Porsche/Lambo: Test

Porsche 911 GT2 RS Lamborghini Gallardo LP 570-4 SL Porsche 911 GT2 RS Lamborghini Gallardo LP 570-4 SL

Supersportler: Test

— 16.12.2010

Biturbo-Boxer oder Hochdrehzahl-V10?

Magerkur und noch mehr Leistung: Beim Porsche 911 GT2 RS und dem Lamborghini Gallardo Superleggera herrscht Suchtgefahr. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den folgenden Vergleich.

Granatengleich detonieren die von flachen Sportreifen und knüppelhartem Fahrwerk getroffenen Querfugen ins Innere des Lamborghini Gallardo Superleggera, kaum sichtbare Steinchen prasseln in den nahezu unverkleideten Radhäusern wie Monsunregen, der auf ein Blechdach niedergeht. Die dünn gepolsterten Schalensitze fangen nur das Nötigste davon ab, während von hinten der spärlich durch Karbon und Plexiglas abgeschirmte V10 lautstark röhrt – und das schon bei 2000 Touren. Für normalerweise in Watte gehüllte Luxuslimousinen-Fahrer wohl eine Folter, für Sportwagen-Infizierte hingegen der Himmel auf Erden.

Übersicht: Alle News und Tests zum Porsche 911 GT2 RS

Beim Einlenken ohne Gas kommt das Heck im Gallardo leicht, stabilisiert sich unter Last aber wieder.

Denn so wird sichtbar, wie man im italienischen Sant’Agata den Leichtbau auf die Spitze treibt. Zuffenhausen gelingt das ebenfalls: Mit 1402 von der Waage erfassten Kilogramm ist der Porsche 911 GT2 RS lächerliche drei Kilo schwerer als ein GT3 RS. Der Testwagen lässt Radio und Klimaanlage links liegen, fährt mit vorderen Karbonkotflügeln und nicht wintertauglicher Lithium-Ionen-Batterie vor; als einzige weitere Abspeckmaßnahme bleiben Leichtbau-Scheinwerfer. Auf Elektromotörchen für Fensterheber und Außenspiegel könnten wir aber ebenfalls verzichten.Denn das, was der GT2 RS mit jedem Milliliter Super Plus veranstaltet, ist es absolut wert.

Übersicht: Alle News und Tests zum Lamborghini Gallardo

Die Porsche-Ingenieure lassen den 3,6-Liter-Biturbo fahrbarkeitsfördernd erst ab etwa 3000 Umdrehungen ganz von der Kette.

AUTO BILD SPORTSCARS will es wissen: Was können Über-911 und Leichtbau-Lambo auf letzter Rille? Der Sachsenring versinkt im Regen, dafür verschont das nasskalte Novemberwetter die Pfalz – spätherbstliche neun Grad und Sonnenschein erlauben auf dem Grand-Prix-Kurs des Hockenheimrings die Zeitennahme. Profi-Rennfahrer Sascha Bertist ist vom Superleggera angetan: "Die topfebene Strecke ist dem Lambo auf den Leib geschnitten. Er liegt sehr neutral, hat eine gigantische Traktion. Die Keramikbremse bleibt standfest, die Lenkung ist schön direkt", schwärmt Sascha. "Beim Einlenken ohne Gas kommt das Heck leicht, stabilisiert sich unter Last aber wieder." Als Nachteil entpuppen sich einmal mehr die feststehenden Schaltpaddel, die bei Schaltvorgängen in Kurven dazu zwingen, die Hand vom Lenkrad zu nehmen.

Dem Porsche auf den Fersen

Sascha fliegt im Porsche über die Piste und kommt begeistert wieder. "Einen solchen Porsche bin ich noch nicht gefahren", sprudelt es aus dem Profi heraus. Die Traktion ist mit heißen Reifen fast noch besser als beim Lambo. Dazu liegt das Auto bestechend neutral, ist optimal für die Strecke abgestimmt. Eine tolle Balance. Mit der noch brachialer verzögernden Bremse samt rennwagenähnlichem ABS kann ich deutlich später bremsen als im Gallardo – bis in den Scheitelpunkt hinein!", lobt er den Hecktriebler. "Zuletzt entwickeln die Michelin-Semislicks etwas mehr Grip und reagieren nicht so empfindlich mit ansteigendem Luftdruck bei rennmäßiger Fahrweise wie die Pirelli-Reifen des Superleggera." Auch für Hobbyangaser zu spüren: Die Lenkung agiert noch einen Tick direkter als beim Italiener, die Bremse lässt sich feinfühliger dosieren. Dennoch beträgt der Vorsprung des Porsche trotz seines Gewichts- und Leistungsvorteils nur 1,5 Sekunden. Mehr zu unseren Testkandiaten erfahren Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es in AUTO BILD SPORTSCARS 1/2010 oder als Download im Heftarchiv.
Frank Wiesmann

Frank Wiesmann

Fazit

Der Porsche gewinnt die Performance-Disziplinen knapp, wirkt aber vergleichsweise abgeklärt. Emotionen pur erlebt man im Superleggera, der dazu der fahrdynamischste Lambo aller Zeiten ist. Beide begeistern Profis, machen aber dank hochentwickelter Fahrhilfen ihr Potenzial auch Normalfahrern zugänglich.

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