilo, andere Elektromobile gerade mal auf 0,08. Der Clou an der Sache sei aber nicht etwa ein besonderer Akkutyp, sondern ein "neuartiges Ladeverfahren in Kombination mit der Konditionierung von Lithium-Ionen-Zellen", so der Mindset-Pressetext. Dieses Verfahren habe die Liechtensteiner Firma H-Tech AG zum Patent angemeldet, und Mindset habe H-Tech für eine "exklusive Zusammenarbeit" im Bereich Elektromobilität gewinnen können.

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Können ein geändertes Ladeverfahren und die Konditionierung der Akku-Zellen beim Mindset Wunder bewirken?

Sollte das die Rettung sein für das angeschlagene Schweizer Unternehmen? Dem Kurs der Mindset-Aktie hat die Pressemeldung jedenfalls gutgetan. Er stieg am Tag ihrer Veröffentlichung um 35 Prozent, am Tag darauf noch einmal um fast 70 Prozent. Einen Superakku hatte ja vor ein paar Monaten auch schon die Berliner Firma DBM vorgestellt, auf der medienwirksam inszenierten Rekordfahrt im elektrifizierten Audi A2 von München nach Berlin. Die Batterie, die DBM später der DEKRA und Bundesanstalt für Materialforschung zur Überprüfung zur Verfügung stellte, war von der angekündigten Energiedichte weit entfernt.

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Wir haben Batterie-Papst Dirk Uwe Sauer zu den Neuigkeiten aus dem Hause Mindset befragt. Die von Mindset auf dem Prüfstand gemessene Energiedichte überrascht ihn nicht. Laut Sauer könnte es sich beispielsweise um "High-Energy"-Zellen im "18.650er-Format" handeln, das sind Li-Ion-Zellen ungefähr von der Größe handelsüblicher AA-Batterien. Diese Akkus haben eine geringe Leistungsfähigkeit bei maximaler Energiedichte. An der Prüfstandsrolle leisteten die Mindset-Akkus elf Kilowatt, ein niedriger Wert, der zu der Annahme passen würde. Für genauere Aussagen, so Sauer, müsste man das Gutachten des TÜV oder die Patentanmeldung einsehen. Doch ein TÜV-Gutachten gibt es nicht. Mindset nutzte zwar den Prüfstand, nicht aber die Ingenieure des TÜV Süd, die Messungen führten eigene Leute durch. Stutzig machen Sauer das "neuartige Ladeverfahren" und die "Konditionierung der Batteriezellen: Eigentlich kann man durch Ladeverfahren nichts Zusätzliches aus Batteriezellen herausholen, wenn die Batterien neu sind."

Autor: Hauke Schrieber

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