Supertest K1 Roadster
Angriff ist die beste Verteidigung

Von Prototyp und Kitcar zum käuflichen Komplettfahrzeug: Was als "Attack" jahrelang durch die Medien geisterte, kommt jetzt als K1 Roadster auf den Markt. Die Aggressivität ist geblieben.
- Ben Arnold
K-1 markiert eine Erweiterung des Kickboxens um Elemente aus Karate und Kung-Fu. Erlaubt ist außer beißen, kratzen und Gegner aus dem Ring werfen fast alles – oder zumindest ziemlich viel. Ein harter Sport für harte Jungs, die es abkönnen, von einem donnernden Schwinger am Kinn getroffen zu werden. Ähnliche Nehmerqualitäten erfordert auch der K1 Roadster – obwohl ihn nur der Name mit dem Kampfsport verbindet. "Wir bieten einen puristischen Sportwagen – ohne gewichtstreibenden Schnickschnack. ESP fehlt völlig, ABS samt Traktionskontrolle gibt es ab Mitte des Jahres – optional." Olly Brinkmann spricht. Der 39-Jährige verantwortet die Technik des K1. Darüber hinaus betreibt er einen Rennstall. Mit zwei Abt-DTM-Rennern von 2002 fährt er in der Dutch Super Car Challenge.
Dort gewinnt er meist. Auch in Sachen K1 will Brinkmann keine Niederlage einstecken: "An der Vermarktung des Roadsters haben sich schon viele probiert. Wir sind jedoch die Ersten, die ein offiziell zugelassenes Serienfahrzeug vorzuweisen haben." "Wir" umfasst neben Brinkmann das Fertigungswerk im slowakischen Bratislava und den niederländischen Vertrieb. 2002 wurde der K1 präsentiert – jetzt geht das Auto in den Verkauf. In der Zwischenzeit lernte der K1 lediglich als Kitcar das Laufen – aufgebaut von findigen Bastlern, meist von Honda-Motoren befeuert. Auch in Form eines Komplettfahrzeugs hat das Design des K1 nichts von seiner durchschlagenden Wirkung eingebüßt.
Die Front sieht verdächtig nach Supersportler aus

Bild: Lena Barthelmeß
Der Motor des Attack kommt von Ford – aus dem Mondeo ST 220. Was bieder klingt, verzückt. Das Aggregat geht so lautstark und kernig zu Werke, dass die Herkunft schlagartig vergessen ist. Laut brüllend dreht der Sechszylinder hoch, sowohl Besatzung als auch Passanten schlackern beeindruckt mit den Ohren. Im unteren und mittleren Drehzahlbereich zeigt sich der Saugmotor von seiner besten Seite, gibt sich quicklebendig und durchzugsstark. Nach oben heraus tut sich der kleine Sportler unverhofft schwer. Dem Ford-Motor fehlt der lange Atem eines Spitzensportlers. Seinen Unmut über Drehzahlexzesse schreit er laut heraus, brüllt der Besatzung schmerzgepeinigt ins Ohr. Auch das Getriebe überzeugt nicht restlos. Zwar fallen die Schaltwege kurz aus. Zum Teil mutet die Platzierung der Gänge jedoch recht abenteuerlich an. Speziell die eigenartige Ansiedlung des sechsten Gangs verlangt der Feinmotorik alles ab.
Die Compound-Bremsanlage soll optimale Hitzeabfuhr gewährleisten

Bild: Lena Barthelmeß

Bild: Lena Barthelmeß
Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Autor Ben Arnold
Wer selbst eine Elise als Massenartikel abtut, könnte hier fündig werden: Der kompromisslose K1 Roadster stellt eine ernsthafte Alternative zu jeglicher Form automobiler Beliebigkeit dar. Vor allem Gegner bevormundender Hilfselektronik dürfte der charismatische Kampfsportler begeistern. Das teils tückische Fahrverhalten sollten Freidenker als Herausforderung begreifen. Verstimmungen verursacht lediglich der happige Preis des Spaßgeräts.
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