Tacho-Trickser

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Tacho-Trickser

— 07.05.2003

Wer hat an der Uhr gedreht?

Laut DEKRA soll bei jedem dritten Auto der Kilometerstand manipuliert sein. So erkennen Sie, ob ein Tacho-Trickser am Werk war.

Im Anfang war die Bohrmaschine ...

Seit Autos Kilometer zählen, wird an dieser Stelle manipuliert. Legenden ranken sich um die berühmte Bohrmaschine, mit der man die Laufleistung nach Wunsch justieren konnte. Mittlerweile machte die alte Kilometerwalze im Tacho Platz für ein LCD-Display. Geändert hat sich dadurch aber nicht viel. Die neue Technik gaukelt bestenfalls Sicherheit vor, weshalb der Betrug schwerer aufzudecken ist.

Betrug? Diese Definition ist nicht so leicht. Rechtlich gesehen darf jeder am Tacho drehen, wie er will. Allerdings muss ein Käufer von der tatsächlichen Laufleistung informiert werden. Erst wenn dies nicht passiert, liegt einwandfrei Betrug vor. Und das kommt gar nicht so selten vor. Die Sachverständigenorganisation DEKRA schätzt, dass an jedem dritten Auto gedreht wurde.

Schwer wird es potenziellen Betrügern nicht gemacht, denn unter Stichwörtern wie "Tachojustierung" zeigt jede Internet-Suchmaschine den nächsten Experten. Etwa www.tachofuchs.de in Bremen, wo wir mit unserem Golf III vorstellig wurden. Der Tachofuchs, das ist Martin Burghardt, hauptberuflich betreibt er eine Kneipe. Kilometerzähler verstellt er nur als Zubrot, wobei sich der Job nicht so ganz rechnet.

Zahlenspielerei als Dienstleistung

Schuld hat die große Konkurrenz und die Tatsache, dass viele Händler selber an ihren Autos drehen. Händler? Ja, natürlich nennt er keinen Namen, doch er wisse von einigen. Momentan verdient er etwa 100 Euro pro Woche, für Computer und Software bezahlte er fast 11.000 Euro. Reich wird der Verkäufer, nicht der Tacho-Dreher. Auch arbeitet er vollkommen legal. Er will ja den Wagen nicht gewinnbringend verkaufen.

Das Spiel mit Zahlen ist eine Dienstleistung – und nicht strafbar. Wenn zum Beispiel nach einem Unfall ein neuer gebrauchter Tacho eingebaut wird, stellt der Tachofuchs die richtige Kilometerzahl ein. Die Zeiten werden härter für Betrüger und Justierer, denn immer mehr Autohersteller setzen auf technische Fallen. Gern spricht aber keiner darüber, niemand will seine Sicherungen potenziellen Betrügern bekannt geben.

Audi etwa speichert die gesamte Fahrzeughistorie in den Datenbanken des Technischen Kundendienstes. Kommt ein Fahrzeug ein zweites Mal zur 60.000-Kilometer-Inspektion, läuten die Alarmglocken. Bei Interesse kann jeder Kunde beim Audi-Partner die Einsicht in seine Fahrzeughistorie verlangen.

Den Tricksern auf die Schliche kommen

Der neue A8 ist, wie Audi-Sprecher Udo Rügheimer betont, "extrem vernetzt". Der Kilometerstand wird also in mehreren Speichern abgelegt. Ein Trend, der Zukunft hat. BMW versteckt seit Herbst 1999 spezielle Speicherbausteine. Der neue Siebener macht eine Manipulation nahezu unmöglich, hier müssten alle Steuergeräte getauscht werden.

Damit ist der Gewinn für Tacho-Betrüger wieder dahin. Schwachstelle: Eine Überprüfung in einer Niederlassung ist bei BMW nicht möglich. Deshalb sind auch Interessenten dieser Nobel-Autos auf jene Hilfen angewiesen, die alle Autokäufer berücksichtigen sollten:

• Verrät ein Zettel oder Aufkleber im Motorraum, dass eine Inspektion bei einem km-Stand durchgeführt wurde, der eigentlich erst in ferner Zukunft liegt? • Verlangen Sie eine umfangreiche Fahrzeugdokumentation, werden Sie misstrauisch, wenn das Auto in den letzten Monaten kaum bewegt wurde. • Bei einem Auto vom Händler kann auch detektivischer Spürsinn nicht schaden: Rufen Sie mal den Vorbesitzer an, fragen nach dem letzten Tachostand. • Ein auffällig abgewohnter Innenraum spricht nicht für geringe Laufleistung. Misstrauisch werden – und im Zweifel ein anderes Auto wählen.

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