Die Fahrt zur Zapfsäule schmerzt zunehmend: Die Preise steigen unaufhörlich.

Spritpreise

— 29.05.2008

Kartellamt schaltet sich ein

Die Wettbewerbshüter drohen mit "angemessenen Maßnahmen", sollten tatsächlich Preisabsprachen der Ölmultis nachgewiesen werden. Dieselkraftstoff ist inzwischen teurer als Super.

Das Bundeskartellamt will der Preisexplosion bei Benzin- und Dieselkraftstoffen nicht länger tatenlos zusehen. Nach zahlreichen Verbraucherbeschwerden kündigten Deutschlands oberste Wettbewerbshüter am Mittwoch eine Untersuchung des Kraftstoffsektors auf Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht an. Der Höhenflug der Spritpreise ging unterdessen weiter. Zum ersten Mal seit Bestehen der Bundesrepublik mussten laut ADAC Dieselfahrer im bundesweiten Schnitt mehr pro Liter bezahlen als die Besitzer von Autos mit Benzinmotoren. Angesichts des anhaltend hohen Preisniveaus fordert der Club die sofortige Wiedereinführung der alten Entfernungspauschale und das Aussetzen der Ökosteuer.

Angesichts der hohen Preise wechseln inzwischen immer mehr Autofahrer auf die Schiene. In den ersten vier Monaten dieses Jahres stieg die Zahl der Fahrgäste bei der Deutschen Bahn nach Unternehmensangaben um 20 Millionen oder 2,3 Prozent auf 888 Millionen. Besonders stark fiel das Plus mit 3,1 Prozent im Fernverkehr beim ICE aus. "Dabei spielen auch die Benzinpreise eine Rolle", kommentierte Bahnchef Hartmut Mehdorn die Entwicklung. Aufgeschreckt worden war das Bundeskartellamt durch zahlreiche Verbraucherbeschwerden und Eingaben freier Tankstellenbetreiber. Dem Kartellamt zufolge misstrauen viele Verbraucher der Preisbildung für Benzin und Diesel grundsätzlich. Die freien Tankstellenbetreiber werfen den großen Gesellschaften dagegen vor, sie mit Beschaffungspreisen über den Tankstellenabgabepreisen in die so genannte Preis-Kosten-Schere zu nehmen. Die Behörde warnte: "Sollten sich Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht ergeben, werden angemessene Maßnahmen ergriffen."

Es geht aufwärts: die Entwicklung der Spritpreise im vergangenen Jahr in Deutschland.

Hoffnungen auf schnelle Abhilfe sollten sich die Verbraucher allerdings nicht machen. Einen ersten Zwischenbericht der Untersuchung werde es bis Ende des Jahres geben, erklärte das Kartellamt. Ohnehin richtet sich sich die Untersuchung nicht gegen bestimmte Mineralölgesellschaften. Vielmehr gehe es darum, die generellen Marktbedingungen zu durchleuchten und mögliche Wettbewerbsverzerrungen zu identifizieren, hieß es in Bonn. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Behörde ist der deutsche Kraftstoffmarkt von einem marktbeherrschenden Oligopol von nur fünf Mineralölgesellschaften geprägt. Auf die Konzerne Shell, BP (Aral), ConocoPhilips (Jet), ExxonMobil (Esso) und Total entfallen zusammen rund 73 Prozent des deutschen Kraftstoffabsatzes.

"Wir haben einen wettbewerbsintensiven Markt", sagte die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Hamburg, Barbara Meyer-Bukow, dagegen am Mittwoch der AP. Die Sprecherin des Konzerns Esso, Gabriele Radke, betonte: "Mir ist keine Branche bekannt, die so oft von den Kartellbehörden überprüft worden ist, wie das Tankstellengeschäft. Und das jeweils ohne Befund." Der Höhenflug der Kraftstoffpreise setzte sich unterdessen fort. Nach Angaben des ADAC vom Mittwoch kostete am Dienstag Diesel mit 1,500 Euro je Liter erstmals im bundesweiten Schnitt mehr als Superbenzin mit 1,499 Euro je Liter. Der Dieselpreis habe seit Dienstag der Vorwoche um zwei Cent angezogen, während Superbenzin gleich teuer geblieben sei, berichtete der ADAC.

In den vergangenen Wochen hatten sich die Preise für beide Produkte schrittweise angenähert, obwohl Diesel mit 22 Cent niedriger besteuert wird als Superbenzin. Als Grund verwiesen Experten auf die weltweit steigende Nachfrage nach Mitteldestillaten wie Kerosin und Diesel. Der Ölpreis entfernte sich dagegen am Mittwoch deutlich von seinem Rekordstand und fiel unter die Marke von 128 Dollar je Fass. Händler und Experten begründeten den Preisverfall unter anderem mit anhaltenden Sorgen über die Entwicklung der US-Konjunktur.

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