50 Autos im Check: So hoch ist der Mehrverbrauch

Spritverbrauch: Herstellerangabe gegen Test

— 17.11.2016

Mehrverbrauch so hoch wie nie

Eine neue ICCT-Untersuchung zeigt: Die Diskrepanz zwischen Herstellerangaben und echtem Verbrauch betrug 2015 im Schnitt 42 Prozent! AUTO BILD erklärt die Gründe.

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'Verbraucht Ihr Auto mehr als im Prospekt angegeben?'

(dpa/cj/lhp) Der internationale Umweltforscher-Verbund ICCT (International Council on Clean Transportation) – Mitenthüller des VW-Abgasskandals – erhebt mit einer neuen Untersuchung schwere Vorwürfe gegen die Autoindustrie bezüglich des Klimakillers CO2. Laut der am Donnerstag (17. November 2016) vorgestellten Analyse verbrauchten neue Pkw 2015 auf der Straße im Schnitt 42 Prozent mehr Sprit, als die Hersteller im Prospekt offiziell angaben. Ein rapider Anstieg: Vor fünf Jahren hatte eine Studie noch einen Unterschied von 23 Prozent, vor zehn Jahren von 15 Prozent ergeben. Weil die CO2-Werte direkt vom Verbrauch abhängen, dürften die Zahlen vor allem Klimaschützer aufschrecken. Finanziellen Schaden haben aber auch Autofahrer, die den Mehrverbrauch bezahlen müssen, sowie der Staat, dem Einnahmen aus der an den Verbrauch gekoppelten Kfz-Steuer entgehen.

Die sparsamsten Autos

Nissan X-Trail Renault Twingo Kia c'eed Spirit

Schlupflöcher werden systematisch genutzt

Das Erschreckende: "Ungefähr drei Viertel der Diskrepanz zwischen Real- und Testverbrauch sind darauf zurückzuführen, dass Fahrzeughersteller immer systematischer Schlupflöcher in der bestehenden Regulierung ausnutzen", meint ICCT-Europa-Chef Peter Mock. Gemeint sind zum Beispiel für Tests optimierte Reifen oder Batterien, um den Normverbrauch zu schrumpfen. Zudem spielten Faktoren hinein, die den Labor- gegenüber dem Straßenbetrieb sparsamer erscheinen lassen – wie die Abschaltung von Klimaanlage oder das Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit auf dem Prüfstand auf 120 km/h. Eine genaue Analyse der gängigen Messverfahren, darunter der Neue Europäische Fahrzyklus (NEFZ), lesen Sie hier.

Daten von einer Million Autos ausgewertet

Die ICCT hatte zusammen mit dem niederländischen Institut TNO Daten von etwa einer Million Fahrzeuge aus sieben europäischen Ländern untersucht. Dabei griffen die Forscher auf Angaben privater Autonutzer bei spezialisierten Verbrauchs-Webseiten, Tankdaten von Leasingfirmen, Messungen von Autoclubs sowie Straßentests von Fachzeitschriften zurück – darunter auch von AUTO BILD. Die neuen Angaben decken sich mit Ergebnissen von AUTO BILD-Tests, in denen die Verbrauchswerte oft dreißig bis vierzig Prozent über den Angaben der Hersteller liegen.
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Wenn der Motor säuft: Ursachen für zu hohen Verbrauch
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Fragen und Antworten zum Test vom Spritverbrauch

Wie überprüfe ich, ob mein Auto zu viel verbraucht? Am besten, Sie beobachten den Spritverbrauch über längere Zeit. Nicht nur der persönliche Fahrstil, sondern auch Verkehrsdichte, Witterungsverhältnisse, Topografie, Reifen und der Wartungszustand des Autos spielen dabei eine Rolle. Für eine Messfahrt das Auto volltanken – und zwar randvoll, Luftblasen durch Wippen des Wagens "herausschütteln". Nach der Verbrauchsfahrt das Fahrzeug auf die gleiche Weise wieder volltanken. Den Verbrauch berechnen Sie, indem Sie die getankte Menge durch die gefahrenen Kilometer teilen und das Ganze mit 100 multiplizieren.

Der Mini Cooper D verbraucht laut Prospekt 3,5 Liter Diesel. Im Test waren es 5,2 Liter – fast 49 Prozent mehr.

Wie misst AUTO BILD den Testverbrauch? Jeden der jährlich mehr als 700 Testwagen schicken wir auf eine 155 Kilometer lange Strecke. Die Testrunde führt 61 Kilometer über Landstraßen, enthält 40 Kilometer Stadt-Anteil und einen 54 Kilometer langen Autobahnabschnitt. Gefahren wird zügig, mit normaler Drehzahl, unter strikter Einhaltung der Tempolimits – auf einem 20 Kilometer langen freien Autobahnabschnitt aber auch mit Vollgas. Um den Spritverbrauch auf den Zehntelliter genau zu erfassen, tanken wir vor und nach der Testrunde jeweils randvoll und errechnen aus der beim zweiten Stopp getankten Menge den Schnitt.

Die 30 schlimmsten Spritfresser

Wenn mein neues Auto wirklich zu viel schluckt – kann ich es wieder zurückgeben? Ja, aber das ist nicht ganz einfach. Dazu muss ein erheblicher Mehrverbrauch von einem Sachverständigen bestätigt werden. Im Zweifel muss der Mehrverbrauch auf einem Prüfstand nach der geltenden EU-Richtlinie reproduzierbar sein. Die Faustregel des Bundesgerichtshofs: Bei einem gutachterlich festgestellten Mehrverbrauch von mindestens zehn Prozent gibt es Geld zurück. Wir haben in unsere Testdatenbank geschaut und die 50 Autos zusammengestellt, bei denen Normverbrauch und Testverbrauch am deutlichsten voneinander abweichen. Basis unserer Betrachtung waren alle Autos, die im Jahr 2014 von AUTO BILD getestet wurden. 30 oder 40 Prozent Mehrverbrauch sind eher die Regel als die Ausnahme. Bei den beiden Spitzenreitern unserer Liste sind es sogar weit über hundert Prozent. Doch es gibt auch Modelle, bei denen der Testwert nur geringfügig vom Normverbrauch abweicht oder diesen sogar unterbietet – auch die nennen wir. In der Bildergalerie finden Sie alle Modelle.

So viel verbrauchen unsere Autos wirklich

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Autor: Patrick Seitz

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