Schumi-Fans vor Gericht

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Schumi-Fans vor Gericht

— 10.04.2002

5000 Euro Strafe für "Ferrari-Fälscher"

Vier Männer aus Eisleben, eine große Leidenschaft: Formel-1-Renner nachbauen. Das kommt sie jetzt teuer zu stehen.

Ferrari gegen Formel-1-Fans

Wäre es nicht so ernst, es wäre eine große Lachnummer, nicht nur für Rennsportfans: Ferrari, amtierender Formel-1-Weltmeister und milliardenschwerer Weltkonzern, verklagt vier Formel-1-Fans aus Eisleben in Sachsen-Anhalt auf Schadenersatz. Die am Donnerstag per Vergleich erstrittene Summe, 5000 Euro, entspricht nicht einmal dem Stundenlohn von Schumi I. Die Mitglieder des Motorclub Eisleben aber kostet sie die Existenz.

Dem Gericht in Frankfurt war das egal: "Wir hätten uns noch Jahre rumstreiten können, aber das hätte die Kosten nur in die Höhe getrieben - mit ungewissem Ausgang", sagt Dr. Birgit Brömmekamp, die Anwältin der Schumi-Fans. Schadensbegrenzung war also die Devise. Und das bedeutet: Statt 7000 nur 5000 Euro "Schadenersatz". Genaugenommen Strafe, bloß für welchen Schaden eigentlich? Dafür, dass die Eislebener Werbung für Ferrari und die Formel 1 gemacht haben? Dafür, dass sie Schumis Ferrari eins zu eins nachgebaut haben? Nein, weil sie damit eine kleine Mark für die Vereinskasse verdient haben. Zum Beispiel bei einem Besuch in ihrer Heimat-Fleischerei Tobarski.

"Ich bin sicher, Ferrari hat das so hart durchgezogen, um ein Exempel zu statuieren", sagt Jörg Heinze, der Hauptangeklagte. Seit Jahren bastelt er in seiner Freizeit mit seinem Bruder Ralf und zwei Freunden, René Thieme und Roger Axt, an Formel-1-Nachbauten rum. Bislang Ferrari, seit kurzem auch McLaren, Williams und Toyota. Vom Original waren die Fälschungen kaum zu unterscheiden. Fan-Patriotismus in Perfektion. Mehr nicht. Aber offenbar zu viel für Ferrari. Die sahen ihre Markenrechte in Gefahr.

Birgit Brömmekamp: "Mit gewerblicher Markenpiraterie hat das nun wirklich nichts zu tun. Formal juristisch war dennoch nur Schadensbegrenzung drin." Die den Eislebenern dennoch das Genick zu brechen droht: "Die Jungs müssen sich jetzt verschulden, sonst können sie die 5000 Euro nicht aufbringen. Wenn denen keiner finanziell unter die Arme greift, ist es aus mit dem Motorclub Eisleben." Was eine Schande wäre. Nicht nur für Ferrari.

Das sagen die Anwälte

Dr. Jan D. Müller-Broich, Rechtsanwalt aus Frankfurt "Dem Grundsatz nach ist gegen eine private Nutzung der Kennzeichen unserer Mandantin Ferrari nichts einzuwenden. Aus der Vermietung der Replika des Formel-1-Autos hat der Motorclub Eisleben e. V. insgesamt einen Nettoumsatz von 48.253 Mark erzielt. Damit kann aber von einer hobbymäßigen Verwendung nicht mehr die Rede sein; vielmehr sind hier handfeste gewerbliche Interessen betroffen. Die Kennzeichen unserer Mandantin – 'Ferrari-Pferd' sowie die 'Ferrari-Wappen' – sind als Marken international geschützt.

Geschützt ist ferner auch die Farbe 'Rot' auf den Chassis von Formel-1-Fahrzeugen. Indem der Motorclub Eisleben e. V. die Replika vermietet hat, hat er ohne Zustimmung unserer Mandantin deren Marken und geschäftliche Kennzeichen zu gewerblichen Zwecken verwendet. Aus Sicht unserer Mandantin stellen sich die Mitglieder des Motorclubs Eisleben als vermeintlich unbescholtene F-1-Fans dar, während sie sich tatsächlich durch die unbefugte Benutzung der Markenrechte unserer Mandantin ein nicht gerade geringes Zubrot verschafft haben."

Dr. Birgit Brömmekamp, Rechtsanwältin aus Köln "Von Anfang an lag den Mitgliedern des Motorclubs Eisleben nichts ferner als die weltberühmte Marke Ferrari in irgendeiner Form zu verletzen. Ihr Verhalten war einzig von ihrer enthusiastischen Begeisterung für Michael Schumacher und seinen Rennstall bestimmt - tragische Ironie, dass ihre Verehrung so ganz und gar missverstanden wurde. Die Schumi-Enthusiasten haben für die Präsentation ihres Ferrari-Nachbaus Geld angenommen. Diese Gelder (46.253 Mark brutto in einem Zeitraum von 36 Monaten) waren Aufwandsentschädigungen. Sie flossen nachweislich eins zu eins in die Vereinskasse, um den Motorclub Eisleben und insbesondere den Nachbau und dessen Instandhaltung zu finanzieren. Persönlich bereichert haben sie sich nicht. Von gewerblicher Nutzung kann hier de facto wirklich nicht die Rede sein.

Die Vereinsmitglieder haben den Nachbau auch oft genug kostenlos zu gemeinnützigen Zwecken (Schul-, und Sportfeste, Besuche behinderter Kinder etc.) zur Verfügung gestellt. Das war Formel 1 zum Anfassen. Eigentlich haben sie Werbung für Ferrari gemacht. Hier ist Ferrari deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Wäre man doch beizeiten von dem hohen Ross herunter gestiegen, das man im Wappen trägt."

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